Open Source im professionellen Einsatz

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Klaus Knopper über das neue Knoppix 6.3

Rundum Knoppix

Zur Cebit bringt Klaus Knopper immer eine Major-Release seiner Distribution heraus - diesmal exklusiv auf der DELUG-Ausgabe des Linux-Magazins. Hier erzählt er, was ihm dabei wichtig war.

Was unterscheidet Knoppix [1] von anderen Distributionen? Zunächst sehe ich Knoppix eigentlich als keine eigenständige Distribution, vielmehr als "Debian GNU/Linux optimiert für den Start von Live-Medien". Allerdings widersprechen mir hier Debian-Experten oft und erklären, ein modifiziertes sei eigentlich kein Debian mehr. Knoppix - obwohl zu 99 Prozent gleich - ist, wenn man so (formal) will, ein Debian-Fork.

Beim Zusammenstellen jeder Knoppix-CD oder DVD ist mir wichtig, dass das System so nah wie möglich an seiner Debian-Basis bleibt (siehe Kasten "Wie Knoppix entsteht"), der Anwender sich aber nicht mit komplizierten Konfigurationsfragen rumschlagen muss. Er braucht sich weder einzuloggen noch auf Sicherheitsaspekte bei der Installation zu achten, alles ist stabil vorkonfiguriert.

Der einfachste Weg, um unter Erhalt einer Debian-konformen Software-Installation den Startvorgang zu modifizieren, ist ein schlichter Austausch (oder besser die Umgehung) der Debian-eigenen Bootskripte. Normalerweise startet der Init-Prozess mit seiner Konfigurationsdatei »/etc/inittab« ein Skript nach dem anderen. In Knoppix tausche ich die »/etc/inittab« durch eine eigene aus, die als einziges Startskript die Datei »/etc/knoppix-autoconfig« aufruft.

Wie Knoppix entsteht

Seit Microknoppix (Version 6.0) benutze ich ein Makefile-basiertes Buildsystem, bei dem die Debian-Installation in einem Unterverzeichnis liegt. Das mache ich mittels »chroot« zum Arbeitsverzeichnis, wenn Updates oder Veränderungen direkt im Dateisystem stattfinden sollen.

Boot- und Grafikdateien befinden sich außerhalb dieses Ordners. Beim Zusammenbau komprimieren »mkisofs« und »create_compressed_fs« den Inhalt des Installationsordners und legen ihn als Image in die Datei »KNOPPIX/KNOPPIX«. Die übrigen auf der DVD sichtbaren Dateien kopiere ich dazu und erzeuge mit Mkisofs ein per Isolinux bootendes ISO-Image. Das Ganze automatisiert bei mir ein Makefile gut. Die Feinarbeit am Dateisystem vor der Kompression wäre eine eigene, lange Geschichte ...

Dienste starten parallel

Knoppix-autoconfig startet die Systemdienste (»udev«, »hal«, »syslog«, »acpi«, ...) in der richtigen Reihenfolge und parallelisiert jene, die nicht aufeinander aufbauen. Das Skript lädt zuerst per Udev alle Hardware-spezifischen Module, dann die Konfigurationsdateien, vor allem die für den aktuellen Rechner angepassten »/etc/X11/xorg.conf« und »/etc/fstab«. Sind alle notwendigen Voraussetzungen abgearbeitet, initialisiert Knoppix im Runlevel 5 den Grafikmodus.

Geht hierbei etwas schief, passt zum Beispiel die automatisch erzeugte »xorg.conf« doch nicht zu Grafikkarte und Monitor, fällt Knoppix auf die einfacheren Varianten Framebuffer (funktioniert fast immer) oder Vesa zurück, damit in jedem Fall eine grafische Oberfläche erscheint. Da die Netzanbindung keine notwendige Voraussetzung für den Systemstart ist, starte ich den Network Manager relativ spät, wenn die zeitaufwändigen Lesezugriffe auf der DVD abebben.

Beim Herunterfahren läuft's ähnlich: Alle Dienste bekommen gleichzeitig das Signal, ihre Dateien zu schließen und sich zu beenden - ausgenommen Kerneldienste, da sie für das korrekte Herunterfahren notwendig sind. Zum Ende läuft noch eine statisch gelinkte Busybox, die das Bootmedium abmeldet und auswirft.

Knoppix muss mit Debian Schritt halten

Den üblichen Bootvorgang umgehen - das lässt Knoppix schneller starten, ich handele mir aber auch einen Nachteil ein: Sobald sich etwas Grundlegendes an Debian ändert, stimmt bei Knoppix eventuell die Reihenfolge beim Start nicht mehr oder die Konfigurationsdateien passen nicht mehr zu den aktuellen Versionen der installierten Programme. So sind doch hin und wieder Updates der Knoppix-spezifischen Skripte und Konfigurationsdateien notwendig. In der Praxis kann man aber lange mit den Standard-Debian-Updates arbeiten, soweit sie nicht im Bootsystem hantieren.

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Ausgabe 07/2013

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