Open Source im professionellen Einsatz

Einen Tunnel graben

Meine Versuche mit dem Proxy liefen erfolgreich, ich suchte aber einen besseren Weg, der nicht nur mit HTTP funktioniert. Die Richtung ist klar: ein SSH-Tunnel. Dabei soll mein Laptop als Client eine SSH-Verbindung zu einem Server im Internet aufbauen und einige Ports geeignet umleiten.

Um SSH zusätzlich zu Port 22 auf dem HTTPS-Port lauschen zu lassen, füge ich in der »/etc/ssh/sshd_config« einfach eine Zeile »Port 443« ein und schalte mit

kill -HUP `cat /var/run/sshd.pid`

scharf. Der SSHD lässt sich sogar so konfigurieren, dass er auf mehreren Ports gleichzeitig SSH-Verbindungen annimmt. In meinem Fall war das nützlich, da ich mir meinen SSH-Tunnel-Einstiegsrechner mit ein paar Kollegen teile und keine Lust hatte, die erst über eine geplante Portänderung zu informieren.

ssh <emphasize>tunnel.example.com</emphasize> -p 443 -L48080:localhost:3128 -f './http_proxy.pl &'

Die Zeile veranlasst SSH, sich zum angegebenen Rechner auf Port 443 zu verbinden und dort das Perl-Skript auszuführen. Dank »-f« geht der SSH-Client in den Hintergrund, kurz bevor das Kommando startet. Das hat den Vorteil gegenüber dem klassischen »&«, dass eine eventuell nötige Passworteingabe noch im Vordergrund stattfindet. Nun kann ich im Browser den HTTP-Proxy als »localhost 48080« eintragen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach den Bohrarbeiten für den Tunnel trägt der Reisende im Browser das eine Tunnelende als HTTP-Proxy ein.

Abbildung 2: Nach den Bohrarbeiten für den Tunnel trägt der Reisende im Browser das eine Tunnelende als HTTP-Proxy ein.

Wieder auf Reisen

Zurück im Hotel in München musste ich das natürlich gleich ausprobieren. Wie erhofft verbanden sich der SSH-Client und -Server über Port 443, durchtunnelten die Swisscom-Restriktion und ich konnte kostenlos surfen.

Natürlich lässt sich das Ganze erweitern, beispielsweise um E-Mails abzurufen:

ssh <emphasize>tunnel.example.com</emphasize> -p 443 -L48080:localhost:3128 -L60110:<emphasize>pop.example.com</emphasize>:110 -L60993:<emphasize>imap.example.com</emphasize>:993 -L60025:<emphasize>smtp.example.com</emphasize>:25 -f './http_proxy.pl &'

Ein SSH-Tunnel zum Empfang von E-Mails über unverschlüsselte Protokolle wie POP3 ist per se sinnvoll und sollte sich im Handgepäck jedes Reisenden finden. Auch eine SMTP-Authentifizierung lässt sich über einen SSH-Tunnel zumindest schützen. Zudem umgehe ich so die von manchen Anbietern gesetzte Spam-Sperre für fremde SMTP-Server.

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