Neues von Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Der neue DPL (Debian Project Leader) ist schon in Amt und Würden, wenn dieses Heft am Kiosk liegt. Fest stand bei Drucklegung nur, dass der neue Projektleiter nicht der alte sein wird - Steve McIntyre trat nicht mehr zur Wahl an. Was er in Zukunft macht, hängt mit der folgenden kleinen Geschichte über die Infrastruktur des Projekts zusammen.
Der Berliner Violinist Franz Ries avancierte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem bekannten Musikalienhändler. Während manche seine Musik durchaus angenehm finden, hat die nach ihm benannte Entwicklermaschine Ries.debian.org im März und April für eine Kakophonie gesorgt. Sie ist der Hauptserver für das Debian-FTP-Archiv: Auf sie laden Entwickler Pakete zur Integration in das Debian-Archiv hoch und von ihr beziehen die Mirrorserver weltweit ihre täglichen Updates. Aber: Sie stand mehrere Tage still.
FTP-Master Jörg Jaspert erklärte am 25. März in einer Mail an die Entwicklergemeinde [1], ein kaputter RAM-Riegel sei dafür verantwortlich, dass der Rechner sich in unregelmäßigen Abständen neu startete. Um Schäden am Dateisystem zu verhindern, deaktivierte er alle FTP-Prozesse. Das bedeutete Stillstand in der Entwicklung - und das während der Fertigstellung des Projekts Squeeze.
Als der FTP-Master am 3. April Entwarnung gab, waren ein riesiger Mirror-Push und ein großer Build-Rückstand bei den meisten von Debian unterstützten Architekturen aufgelaufen. So ein Rückstand ist grundsätzlich kritisch für die Squeeze-Release. Denn dass alle Architekturen über die gleichen Pakete in der gleichen Version verfügen, ist ein erklärtes Release-Ziel.
Jaspert leistete während des Ausfalls ausgezeichnete Arbeit als Brücke zwischen den Admins vor Ort und der Entwicklergemeinde (Abbildung 1). Er hielt die Projektmitglieder auf diversen Kanälen (Mailingliste, IRC-Kanal) auf dem Laufenden. So erfuhr man, dass sich doch das Mainboard als Bösewicht und Ursache für das Problem entpuppte. Die Ries-Maschine sei auch nicht als hochverfügbare Maschine ausgelegt, erläutert der Krisenmanager in einem Zwischenbericht [2]: In dem Zwei-Knoten-Setup drehe schließlich einer der beiden Rechner permanent Däumchen. Lobend erwähnt Jaspert, dass die Mitarbeiter in den Rechenzentren, in denen Debian-Maschinen gehostet sind, üblicherweise wieselflink für Ersatz eines kaputten Teils sorgen.
Abbildung 1: Begeisterung für Debian und die nötige Handarbeit sind nicht nur für den scheidenden DPL, sondern für viele Projektmitglieder an der Tagesordnung. (Bild: Igor Korionov, 123RF.com)
Mehr als ein paar Stunden Downtime sind daher die Ausnahme. Auch wenn der FTP-Master für ein paar Stunden nicht zu erreichen ist, geht die Debian-Welt nicht unter. Mittlerweile ist Ries' Ausfall kaum mehr zu merken - nach einer Überprüfung der Maschine auf Checksummenbasis haben die FTP-Master sämtliche Dienste wieder aktiviert, die Pakete verarbeiten.
Umfang: 2 Heftseiten
Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)
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