Um Authentizität mussten sich die Organisatoren der Fosdem, die am 6. und 7. Februar an der Freien Universität von Brüssel stattfand, keine Sorgen machen. Am erste Tag starteten die Organisatoren wie seit Jahren mit ihrem Fosdem-Dance (siehe Abbildung 1) - neu war die Menge an Nachahmern aus dem Publikum. Da wunderte es schon manch regelmäßigen Besucher, wie gut die Luftqualität in den selbst organisierten Devrooms und wie hoch die Disziplin vor den überfüllten Mini-Sälen war.
Abbildung 1: Für die einen wirkt es albern, andere mögen die Tradition: Die Organisatoren beim Fosdem-Dance.
Abbildung 2: Viel los ist immer, sei es bei den Bastlern eines 3-D-Druckers am Stand von Reg Rap in der kleinen Ausstellung...
Abbildung 3: ...oder im Anschluss an Andrew Tannebaums Vortrag über Verlässlichkeit und Minix 3.
Tribut ist auch den Organisatoren zu zollen, die die Struktur des Programms in Details verbesserten: Im Gegensatz zu vergangenen Jahren fanden die Besucher Gemeinsames vor statt Tracks einzelner großer Distributionen. "Es war spannend zu erfahren, wie andere Projekte ihre Server verwalten", sagt etwa Klaas Freitag von Open Suse. "Wir betreiben unseren Open Build Service in einem zentralen Rechenzentrum, andere Distributionen verteilen ihre Server über die Welt."
Andere Vorträge beschäftigten sich mit Wünschen zum Umgang mit Upstream-Maintainern oder mit dem Community-Management: So erläuterte Ex-Fedora-Chef Max Spevack in "Fedora Governance", was das Projekt im Inneren zusammenhält.
KVM belebt Power
Reanimieren möchte Novells KVM-Kernelhacker Alexander Graf das Projekt Open Suse für PowerPC. Da er beruflich viel mit Portierungen der Virtualisierung KVM zu tun hat, würde er gerne wieder eine PowerPC-Distribution anbieten: "Wenn ich Mitstreiter finde, die mir helfen, schaffe ich das bis Open Suse 11.3. Die KVM-Erweiterungen dazu sind fast fertig."
Auch die Linux Mobile Phone Foundation nutzte die Fosdem gezielt, um Entwickler zu erreichen. Community-Manager Andrew Savory gab zu, dass er erst einmal den Quellcode der Telefonsoftware aufräumte, bevor er nun über Konferenzen tingelt und die plattformübergreifende Middleware zwischen Linux-Kern und Anwendungen vorstellt. Noch ist nicht alles quelloffen, etwa im GPS-Bereich, aber weil "man es bei uns nicht mit Google zu tun hat" hofft Savory auf mehr Entwickler.
Neben Projektvertretern, etwa David Fifield von Nmap, Simon Phipps von Sun oder Mitchell Baker von Mozilla, gaben auch Kernelentwickler Greg Kroah-Hartman aus Portland und Limux-Verkünder Florian Schießl ihr Debüt: "Mehrere Leute haben mir gesagt, ich solle das Beer Event nicht verpassen - sie hatten Recht", zeigte sich der Münchner begeistert.
Asynchrone Anfangszeiten der Tracks und das harte Türregime stellten Besucher oft vor Geduldsproben, aber innovative Themen jenseits des immer Gleichen wie alternative Betriebssysteme oder Cross Desktop entschädigten.
Wie ein Rockstar
Als besonderer Gast zelebrierte Andrew Tanenbaum in einem lebhaften Vortrag einmal mehr seine Sicht der Welt im Allgemeinen und Minix 3 im Besonderen. Das soll ein Live-Update ohne Reboot sowie Support für Multicores erhalten. Der Waschbär (Tanenbaum: "Irgendwie hat jedes Projekt ein Tier.") dient als Projektsymbol, weil er klein und schlau sei "und weil er Käfer frisst". Die nächste Fosdem planen die Organisatoren für Februar 2011, wobei der Konferenzort wegen anstehender Renovierung der Universität noch unklar bleibt.