Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine hat sich in den vergangenen Jahren aufgehübscht (Abbildung 1). Semitransparente Menüs hie und rotierende Desktops in Truecolor da - sind sie mit der schnöden monochromen Welt von anno Dutzeback vergleichbar oder nicht? Seit Xerox dem Nutzer ein Eingabegerät namens Maus unter die Hand gab, zählt diese trotz technischer Evolution zum immer gleichen Standard in der Bedienung eines Computers. Immerhin: Dem Notebook-Boom der vergangenen Jahre ist es zu verdanken, dass die Bedienhand von Anwendern mit einem Touchpad zurechtkommt. Anfangs argwöhnisch beäugt, schätzen mittlerweile viele Anwender die kurzen Wege zur Tastatur.
Tabs und Tapsen
War das Touchpad anfangs nur ein Mausersatz mit anderen Mitteln, entstand mit den Displays der Smartphones ein ganz neues Bedienkonzept: Anwender berühren direkt die Stelle auf dem Display, die sie interessiert. Nun hat zwar nicht Apple mit seinem I-Phone das Prinzip erfunden, aber es in einer Weise umgesetzt, die es vorher auf Touchscreens nur eingeschränkt gab. Statt abstrakter - aber auch präziser - Mausbewegung implementierten die Entwickler ein Anwendungserlebnis, das realer Physik nachempfunden war: anschubsen, beschleunigen, gleiten oder abstoppen.
Auch Linux-Systeme stehen mit dem von Google angetriebenen Android, dem von Nokia eingesetzten Maemo und dem Web OS des PDA-Altmeisters Palm dabei in der vorderen Reihe. Und was den Benutzer im Kleinen freut, die von Apple als Clou des I-Phone eingeführte Multitouch-Fähigkeit (Abbildung 2), wandert zu den großen PCs zurück (siehe Artikel "Berühren und bewegen").
Abbildung 1: Moderner Linux-Desktop mit Widgets und – Fenstern.
Der Entwicklungsschub an Treibern und Technologie, den die interessierten Hardwarehersteller mitausgelöst haben, seit das unerwartet erfolgreiche Netbook-Segment die eine oder andere Bilanz gerettet hat, führt zu einer neuen Artenvielfalt dank auf die Bedürfnisse kleiner Displays und mobiler Nutzer angepasster Betriebssysteme wie Intels Moblin.
Fenster auf!
Ein Blick auf die Evolution der Benutzeroberflächen, ob klein oder groß, zeigt dennoch meist ein weiteres Erfolgskonzept: Die Fenstertechnologie, die für das gesamte Betriebssystem von Microsoft namengebend war und die auch Basis jedes Linux-Desktops ist, der sich grafisch bedienen lässt. Anpassbar, verschiebbar, minimierbar und in Größe und Form änderbar, haben sich das Fenster und seine Menüleiste gewissermaßen auf dem Desktop eingebrannt.
Dass die Entwickler von grafischen Bedienoberflächen meist von sich behaupten, bei der Planung den Anwender in den Mittelpunkt gestellt zu haben, darf bei der Begrenztheit dieses Baukastenzubehörs verwundern. Die Windows-Anekdote, dass es den Start-Button unten links zum Beenden braucht, ist kein ideologisch gewähltes Beispiel. Es steht für die Nutzerdressur, die darauf baut, dass jeder, der ein Menü aufklappt, schon irgendwann lernt, welche Befehle dort und in weiteren Unterrubriken warten.
Rechteckige Fenster sind dann auch der kleinste gemeinsame Nenner aktueller Desktop-Benutzeroberflächen. Zwar gab es verschiedentlich Versuche, Ecken abzurunden, andere Formen zuzulassen oder gar den Desktop selbst als Fläche für Elemente jenseits von Icons zu verwenden, aber kaum einer der Ansätze hat ernsthaft Verbreitung gefunden. So gibt es zwar sperrige Mediaplayer-Skins, die den Geist der Case-Modder-Szene atmen, oder drehbare Fenster in KDEs Plasma - doch mancher Anwender fragt sich "Wozu?". Der von Architekturpionier Louis Sullivan formulierte Ausspruch "Form follows function" hat einen Rest Gültigkeit behalten. Dabei zeigt sich, dass es nicht einfach ist, Komfort für Anwender zu erforschen.