In Historienkunde sind die Rätselfüchse des Linux-Magazins gut bewandert, die meisten Einsendungen waren korrekt. Trotz des Bezugs vieler Fragen auf Ereignisse, die schon mehrere Dekaden zurückliegen, sind ihre Auswirkungen auch heute noch deutlich spürbar. Einige Zeilen Code der ersten Implementation von Unix, zumindest aber ihr Geist, finden sich selbst im neusten Linux-Kernel - und seien es nur die Namen der wichtigsten Systemaufrufe wie »read()«, »write()« oder »creat()«.
Ebenso prägend waren natürlich der Aufbau des Internets und mehr oder weniger skurrile, oft wegweisende, aber nicht immer wirtschaftlich erfolgreiche Rechnerarchitekturen, die Erfindung des World Wide Web oder das Aufkommen der Freie-Software-Bewegung. Letzterer ist es zu verdanken, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, der Lösung auf die Schliche zu kommen. Zwar hatte das Linux-Magazin eine Javascript-Implementation zum Prüfen der Lösung angeboten, aber das hielt Vorjahressieger Peter Conrad nicht davon ab, eine knappe Perl-Variante einzusenden (siehe Listing 1).
01 #!/usr/bin/perl
02
03 my $key = "QMEDVFHUSUWYRREYPFAP";
04 my $ciph = "STMILCLHGSBSMIHDUYLN";
05 my $v = 0; for (my $i = 0; $i < length($ciph); $i++){
06 $v += ord(substr($ciph, $i, 1)) +
07 ord(substr($key, $i, 1)) -
08 2 * ord("A");
09 while ($v > 25) { $v -= 26; }
10 print chr($v + ord("A"));
11 }
12 print "n";'
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Selten gestellte Fragen
Ritchie und Thompson waren 1969 unsicher, wohin ihr Weg in den Bell Laboratories führte, und stellten eine Reihe von Finanzierungsanträgen. In der Zwischenzeit implementierte Thompson das Spiel "Space Travel", mit dem er ein Raumschiff im Sonnensystem navigieren konnte. Es stellte sich heraus, dass dies nach Anfangshürden auf einer günstigen PDP-7 einfacher war als auf einem betriebskostenintensiven GE-645-Mainframe. Nach und nach zogen die beiden Entwickler wichtige Grundfunktionen von Multics auf die neue Plattform nach und nannten sie Unics, später Unix [1].
Ebenfalls Ken Thompson schrieb B, beeinflusst von einer Reihe von Quellen. Die Sprache ähnelte syntaktisch zwar schon ihrem späteren Nachfolger C, kannte aber noch keine Typen. Über den Ursprung des Namens waren sich später die Beteiligten nicht mehr ganz sicher, am wahrscheinlichsten gilt dennoch, dass es sich um eine kurze Anleihe an BCPL handelt, eine Sprache, mit der Thompson vorher experimentiert hatte.
Nachdem Unix als Kernel erst einmal ins Rollen gekommen war, wandten sich einige Entwickler auch dem Userspace zu (siehe Abbildung 1). So entstand »awk«, eine frühe Skriptsprache, die ihre Entwickler nach ihren Nachnamen - Aho, Weinberger, Kernighan - benannten. Aho entwickelte zusammen mit Margaret J. Corasick den Aho-Corasick-Algorithmus, der eine schnelle Textsuche ermöglichte und in einigen Varianten von »grep« zum Einsatz kam.
Abbildung 1: Dennis Ritchie und Ken Thompson hatten Anfang der 1970er keine Muße, um am Winterrätsel zu knabbern. Sie tüftelten an einer frühen Unix-Version auf einer PDP-11.
Die Bewohner des Planeten Magrathea in der fünfbändigen Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams fertigen in dem Roman Planeten nach Maß an. Darunter ist auch ein Computer namens "Erde", dessen Bauanleitung der bis dato leistungsfähigste Computer "Deep Thought" erdacht hatte. Die Firma Infocom setzte die Hitchhiker-Reihe als Text-Adventure um.
