Open Source im professionellen Einsatz

Prolog des Monats

 

Manchen Monat tut sich der regelmäßige Leitartikler schwer ein taugliches Thema zu finden. Dann muss er für seine Geschichte ausweichen auf Pinguine, die in gepflegte Swimmingpools pinkeln, der "Computer Software Engineer Barbie" zu einem großen Auftritt verhelfen oder Ausflüge ins finstere Mittelalter unternehmen. Ich werbe hier nicht um Mitleid für den Autoren, sondern will die Besonderheit dieses Monats würdigen, in dem es schreiberisch behandlungswürdige Themen im prallen Übermaß gibt.

"Die konkrete Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung ist nicht verfassungsgemäß" - gibt das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber jetzt schriftlich. Selbst der Nichtjurist kapiert beim Lesen, was die Richter den Politikern sagen wollen: Wie deppert seid ihr denn, das ganzes Volk permanent und anlasslos zu überwachen wegen einer latenten Gefahr, die von einzelnen Fanatikern ausgeht?! Das Urteil deckt sich zudem mit dem Rechtsempfinden der normalen Bürger, sodass die Frage im Raum steht, wie deutsche Innenpolitiker und Teile der Polizei eigentlich so drauf sind. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter meinte zum Karlsruher Urteil übrigens, dies sei "ein guter Tag für alle Kriminellen". Gut durchatmen.

Ein weiteres würdiges Kommentarthema gäbe Novell ab. Die Linux-nahe Firma erhielt nämlich vom Hedgefonds Elliott Associates ein Übernahmeangebot und lehnt es kurze Zeit später als nicht ausreichend ab. Aus Angst vor einer feindlichen Übernahme strebt Novell nun strategische Partnerschaften und Allianzen an, prüft aber auch den Verkauf des Unternehmens. Bis dahin läuft die Produktentwicklung weiter - wie schön.

Oder: Google stört sich plötzlich an seiner selbst zensierten Suchmaschine in China und zieht sich aus dem Reich der Mitte zurück. Viele sagen: Wie mutig! Bürgerrechtler: Na endlich! Mein heimlicher Themenfavorit aber: Bill Gates möchte mit der Firma Terrapower, die kleine, wartungsarme Atomkraftwerke bauen will, die man in der Erde verbuddelt, das Energieproblem der Welt lösen. Die Brennstab-Steuerungssoftware der Uranmeilerchen wird nun wohl unter Windows laufen. Die künftigen Anwohner strahlen schon jetzt vor Glück.

Auch schön: Die Zombiefirma SCO is back! Deren nützlicher Geschäftszweck gepaart mit dem stets klug agierenden Management haben mir schon Stunden der Heiterkeit und Stoff für manches Editorial beschert. Eine "Investoren"-Gruppe um einen gewissen Ralph Yarro gibt der SCO Group zwei Millionen Dollar Kredit, damit die ihren Prozess gegen Novell um die Rechte an Unix fortführen kann. Schwer zu sagen, was sich dieser Yarro so erhofft, aber wenn er mit den zwei Mios drauf wetten würde, dass Marilyn Manson nächster US-Präsident wird, wären seine Renditeaussichten besser.

Ich hab nur ein paar Themen auf der Liste, aber okay, ich hab mich entschieden und schreibe über Jonathan Schwartz, der bei der Sun-Oracle-Angestellten-Rochade nicht viel Glück hatte, aber schon bei seinem Abschied in Gedichtform per Twitter Bildung bewies. Als Hartz-4-Anwärter erzählt er jetzt in seinem Blog [http://jonathanischwartz.wordpress.com] lustige Geschichten von früher über die Apple- und Microsoft-Chefs. Aber der Platz auf dieser Seite ist nun überraschend weg - es waren einfach zu viele Themen diesen Monat.

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Ausgabe 07/2013

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