Aus dem Alltag eines Sysadmin: Nmon
Mon Généraliste
Für seine Kolumne hat Charly schon die unmöglichsten Top-Derivate ausgegraben - eines spezialisierter als das andere. Nun ist es es an der Zeit für einen echten Generalisten.
Für seine Kolumne hat Charly schon die unmöglichsten Top-Derivate ausgegraben - eines spezialisierter als das andere. Nun ist es es an der Zeit für einen echten Generalisten.
Nmon [1] kennt zwei Betriebsmodi, den interaktiven und den Capture- Modus. Im interaktiven Modus präsentiert sich das Ober-Top als aufgeräumter, aber auch mitteilsamer Systemmonitor. Durch Tastaturkommandos zeigt das sich selbstständig aktualisierende Konsolenprogramm die Prozessor-, Platten- und Netzlast an. Daneben gibt es Statistiken zur Arbeit des Kernels und einzelner Volume-Gruppen ebenso wie eine Übersicht über den realen und virtuellen Speicher und das NFS. Interessant sind die Verbose Simple Checks, die [V] einblendet. Die Checks zeigen die wichtigen Systemparameter auf einen Blick erkennbar an und ob sie sich im grünen, gelben oder roten Bereich bewegen.
Wer's drauf anlegt und entweder einen großen Monitor oder gute Augen hat, darf sich all die Informationen gleichzeitig anzeigen lassen. Wem der napoleonisch-analytische Schlachtfeldblick fehlt, beschränkt sich gleich auf die für das jeweilige System wesentlichen Werte. Für eine Anzeige wie im Abbildung 1 genügt es bereits, nach dem Start die Tasten [C] (CPU), [D] (Disks), [N] (Netz) und [V] (Verbose Checks) zu betätigen. Mit [T] käme eine Auflistung der aktuell laufenden Prozesse hinzu, wie jedermann sie vom klassischen Top kennt.
Abbildung 1: Nmon zeigt nach den Drücken der Tasten [C], [D], [N] und [V] die Arbeitlasten von CPU, Disks und Netz an.
Im nicht-interaktiven Betrieb, Capture-Modus genannt, sammelt Nmon all seine Daten in einem wählbaren Intervall und schreibt sie in eine Datei. So kann ich die Entwicklung der Systemparameter über einen Zeitraum verfolgen und sie außerdem an andere Auswertungswerkzeuge übergeben. Das darf eine Tabellenkalkulation sein, die aus den Zahlenreihen eine Verlaufsgrafik erstellt, oder ein Skript, dass die Daten an RRD Tool verfüttert und so eine kontinuierliche Langzeitanalyse des Systemverhaltens ermöglicht.
Die Option »-f« starte den Capture-Modus, beispielsweise mit:
nmon -f -s30 -c120
Die erzeugte Datei bekommt einen Namen à la »elba_100403_1351.nmon«. Der erste Teil ist der Hostname, dann folgt der Zeitstempel (»JJMMTT_HHMM«). Wem das Format zu sperrig scheint, vergibt mit »-F Name« einen eigenen Dateinamen. Der Parameter »-s30« weist Nmon an, seine Ergebnisse alle 30 Sekunden in die Datei zu schreiben, und zwar 120 Mal (»-c120«). Damit stehen die Messwerte einer Stunde lang zum Auswerten bereit. Die Datei ist ein reines Textfile, in dem die eigentlichen Messwerte durch Komma getrennt sind:
CPU04,T0029,0.0,0.0,0.0,100.0
Hier sind die Load-Werte für eine CPU zu sehen, »T0029« bedeutet, dass dies das 29. Intervall seit Beginn der Messung ist. Wer also nicht das richtige Auswertungswerkzeug zur Hand hat, extrahiert sich die gewünschten Werte einfach per Skript heraus. Voilà! (jk)
| Infos |
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| [1] Nmon: [http://nmon.sourceforge.net] |
| Der Autor |
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Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch. |
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