Die Z-Machine, der Interpreter der Infocom-Spiele, verstand eine Sprache namens ZIL, die Anleihen an Lisp hatte.
KI-Forscher John McCarthy hat Lisp erdacht. Er war knapp 40 Jahre lang Professor an der Stanford University. Bill Gates sponserte das dortige Computer-Science-Gebäude. Am Nebeneingang hängt eine Gedenktafel für die Pioniere des Internets, angeführt von Vint Cerf, Verfasser vieler RFCs.
Zwischen Stanford und der UCLA hatten Entwickler ein Netz aufgebaut und der Student Charley Kline hatte vor, die Zeichenkette »LOGIN« zu übertragen, was er auch Buchstabe für Buchstabe notierte. Beim dritten Buchstaben stürzte sein Rechner jedoch ab. Beim zweiten Versuch klappte alles.
Die Router hießen damals "Interface Message Processors" (IMP). Genauso heißt ein PHP-Framework, mit dem der Mailclient Horde implementiert ist.
PHP-Erfinder Rasmus Lerdorf kam auf Grönland zur Welt.
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Das Winterrätsel des Linux-Magazins ist traditionell eine harte Nuss. Auf die letzte haben 35 Leser eine richtige Antwort an die Redaktion gesandt. Unter den Einsendern des richtigen Lösungssatzes und seines Urhebers hat die Redaktion eine Reihe von Preisen verlost: Die acht DVB-T-Sticks "TV Black HD" von Aver erlauben auch von unterwegs Fernsehempfang auf dem Notebook. Für den kleinen, nur etwa kugelschreibergroßen USB-Empfänger gibt es auch Linux-Treiber. Er beherrscht sogar HD-Empfang, sollten den die TV-Sender jemals anbieten. Das Buch "Visionäre der Programmierung" ist eine kurzweilige Sammlung von Gesprächen mit Sprachenentwicklern, darunter auch einigen, die in diesem Winterrätsel vorkommen. Der "Geek-Atlas" listet Reiseziele für Computerfans auf. Von Ackermanns Grab auf dem Göttinger Stadtfriedhof bis zur einzigen noch betriebsfertigen PDP-1 in Kalifornien sind dort 128 Orte verzeichnet. Beide Bücher stiftete O'Reilly.
Gewonnen haben Elke Wiesen, Friedhelm Becker, Gian Perrone, Jens M. Felderhoff, Marco Milch, Mathias Kratzer, Merten Falk, Mirko Dziadzka, Saskia Walter, Andreas Holtemeier, Sven Geipel, Thomas Metzler, Thomas Tiedje und Wolf Ungerer. Herzlichen Glückwunsch an die Teilnehmer und Gewinner!
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Lerdorf arbeitete lange Zeit für Yahoo in Kalifornien, also in demselben Unternehmen wie Marco Börries, der einst Star Office an Sun Microsystems verkaufte.
Bill Joy brachte in seiner Zeit an der University of California at Berkeley eine Reihe von Neuerungen in die Berkeley System Distribution (BSD) ein. Er arbeitete unter anderem an Shared Memory und Netzwerkstacks bevor er Sun mit begründete.
Lange Zeit war das von Eric Allman geschriebene Delivermail, später Sendmail, das Maß der Dinge, was Mail Transfer Agents anging. Obwohl immer zeitnah gewartet, hat sich die Software lange Zeit einen Ruf als sehr komplex und damit fehlerträchtig erarbeitet.
Tim Berners-Lee erdachte während seiner Zeit am CERN die HTML und das HTTP, also die Grundlagen des heutigen WWW. Seine Eltern waren ebenfalls Ingenieure und arbeiteten beide am Manchester Mark I, einem der ersten Computer mit einer Von-Neumann-Architektur. Der Rechner basierte auf Entwürfen und Ideen von Alan Turing.
