Open Source im professionellen Einsatz

Web OS

Das Linux-basierte Web OS kündigte die Firma Palm mit Hauptsitz in Kalifornien Anfang 2009 an, inzwischen ist es auch in Europa verfügbar. Allerdings enthält der App-Store bislang nur kostenfreie Anwendungen. Ist doch prima, meinen Sparfüchse. Es zeigt sich aber, dass das gar nicht so ausgefuchst ist, sondern die Auswahl der Apps sehr beschränkt. Ab März 2010 will Palm seine E-Commerce-Plattform auch für Europa öffnen.

Für das Palm Pre respektive Web OS haben es zwei Fitness-Apps in die Hitliste geschafft. Die erste mit dem sprechenden Namen Conmigo (Spanisch für "mit mir") [15] verdient die Bezeichnung virtuelle Sportgruppe. Der Anwender trägt Datum und Art seiner sportlichen Betätigung ein und erfährt, welche Sportfans auf der Welt in diesen Stunden der gleichen Beschäftigung nachgehen. Conmigo ist in Europa bis zum Start von Palms Store nur als Trialversion zu haben und kostet in der US-Vollversion derzeit 3 US-Dollar. Ein von Anwendern monierter Nachteil ist, dass die Schwitzenden über die App nicht kommunizieren können.

Die zweite Fitness-App fungiert als persönlicher Trainingstracker: Der griechische Schönheitskönig Adonis ist Mitte Januar als Palm-App wiedergeboren und bereits in den Palm-Katalog gewandert. Adonis [16] ist ein mobiler Trainingskalender, in den der Anwender Bauch-, Rücken- oder allgemeine Trainings eingibt (Abbildung 3) und der auf Wunsch mit einem Onlinedienst korrespondiert, der sie grafisch darstellt (Abbildung 4). Die beiden Erfinder Mariusz Henke und Klaus Moster aus Karlsruhe haben mit Adonis schon die zweite Palm-App in den Katalog gebracht.

Abbildung 3: Adonis ist ein mobiler Trainingsplan für den Palm: Das Handy dient zur Aufzeichnung von Übungen ...

Abbildung 3: Adonis ist ein mobiler Trainingsplan für den Palm: Das Handy dient zur Aufzeichnung von Übungen ...

Abbildung 4: ... die ein Onlineportal des Anbieters auf Wunsch grafisch darstellt.

Abbildung 4: ... die ein Onlineportal des Anbieters auf Wunsch grafisch darstellt.

Subersiv-App: Preware

Die quelloffene App Preware für Web OS steht unter Federführung des Palm-Hackerprojekts "Web OS Internals" [17], das seine Bemühungen unter freie Softwarelizenzen stellt. Preware ist ein alternativer App-Installer - von den offiziellen Palm-Apps gibt es in Deutschland derzeit nur um die 100. Die Installation [18] erfordert Root-Rechte auf dem Palm. Die offizielle Palm-Anwendung "Web OS Doctor" [19] haben die Entwickler vorausschauenderweise in ihre Bestrebungen einbezogen. Sie hilft dabei, das Preware-veränderte Gerät auf den Auslieferungszustand zurückzusetzen.

Außenbüro im
Versuchslabor

Zugegeben: Büroprogramme zählt nicht jeder zu seinen Lieblingen. Aber wer schon unterwegs arbeitet, muss die leidigen Dokumente betrachten können - und am besten auch editieren. Während es mit den PDF- und Office-Viewern einigermaßen gut aussieht, befinden sich Dokumenteneditoren noch im Aufbau. Die folgenden Programme sind derzeit erhältlich und mehr oder weniger tauglich, abhängig vom Einsatzzweck.

Documents to go

In der Kaufversion für derzeit 15 US-Dollar aus dem Android-Market ist das Programm eine echte Bürosuite: Es erlaubt auf dem Mobiltelefon Microsoft-Texte und -Tabellen zu bearbeiten sowie Präsentationen zu erstellen, auch in der neuesten 2007er Version [9]. Oft benötigte Zusatzfeatures wie Passwortschutz, Wörterzählen oder Notizen auf Folien muss niemand missen, zumindest nach Herstellerangaben. PDFs sind laut Feature-Liste kein Problem, das in der Redaktion vorhandene Gerät erkannte sie jedoch nicht, sondern nur eine Word-Datei (Abbildung 10). Open-Office- oder ODF-Anwender schauen ebenfalls in die Röhre. Das Programm unterstützt ausschließlich proprietäre Formate. Schade, denn es ist nicht nur für Android erhältlich, sondern auch für das Maemo-Smartphone N900 und mehrere Palm-Geräte.

