Neues bei Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
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Abbildung 1: Innenansichten: Ein Detail in der Debian-Policy läutet eine der größten Veränderungen von Dpkg in den letzten Jahren ein.
Bill Allombert hat Ende Januar die neue Version 3.8.4.0 der Debian-Policy [1] ins Archiv verfrachtet [2]. Er hebt eine Änderung hervor: Im Verzeichnis »/usr/lib/triplet« von Paketen dürfen ab sofort Bibliotheken liegen. Das vermeintlich kleine Detail läutet eine der größten Veränderungen ein, die das Debian-Paketsystem in den letzten Jahren erfahren hat - die Multiarch-Unterstützung (Abbildung 1).
Wer ein 64-Bit-Debian bereits benutzt hat, als es von gängiger Software wie dem Flashplayer nur 32-Bit-Versionen gab, kennt das: Für sein 64-Bit-System brauchte er 32-Bit-Kompatibilitätsversionen der wichtigsten Bibliotheken - mit deren 64-Bit-Pendants wollten sich Flash & Co. partout nicht vertragen. Das Ergebnis: schräge Konstruktionen mit Chroot-Umgebungen und Wrapperskripten.
Mittlerweile hat sich die Situation entspannt: es gibt die wichtigsten Werkzeuge auch in 64 Bit. Wer trotzdem auf ein 32-bittiges Environment angewiesen ist, hat aber immer noch ein Problem. Auf einem 64-Bit-System funktionieren zwar 32-Bit-Versionen von Bibliotheken. Das Debian-Paketsystem hat derzeit aber keine Möglichkeit, deren Installation auf 64 Bit abzubilden. Der Paketmanager Dpkg verweigert die Installation, bis der Admin ihn mittels »--force-architecture« zwingt. Auf 64 Bit gestatten es Apt-get oder Aptitude erst gar nicht, 32-Bit-Repositories in »sources.list« aufzunehmen.
Die Lösung des Problems heißt Multiarch. Das Wort bezeichnet ein ganzes Konzept verschiedener Veränderungen am Debian-System, die es den Benutzern ermöglichen, Pakete für eine andere Architektur über die gewohnten Kanäle zu installieren. Vorrangig zielt das Maßnahmenbündel auf den Architekturunterschied zwischen I-386 und AMD 64. Die Idee ist im Ubuntu-Wiki anschaulich beschrieben [3].
Demnach ist Multiarch-Support nicht nur für Benutzer interessant, sondern macht auch Entwicklern das Leben leichter. Diese verrenken sich bislang, um auf AMD-64-Rechnern 32-Bit-Bibliotheken zu installieren. Üblicherweise erstellen sie ein Binary-Paket mit dem Namensanhängsel »ia32« und liefern die passenden Bibliotheken im Quellen-Tarball des Pakets aus. Der wird so jedoch absurd groß und verschlingt entsprechend Platz auf den Spiegeln der Debian-Server. Solche Spreizkonstruktionen könnten entfallen, wenn Multiarch ordentlich in das Paketsystem integriert wäre.
Es ist aber noch nicht damit getan, dass Dpkg auch Pakete für verschiedene Architekturen auf einem System installiert. Es ergäben sich neue Verhältnisse, in denen Pakete zueinander stehen können: Wäre es möglich, verschiedene Varianten desselben Pakets in gleicher Version, aber für unterschiedliche Zielarchitekturen auf demselben System zu haben? Und kann ein »i386«-Paket die Abhängigkeiten eines »amd64«-Pakets erfüllen? Um solche Fragen zu klären, sollen die Kontrolldateien von Sourcepaketen ein neues Feld erhalten: »Multi-Arch«.
Umfang: 1 Heftseiten
Preis € 0,99
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