Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2010
Copyright: Tokio Maple, 123RF.com

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Firmwarepatch für Samsung-LCD-Fernseher

Frei-Zeit im Pantoffelkino

Dass LCD-Fernseher der LE-Serie von Samsung ein Linux als Firmware nutzen, ermutigte einige Enthusiasten zum Patchen der Firmware. Die bringt damit neben einigen Tuning-Einstellungen auch Samba- und NFS-Shares, einen Browser und einiges mehr in die Flimmerkiste.

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Die ersten Lorbeeren des Firmware-Hacks gebühren den Teilnehmern eines englischen Forums für das Decrypten der von Samsung offengelegten Firmware mittels XOR. Ab jetzt war ein Telnet-Zugang zu Samsungs Flach-TVs möglich. Erdem U. Altinyurt, Programmierer aus Istanbul, ist auf der Suche nach alternativer Firmware für sein LCD-TV 40LEB650 auf das Forum gestoßen und war begeistert. Er sah aber auch die üblichen Probleme in Foren, endlose Threads und immer die gleichen Fragen.

Der Plan, ein Sourceforge-Projekt mit Wiki, Publiziermöglichkeiten und Foren anzulegen, folgte daraus. Zuvor fand er in den Entwicklerforen interessierte Mitstreiter. Die TV-Geräte bringen nahezu 200 MByte freien RAM-Speicher mit, was auch künftig eine Vielzahl von Möglichkeiten für findige Hacker eröffnet.

Der Projektleiter hat sich beim Anlegen von "Samy GO" unter Sourceforge vertan: Samsung-Geräte sind unter der Abkürzung "Sammy" bekannt. Ein verschmerzbarer Schönheitsfehler, denn das "Go!" im Namen ist berechtigt. Die umgemodelte Firmware (Kasten: Features im Paket) macht dem LCD-Fernseher Beine, vorausgesetzt das Patchen klappt.

Von Rechts wegen

Blieb der rechtliche Aspekt. Zwar ist die Firmware Open Source, die Images von Samsung enthalten aber auch proprietäre Programme. Auf der sicheren Seite sieht sich das Projekt mit der Veröffentlichung der Modifikationen und des Know-hows - und sie anzuwenden in Form des Samy-GO-Firmware-Patchers, der die verschiedenen Anpassungen enthält.

Ziegelbrennerei

In den Foren herrscht nicht nur eitel Freude über die zusätzlichen Funktionen und Bugfixes, die mit der gepatchten Linux-Firmware einhergehen. Es steht auch zu lesen, dass der eine oder andere sein TV-Gerät in ein dekoratives, aber für die ursprünglich zugedachte Funktion gänzlich unbrauchbares Möbelstück verwandelt hat. "Don't brick your TV" ist einer der Posts im Samy-Go-Forum [1], die für jeden potenziellen Firmware-Hacker zur Pflichtlektüre zählen, und auch der Hinweis, dass man keine weiteren Garantiefragen stellen solle.

Abbildung 1: Netsurf-Browser auf dem Fernsehschirm. Die Erweiterung der werkseitig vorhandenen Progrämmchen um einen Browser ist verlockend.

Ein weiteres Hindernis ist der Hersteller selbst. Das jüngste der Firmware-Updates, die Samsung anbietet, versperrt das Hintertürchen, über das sich die Gerätesoftware zuvor offen zeigte. Zwar gibt es inzwischen einen Weg, wie sich zumindest die CI-Versionen wieder downgraden lassen, für die auch in Deutschland verkauften Geräte mit CI+ fehlt dieser aber noch. Es gilt also - wie für alle Patchwilligen -, den genauen Typ zu ermitteln und sich der Risiken bewusst zu sein. Dem unerschrockenen Linux-Nutzer stehen dann mehrere Wege zur Verfügung, seinen Samsung-Fernseher funktional (Abbildung 1) aufzumöbeln.

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