Syncevolution ist der Missing Link der Synchronisation mit Linux, behaupten Intel und der Entwickler Patrick Ohly [1]. Das Projekt aus dem Moblin-Umfeld verspricht ein Framework mit Clients für Evolution, Maemo und bald auch KDEs Akonadi. Dass die Integration der Sync-ML-Server in den Linux-Desktop so lange auf sich warten lässt, überrascht vor allem, weil Sync ML vor einigen Jahren schon einmal wie der Sieger aussah [2]. Über IP und Bluetooth klappt die Synchronisation auch ganz gut, aber per USB wird es wohl mit Linux mangels Treibern nie funktionieren.
Hinten dran?
Dabei scheint die Open-Source-Community etwas hinter dem Trend herzulaufen. Neue Smartphones haben Sync ML gar nicht mehr an Bord, die Hersteller setzen fürs Business auf Microsofts Active-Sync-API [3], Endkunden sollen sich mit Google [4] oder Facebook begnügen. Gut, dass es da mit Zarafas Z-Push [5] eine freie Implementierung gibt. Doch noch verschmäht die freie Community das vom Redmonder Erzfeind stammende API notorisch, in der Regel endet jede Diskussion um Active Sync auf Mailinglisten an Patent- und Lizenzfragen.
Deshalb unterstützen heute nur Open Xchange, Zarafa und Scalix die Synchronisation der gängigsten Smartphones. Das Gespann Horde/Kolab, mit Produkten wie Univentions Groupware-Servern [6] auch im professionellen Bereich vertreten, beherrscht Sync ML und arbeitet laut Univention-Chef Peter Ganten ebenfalls an Active Sync.
Sync ML verschwindet vom Markt, auch weil sich Hersteller zunehmend technische Probleme damit einhandeln. Was es so schwierig macht, Adressen, Termine, Notizen und Aufgaben abzugleichen, beschreibt Patrick Ohly in fünf Punkten in einem Artikel auf [1]:
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Es gibt bei Sync ML keinen Globally Unique Identifier (GUID).
Jeder Hersteller, jede Software verarbeitet die Daten anders.
Beschreibende Meta-Informationen fehlen.
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Bei einem Geräte-übergreifenden Abgleich lassen sich
Informationen deshalb nur schwer zuordnen. Von der Software nicht
erkannte Felder wie der Geburtstag eines Handy-Kontakts gehen beim
nächsten Sync wahrscheinlich verloren.
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Daraus entsteht direkt die nächste Frage: Wenn ein Client
ein Feld leer zurückmeldet, hat dann der Benutzer zum Beispiel
den Geburtstag gelöscht oder das Handy die Information nur
nicht verstanden?
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Welche Version der Daten ist aktuell? Ist ein inkrementeller
Sync ausreichend oder braucht es einen langsameren, aber
vollständigen Abgleich?
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Ein neues, spezielles, angepasstes Datenformat lässt sich
nicht einführen, weil die älteren Geräte auf dem
Markt es nicht unterstützen.
Vor allem die Problematik der GUIDs hat Microsoft besser gelöst. Aber auch die Technik von Active Sync hat einen gewaltigen Haken: Ohne MAPI und ein passendes Incremental Change System (ICS) dahinter scheint ein Synchronisationsserver nicht beherrschbar. Trotzdem ist sich Helmuth Neuberger von Zarafa sicher: "Nachdem jetzt auch Apple und Nokia auf Active Sync setzen, wird das der Industriestandard."