Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2010
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Endlich: WLAN

Dass das Nanonote in der Standardausführung weder WLAN, Bluetooth noch UMTS besitzt, trübt die Freude an dem originellen Gerät. Zum Glück gibt es seit Kurzem eine Micro-SD-WLAN-Karte mit dem KS7010-Chip von Keystream. Für diese Karte sind seit Oktober 2009 sowohl Treiberquellen [6] unter der GPL als auch die binäre Firmware 0.2f [7] verfügbar. Um ganz genau zu sein: Es handelt sich um die "Spectec SDW-823 MicroSD (SDIO) Wi-Fi card" (Abbildung 3), erhältlich etwa unter [2] oder bei Expansys [8] für rund 80 Euro.

Es gibt zwei Wege, die WLAN-Karte in Betrieb zu nehmen: Erstens kann der Anwender zu einem aktuellen Image des Nanonote-Herstellers [3] greifen, das den Treiber bereits enthält. Qi-Hardware liefert aber aus rechtlichen Gründen die benötigte binäre Firmware nicht mit. Daher muss er noch diese Dateien aus dem Git-Zweig Open-WRT-Xburst [9] kopieren, denn das freie Projekt traut sich die Firmware anzubieten. Es handelt sich um das Verzeichnis »package/ks7010«.

Zweitens lässt sich mit etwas mehr Handarbeit auch ein Checkout der derzeit stabilen Open-WRT-Release Backfire WLAN-fähig machen. Diese Variante benötigt zudem das Patch »860-sdio-v1_10-no-enable-timeout-val.patch« unter »target/linux/generic-2.6/patches-2.6.32«. Es ist nämlich nicht im Open-WRT-Checkout von Backfire zu finden, da dort schon der WLAN-Treiber nicht verfügbar ist. Nach dem Einstecken der Karte sucht der Treiber nach der Firmware, die er unter »/lib/firmware« erwartet. Nun zeigt das Kommando »iwconfig« die Ausgaben von Listing 5.

Listing 5:
»iwconfig«

01 root@BenNanoNote:~# iwconfig
02 lo        no wireless extensions.
03 
04 usb0      no wireless extensions.
05 
06 eth0      IEEE 802.11b/g  Mode:Managed  Frequency:2.412 GHz
07           Access Point: Not-Associated   Bit Rate:5.5 Mb/s
08           RTS thr:off   Fragment thr:off
09           Encryption key:off
10           Power Management:off
11           Link Quality=100/100  Signal level=-85 dBm  Noise level=0 dBm
12           Rx invalid nwid:0  Rx invalid crypt:0  Rx invalid frag:0
13           Tx excessive retries:0  Invalid misc:0   Missed beacon:0

Für die abschließende Konfiguration des WLAN darf der Nanonote-Besitzer eine funktionierende »wpa_supplicant.conf« nach »/etc/« kopieren. Der Eintrag »ctrl_interface_group« sollte den Wert »root« erhalten, da Open WRT standardmäßig nur die Nutzer beziehungsweiseGruppen Root und Nobody kennt. Das folgende Kommando startet den Supplicant:

wpa_supplicant -Dwext -ieth0  -c /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf -B

Nach der Eingabe von »udhcpc eth0« versucht die WLAN-Karte eine IP-Adresse zu bekommen. Zum Testen der Verbindung kann folgender Befehl nützlich sein:

wget -qO - http://archiv.radiotux.de/sendungen/weeklynews/2009-06-26.Radiotux.Opensuse-Weekly-News.mp3 | madplay -v - -a -20

Ein Ping auf eine beliebige Internetadresse tut es natürlich auch, obgleich der Unterhaltungswert mit Madplay höher ist. Es empfiehlt sich, die Optionen für den Audioplayer nicht zu vergessen, sonst erschallt ohrenbetäubender Lärm. Die Versuche der Autoren mit der WLAN-Karte zeigten, dass die Datenübertragungsraten eher mäßig sind. Das hört man vor allem bei Musik. Sie haben deshalb einfach überflüssige »printk«-Aufrufe im WLAN-Treiber entfernt. Das benötigte Patch findet sich neben den anderen Listings zu diesem Artikel unter [10] zum Download.

Daneben haben die Autoren das Loglevel des Kernels mit »killall klogd && klogd -c 1« nach unten korrigiert und den Kernel-Ringpuffer mit »dmesg -n 1« auf das nötigste Logging gesetzt. So erzeugt ein Abhören der Musik und Surfen im Internet lediglich eine CPU-Last von 20 bis maximal 50 Prozent. Bei der Beschäftigung mit dem Ben Nanonote macht der Tüftler die Erfahrung, zunächst vor fast nichts zu stehen, um sich dann hochzuarbeiten. Ein spannender, gelegentlich aber auch zeitraubender und frustrierender Prozess.

Große Herausforderung

Es bleibt abzuwarten, ob die Open-Source-Gemeinde Zeit und Kraft aufbringt, um diese spannende Entwicklung fortzuführen. Entscheidend dabei dürfte sein, ob kommende Generationen des Geräts nativ über WLAN, UMTS, Bluetooth oder Ähnliches verfügen werden, um ein breiteres Anwendungsspektum zu bieten. Die neuesten Software-Images glänzen mit GUI, Python und Tcpdump. (mhu)

Infos

[1] Qi-Hardware: [http://en.qi-hardware.com/wiki/Ben_NanoNote]

[2] Pulster: [http://www.pulster.de]

[3] Nanonote-Images: [http://downloads.qi-hardware.com/software/images/Ben_NanoNote_2GB_NAND/]

[4] Xburst-Tools: [http://projects.qi-hardware.com/index.php/p/xburst-tools/downloads/]

[5] Skript zum Flashen: [http://downloads.qi-hardware.com/software/images/Ben_NanoNote_2GB_NAND/reflash_ben.sh]

[6] WLAN-Treiber: [http://downloads.qi-hardware.com/software/ks7010_sdio_v007.tar.bz2]

[7] WLAN-Firmware: [http://downloads.qi-hardware.com/software/ks7010-firmware-20100217.tar.bz2]

[8] Expansys: [http://www.expansys.de/s.aspx?search=SDW-823]

[9] Openwrt-xburst: [http://projects.qi-hardware.com/index.php/p/openwrt-xburst/source/help/]

[10] Listings und Patches zum Artikel: [http://www.linux-magazin.de/static/listings/magazin/2010/06/openwrt]

[11] Neueste Firmware: [http://en.qi-hardware.com/wiki/Official_Software_Image]

Die Autoren

Thomas Heil studierte Informatik an der BA Glauchau und ist langjährig als Administrator sowie seit 2009 beratend in Open-Source-Projekten tätig. Jo Philipp Wich arbeitet seit mehreren Jahren als Open-WRT-Entwickler und betätigt sich ebenfalls als Berater für freie Softwareprojekte.

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