Ende der 1980er Jahre war Apple-Mitgründer Jobs im Streit aus dem Unternehmen ausgeschieden und brachte mit seiner neuen Firma Next einen Rechner heraus, den Anwender zwar technisch lobten, der aber kommerziell kein Erfolg wurde. Auf ihm lief eine BSD-Variante mit Mach-Kernel. Das System kam mit einer durchgängigen grafischen Oberfläche, was damals für Unix-Rechner ungewöhnlich war. Heute ist Jobs längst wieder bei Apple und predigt, I-Phones zu kaufen.
Bei dieser Frage gibt es mehrere Möglichkeiten des Brückenschlags, wie Leser bemerkten. Das Betriebssystem Nextstep lebt noch in GNU-Step weiter, oft in Verbindung mit dem Projekt Hurd. Ebenfalls als Verbindung kommt der Mach-Microkernel in Betracht, der beiden Ansätzen zugrunde liegt. In jedem Fall rät Richard M. Stallman davon ab, Bücher der erfolgreichen Reihe "Harry Potter" zu kaufen, weil er darin Meschenrechtsverletzungen in Kanada wähnt [2]. Lesen darf man die Bücher allerdings, findet er.
In einem tragischen Moment in der IT-Geschichte vermochte Gary Kildall, Erfinder von CP/M und Gründer von Digital Research, es nicht, IBM sein Betriebssystem für den geplanten IBM-PC zu verkaufen. Mythen umranken den nicht zustande gekommenen Vertrag, verbürgt ist jedoch, dass Kildalls damalige Ehefrau Dorothy McEwen seine Geschäfte führte.
CP/M lief meist auf einem Z80-Prozessor. Der hatte eine Entsprechung als U880 hinter dem eisernen Vorhang. In den Computern der Reihe KC 85 verrichtete solch ein Prozessor seine Arbeit [3].
Da die ostdeutschen Ingenieure schon früh den Begriff Open Source auf ihre eigene Weise interpretierten, gab es eine SCP genannte Entsprechung von CP/M. Genauso heißt auch ein Tool aus der SSH-Suite, die der Finne Tatu Ylönen entwarf. Damit legte er die Grundlage für verschlüsselte Verbindungen auf OSI-Schicht 4 beziehungsweise 7.
Ylönen studierte wie Linus Torvalds an der Universität Helsinki. Letzterer empfahl in seinem Blog als Workaround zu aus Modesicht unakzeptablen Sandalen stattdessen "Schuhe mit Löchern" zu tragen [4].
Andrew Morton scheint ein Weltenbummler zu sein: In England geboren studierte er in Australien und lebt heute in Kalifornien. In Australien lebt auch Kernelhacker Rusty Russell, der neben vielen anderen Beiträgen die Grundlagen zur Linux-Firewall Netfilter legte.
Lösungswort
Viele Rätsel sind leicht lösbar, weil das Beantworten einer Teilmenge der Lösungsbuchstaben ausreicht, um das Gesamtergebnis zu erkennen. Das verwendete Schema versucht mit einer simplen Stromchiffre, dies zu verhindern: Jeder einzelne Buchstabe beeinflusst dabei das Gesamtergebnis. Zusätzlich beziehen sich die einzelnen Fragen aufeinander. Echte Stromchiffren, wie die in der WLAN-Verschlüsselung WEP eingesetzte RC4, sind natürlich viel komplexer.
Wer die erfragten Buchstaben der Lösungswörter in das Lösungsdiagramm (siehe Abbildung 2) einträgt, dekodiert den Text "INDOUBTUSEBRUTEFORCE". Diesen robusten Handwerkerrat gab einst Ken Thompson - und wer würde ihm im Hinblick auf sein technologisches Vermächtnis da widersprechen? (mg)
Abbildung 2: Das Lösungswort bilden Rätselfreunde durch zeichenweise Addition der vorgegebenen Zeichen, der Lösungsbuchstaben und der jeweiligen Vorgängern.