Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2010
©Arvydas Kniuksta, 123rf.com

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Open-Source-Mapi und Active Sync mit Zarafa 6.40

A la Giraffe

Die Open-Source-Groupware Zarafa kommt schon in der Community-Edition mit vollständiger Mapi-Unterstützung und Active-Sync-Anbindung für mobile Geräte. Auf der Cebit hat der Hersteller den Release Candidate der neuen Version 6.40 vorgestellt. Das Linux-Magazin hat ihn unter die Lupe genommen.

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Als Muhammad Ali Pascha dem König von Frankreich 1845 eine Giraffe namens Zarafa schenkte, löste er einen Modetrend aus. Die Pariser Damenwelt steckte ihr Haar "à la giraffe" zu hohen Knoten auf und die Männer trugen fortan gefleckte Westen und hohe Hüte. Derartiges bleibt der Linux-Gemeinde im Jahr 2010 erspart, auch wenn die holländisch-deutsche Groupware Zarafa immer mehr Anwender findet. Die Version 6.40 des Exchange4linux-Nachfolgers im Zeichen der Giraffe ist für alle Groupware-Admins, die sich immer wieder mit Outlook-Clients oder mobilen Geräte herumschlagen müssen, einen Blick wert, beispielsweise mit dem VMware-Image auf der DELUG-DVD.

Mapi und Z-Push

Zarafa hat in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. Zunächst kam die inzwischen sauber funktionierende Mapi-Implementation in PHP und MySQL [1], die die Groupware Clientseitig wie einen Exchange-Server aussehen lässt, dann folgte eine kompatible, aber freie Active-Sync-Variante namens Z-Push (Abbildung 1, [2], [3]). Die erlaubt es dem Benutzer, ausschließlich mit Open-Source-Tools über Microsofts Synchronisationsprotokoll auf den Groupware-Server zuzugreifen. Als Clients gibt es Outlook, ein Ajax-Web-GUI und fast beliebige mobile Geräte.

Abbildung 1: Die von Zarafa entwickelte Z-Push-Technologie zur Anbindung von mobilen Geräten via Active Sync ist inzwischen ein eigenständiges Open-Source-Projekt.

Neben der freien Community-Version [4] steht Zarafa gleich in mehreren, im Vergleich zu Microsoft recht günstig gestaffelten kommerziellen Varianten bereit. Die freie Version ist kaum eingeschränkt, Zarafa verwehrt ihr lediglich den Support und limitiert den Outlook-Zugriff auf drei Clients. Enterprise-Features wie den Blackberry-Server BES, Multiserver- Support, das Active-Directory-Toolkit, erweiterte Gruppenkalender und Backup lässt sich der Hersteller bezahlen.

Für diesen Artikel kam der Release Candidate 2 der neuen Version 6.40 zum Einsatz. Mit ihr bringt Zarafa erstmals den für Unternehmen bedeutsamen 24/7-Support, dazu kommen die nahezu umfassende Android-Unterstützung und eine indexbasierte Volltextsuche auch in Mail-Attachements. Außerdem haben die Entwickler eine Portalseite im Stil von Kontact, Evolution oder I-Google gestaltet, die im Webaccess mit einem Klick auf den gesamten Benutzer-Store (»Heute-Ansicht«) verfügbar ist. Ebenfalls neu ist, dass das Webfrontend auch mit Googles Chrome-Browser, Outlook 2010 und Nokias Linux-Smartphone N900 zusammenarbeitet. Auch das getestete Motorola Milestone akzeptiert Push- Mails vom Zarafa-Server unter Android klaglos. Als Mailclient kommt etwa die Mail-App K9 [5] oder das kommerzielle Touchdown von Nitrodesk [6] in Frage. Letzteres verspricht auch, nicht nur den IMAP-Server über das Zarafa-Gateway abzufragen, sondern sämtliche Mapi- Funktionen zu nutzen.

Manuelle Konfiguration ist notwendig

Zarafa unterliegt seit 2008 der Affero GPL. Bisher gab es Binärpakete für Red Hat 4 und 5, Suse Linux Enterprise Server 10, Open Suse, Debian 4 und 5 und Ubuntu 6.06 und 8.04. Mit Erscheinen dieses Heftes dürfte die Zarafa Collaboration Platform (ZCP) auch in den Paketquellen von Ubuntus Partner-Repositories und bei Fedora bereitliegen. Die Groupware besteht neben der als Datenspeicher erforderlichen MySQLDatenbank, dem Apache-Webserver und PHP für den Webaccess aus einer Handvoll weiterer Komponenten wie dem eigentlichen Server (»zarafa-server«), dem Delivery Agent (»zarafa-dagent«), einem Spooler (»zarafa-spooler«), einem Indexer und einem POP-/ IMAP- und Ical-Gateway. Einzelheiten dazu finden sich im gut strukturierten Admin-Handbuch auf der Website. Der Server selbst bedient die Verbindungen zu den Clients (Outlook oder Webaccess) via Soap (Kasten "Zarafa und Soap") und speichert die Verbindungs- und Nutzerdaten in seiner MySQL-Datenbank.

Zarafa und Soap

Soap (ursprünglich für Simple Object Access Protocol) ist ein Netzwerkprotokoll für den Datenaustausch, das Remote Procedure Calls unterstützt und auf XML zur Repräsentation der Daten basiert. Für die Übertragung kommen die klassischen Internetprotokolle der Transport- und Anwendungsschicht (TCP/ IP-Referenzmodell) meist in der Form Soap über HTTP und TCP zum Einsatz. Soap ermöglicht Zarafa in erster Linie das transparente Weiterleiten von Anmelde-Informationen unabhängig von Proxy- oder Webserver-Konfigurationen.

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