Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2010
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Buch mit Netzwerk

Ist Openinkpot auf dem Reader gestartet, läuft dort ein SSH-Server und lauscht an einer festen Netzwerkadresse. Um die USB-Verbindung zum Gerät als Netzwerkverbindung zu nutzen, ist auf dem Linux-PC USB-Net zu aktivieren. Das geht beispielsweise unter Debian, indem der Anwender Listing 1 der Datei »/etc/network/interfaces« hinzufügt [8]. Danach kann er sich auf seinem E-Book mit »ssh root@192.168.111.1« und dem Passwort »zxc« einloggen. Das Passwort ist wie bei jedem Linux-System änderbar.

Nun lassen sich auch Dateien per SCP auf das Lesegerät übertragen. Die SD-Karte, falls eingesteckt, findet sich unter »/media/sd«, das Homeverzeichnis »mnt/storage/.home/user« liegt auf dem internen Flashspeicher. Wer Schriftarten nachrüsten möchte, legt Truetype-Dateien in ein Verzeichnis namens ».fonts/« auf SD-Karte oder im Home ab.

Bis zur gebrauchsfertigen Release 0.2 gab es für das Openinkpot-Team vielfältige Arbeit zu verrichten. Der Kernelspezialist Yauhen Kharuzhy demontierte die Hanlin-Geräte und untersuchte die verwendeten Chips, um einen Linux-Kernel mit passender Hardware-Unterstützung zu bauen und zu booten. Blinksignale der Status-LEDs an den Geräten dienten ihm im Anfangsstadium als Rückmeldung. Beim Hanvon N516 hatte das Team aber Zugang zu umfassender Dokumentation.

Daneben galt es, die Grundlagen für System und Toolchain zu schaffen. Zunächst setzten die Entwickler auf Slind, ein für Embedded-Zwecke angepasstes Debian-Derivat. Slind stand allerdings bald ohne Maintainer da, also verlegten sich Gusarow und Kollegen aufs Selbermachen. Das Ergebnis ist die Distribution IP Linux [9], die Debians Paketmanagement verwendet. Aus einem IP-Linux-Subset plus E-Ink-Spezifika entstehen die Images für die einzelnen Lesegeräte.

Zum Entwickeln und Bauen von Paketen für die Distribution stellt das Projekt eine eigene Build-Umgebung bereit, die sich mit einigen wenigen Skripten auf einem Linux-PC einrichten lässt. Die Anleitung findet sich in Openinkpots Entwickler-Dokumentation [10]. Innerhalb dieser Chroot-Umgebung dient GCC zum Cross-Kompilieren der Pakete für die ARM- und MIPS-Zielgeräte.

Abbildung 2: Per SCP kommen Softwarepakete vom Linux-PC auf das Lesegerät, das Debian-Tool Dpkg erledigt die Installation.

Karge Umgebung

Ein einfaches "Hello-World"-Programm ohne Abhängigkeiten ist schnell mit »dpkg-buildpackage -aarmel« erstellt und auf dem Zielgerät mit Dpkg installiert (Abbildung 2). Die Anwendungsentwicklung ist durch das schmale Angebot installierter Programme und Bibliotheken unter Openinkpot aber recht begrenzt. Der Entwickler findet einen Linux-Kernel vor, einen X-Server und XCB, Glibc, Freetype, Fontconfig, Zlib, Libjpeg und Libpng. Die grafischen Anwendungen sind in C mit den Enlightenment Foundation Libraries (EFL) gebaut, die einiges an Einarbeitung verlangen [11].

In den kommenden Monaten wird das Openinkpot-Projekt Version 0.3 veröffentlichen, bei der es sich um eine Bugfix- und Maintenance-Release handelt. Mittelfristig möchte das Team die Palette der Zielgeräte erweitern und Unterstützung für Touchscreens und nachrüstbare Netzwerkadapter bieten. Zu diesem Zweck sucht es derzeit Interessierte mit Kernel-Erfahrung zur Mitarbeit. Kontaktmöglichkeiten gibt die Projektseite an.

Infos

[1] Freie Software für E-Book-Reader: [https://dev.mobileread.com/trac/hub/]

[2] Openinkpot: [http://openinkpot.org]

[3] Feedbooks: [http://www.feedbooks.com]

[4] Project Gutenberg: [http://www.gutenberg.org]

[5] Fbreader: [http://www.fbreader.org]

[6] Installation: [http://openinkpot.org/wiki/0.2/InstallationGuide]

[7] Azbooka: [http://azbooka.com.ua]

[8] SSH-Zugang: [http://openinkpot.org/wiki/Documentation/ConnectViaSSH]

[9] IP Linux: [http://iplinux.org]

[10] Entwickler-Dokumentation: [http://openinkpot.org/wiki/Documentation]

[11] EFL: [http://web.enlightenment.org/p.php?p=docs&l=en]

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