Open Source im professionellen Einsatz

Blobs in der Datenbank oder Files auf der Platte?

Früher störten sich Tester oft daran, dass Zarafa Mail-Attachements als Blobs (Binary Large Object) in der Datenbank ablegte, wofür es aus technischer Sicht keinen vernünftigen Grund zu geben schien. Immerhin ließ sich damit ein komplettes Zarafa-Backup spielerisch mit einem »mysqldump --single-transaction -p zarafa > zarafa.dump« erledigen.

Seit Version 6 kann Zarafa jedoch auf Wunsch Attachments auch im Filesystem ablegen, was Backups etwa mit Rsync ermöglicht. Allerdings muss sich der Admin vor der Installation für eine Vorgehensweise entscheiden. Ein späteres Upgrade ist nur noch relativ aufwändig durch das mitgelieferte Skript »/usr/share/zarafa/ db-convert-attachments-to-files« möglich, danach ist der Rückweg allerdings ausgeschlossen.

Zarafa setzt zwingend eigene Benutzer voraus, die nicht identisch mit den Linux- System-Benutzern sind und die der Admin mit mitgelieferten Kommandozeilentools wie »/usr/bin/zarafa-admin -c« anlegt. Die Giraffe bringt auch keinen eigenen Mailserver mit, sondern lässt sich nach Belieben in die vorhandene Infrastruktur integrieren.

Auch das muss der Administrator allerdings manuell erledigen, denn per Default ist die Groupware nach der Basis-Installation nicht in der Lage, externe Mail zu empfangen. Zarafa kann zu diesem Zweck mit MTAs wie Postfix, Sendmail und Qmail zusammenarbeiten, für den Mailversand ist die Komponente »zarafa-spooler« zuständig. Das Installationsskript erfragt den gewünschten SMTP-Server und trägt ihn in »/etc/zarafa/ spooler.cfg« ein. Leider beherrscht der Zarafa-Spooler kein SMTP-Auth, deshalb verwenden die meisten Administratoren einen lokalen Mailserver.

Externe Mails abholen

Auch das Abholen externer Mail ist nicht direkt implementiert. Zwar ist der Delivery Agent »zarafa-dagent« für den Posteingang der Mapi-Stores zuständig, um die Verbindung zum MDA muss sich der Admin aber selbst kümmern. Wer keinen eigenen IMAP-Server betreibt, muss Zarafa also dazu bewegen, Mail von einem externen Account abzuholen und an »zarafa-dagent« zu übergeben.

Es bleibt überraschend viel Konfigurationsarbeit übrig, bevor Zarafa Mails empfängt und verschickt. Das Einbinden von LDAP oder Active Directory sowie die Konfiguration von Ical oder Z-Push erfordern sogar noch weitere Schritte an der Befehlszeile. Die Zarafa-Konfiguration findet in den Dateien unter »/etc/ zarafa« statt, zum Beispiel in »server.cfg«, »spooler.cfg«, »dagent.cfg«, »gateway. cfg«, »ical.cfg«.

Die Serverkonfiguration betrifft im Wesentlichen die Zugangsdaten zur Datenbank, die genutzten Ports, Speicherorte für Logdateien und Authentifizierungsmethoden. Wer Zarafa manuell ohne das Installationsskript einrichtet, findet gut dokumentierte Beispielkonfigurationen unter »/usr/share/doc/zarafa/ example-config«.

Eingehende Mails liefert Zarafas Delivery Agent (Zarafa-Dagent) an den Benutzer aus. Den eigentlichen Aufruf von »zarafa- dagent« muss der Admin daher, wie im Kasten "Externe Mails lokal zustellen" beschrieben, in die eigene Mail-Konfiguration integrieren. Damit der Agent weiß, an wen er externe E-Mails zuzustellen hat, braucht er hier den lokalen Benutzernamen.

Externe Mails lokal
zustellen

Das Abholen externer Mails von einem ISP lässt sich für jeden User am einfachsten mit Fetchmail in einer Poll-Direktive in »/etc/ fetchmailrc« anstoßen, die über den Parameter »mda /usr/bin/procmail« den MDA startet. Eine passende Procmail-Konfiguration in »/etc/procmailrc« ruft dann den Zarafa- Dagent auf, der die Mail an den angegebenen Zarafa-Benutzer zustellt:

:0 w
| /usr/bin/zarafa-dagent Zarafa-Benutzer
EXITCODE=$

Nach einem Neustart mit »/etc/init.d/ zarafa-server reload« lassen sich per Cronjob Mails von einem externen Postfach abrufen.

Um den Versand kümmert sich der Zarafa- Spooler. Verschickt der Anwender E-Mail via Outlook oder Webaccess, dann landet diese in jedem Fall zunächst im Postausgang des Zarafa-Servers. Der ist via Soap über die anstehende Mail informiert und instruiert seinerseits den Spooler, die EMail via SMTP zu versenden.

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