Abbildung 10: Documents to go soll in der kostenfreien Version Windows-Dokumente und PDFs darstellen. Die App sah im Test jedoch nicht das PDF, das neben der Word-Datei auf dem Gerät lag.

Abbildung 10: Documents to go soll in der kostenfreien Version Windows-Dokumente und PDFs darstellen. Die App sah im Test jedoch nicht das PDF, das neben der Word-Datei auf dem Gerät lag.

Androffice

Die letzte Version 1.3 der Android-App datiert von Ende September 2009. Die 2008 zeitgleich mit der Produktseite [10] angelegte Projektseite bei Google-Code [11] enthält als einzigen Eintrag den Hinweis, wie Interessenten die Software read-only aus dem SVN-Repository auschecken. Schade um die App, derer sich sonst auch andere Programmierer als die Erfinder annehmen könnten.

Androffice entstand als Diplomarbeit, und die Graduierten - Borja Refoyo und sein Kommilitone Juan Vega - programmierten zunächst die Tabellenbearbeitung. Sie hatten vor, sich zur kompletten Office-Suite weiterzuentwickeln, aber inzwischen fristet das Projekt eher ein Schattendasein. Mit 6 Dollar ist die App im Verhältnis zu ihrem Funktionsumfang und Wartungsstand zu teuer - sie ist jedoch die einzige, die auch das Open Document Format unterstützt.

Freoffice

Der auf Koffice basierende freie Office Viewer alias Freoffice genießt die Unterstützung von Nokia respektive Qt Software [12]. Er öffnet in der aktuellen Alpha 1 von Mitte Januar Text-,Tabellen- und Präsentationsdokumente sowohl im offenen als auch im Microsoft-Format. Das war's dann aber: Das Koffice-Gewächs für Maemo ist bislang nur ein Dokumentenbetrachter.

Open Office

Der Kanadier Alan Bruce, der zurzeit dem Community-Rat von Maemo.org angehört, hat im Oktober 2009 das Maemo-Forum mit Open-Office-Screenshots vom N900 überrascht (Abbildung 11). Das Geheimnis hinter diesem Aufreger ist, dass die freie Büro-Suite hier auf Easy Debian läuft. Es ist also kein natives Open Office für Maemo. Die Nachteile einer so kräftigen Anwendung auf dem kleinen Computer treten deutlich zu Tage, wie im Thread zu lesen ist [13], zum Beispiel die reichhaltige Menüleiste. Die Performance sieht bei den Experimentierern so aus: "Im Anwendungsmenü von Maemo habe ich jetzt einen Shortcut zu »debbie ooffice«", schreibt ein Diskussionsteilnehmer. "Bis zum Willkommen-Bildschirm dauert es höchstens 15 Sekunden. Wenn ich auf den Writer-Button klicke, vergehen 40 Sekunden, bis ich anfangen kann zu tippen."

Abbildung 11: Das Geheimnis hinter Open Office auf Maemo: Zwischen Maemo und dem Desktop-Programm vermittelt Easy Debian.

Abbildung 11: Das Geheimnis hinter Open Office auf Maemo: Zwischen Maemo und dem Desktop-Programm vermittelt Easy Debian.

Die Entwickler- und Anwender-Community ist sich einig, dass die Oberfläche von Open Office neu geschrieben werden müsste, um eine native Maemo-App zu sein.

Abiword/Gnumeric

Neben dem tragbaren KDE-Büro gibt es auch noch die beiden Bestandteile der Gnome-Office-Suite. Laut App-Katalog auf Maemo.org unterstützt derzeit allerdings nur das alte Maemo auf N800/N810 Gnumeric. Von Abiword heißt es, dass es schon auf Maemo 5 gesichtet wurde. Um an die neuesten Programmports zu gelangen und etwa Gnumeric auf Maemo 5 zu testen, empfiehlt sich Appdownload, eine Maemo-Anwendung, die Zugriff auf den Testing-Zweig gewährt [14].

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