Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2010
© Joanna Szycik, 123RF.com

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Symbolschriften mit Fontforge selbst gemacht

Schrift-Schmiede

Symbolschriften gibt es wie Sand am Meer, doch fehlt manchmal genau das benötigte Symbol. Der findige Linuxer greift zu dem freien Schrifteditor Fontforge und schmiedet die Lettern selbst.

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Wer einen Text mit eigenen Symbolen ausstatten möchte, bindet diese in der Regel als Bild ein. Dazu bieten Textverarbeitungen wie Open Office Writer umfangreiche Platzierungs- und Formatierungsoptionen. Dabei gestaltet es sich jedoch schwierig, die Symbole konsistent und zum Schriftbild passend erscheinen zu lassen, vor allem dann, wenn es sehr viele werden. Auch geschieht es beim Kopieren und Einfügen leicht, dass die Bilder verrutschen.

Ein Font muss her

Komfortabler ist es, die Symbole als Zeichen einer Schriftart einzubinden. Diese sind fest im Textfluss verankert, lassen sich problemlos mit diesem kopieren und passen sich der Schriftgröße an. Vor allem bei Dokumenten, die automatisch generiert werden, ist das einfacher zu handhaben.

Dieser Artikel erstellt eine Schriftartendatei im Truetype-Format, die die bekannten Piktogramme von Frau und Mann enthält (siehe Kasten "Truetype und Opentype"). Dazu soll jeweils noch eine etwas kleinere Variante (Mädchen und Junge) kommen. Zudem ist jedes der vier Symbole in einer ausgefüllten und einer Umriss-Form gewünscht. Der Font ist bereits im praktischen Einsatz, um die Familienverhältnisse in einem Ahnenbuch zu illustrieren - es gibt sicherlich viele weitere Einsatzmöglichkeiten.

Wer seinen eigenen künstlerischen Fähigkeiten nicht traut, kann zuerst eine Vorlage für die Zeichnungen suchen. Auf der Webseite des US-amerikanischen National Park Service gibt es beispielsweise eine Public-Domain-Vorlage für das Toilettensymbol auf Parkkarten [1]. Aus der dort zu findenden PDF-Datei mit allen Symbolen schneidet der Anwender mit Inkscape das Männlein und das Weiblein aus (Abbildung 1), kopiert sie in neue Inkscape-Fenster und speichert sie jeweils als ».eps«-Datei ab. Nun kommt Fontforge [2] zum Einsatz.

Abbildung 1: Mit dem Vektorgrafik-Programm Inkscape lassen sich Teile einer PDF-Datei extrahieren. Im EPS-Format gespeichert dienen sie als Vorlage für die neue Schrift.

Das BSD-lizenzierte Programm lässt sich beispielsweise unter Debian und Ubuntu per »apt-get install fontforge« installieren. Daneben ist es als RPM-Paket, für Mac OS X und Cygwin sowie im Quelltext erhältlich. Die Benutzeroberfläche ist allerdings nicht durchgängig ins Deutsche übersetzt. Dieser Artikel verwendet Version 2009-09-23.

Fontforge eignet sich nicht nur - wie hier beschrieben - als Font-Editor, sondern lässt sich auch einsetzen, um Schriftdateien von einem Format in ein anderes umzuwandeln.

Truetype und
Opentype

Als Schriftformat hat sich auf modernen Desktop-Systemen Truetype etabliert. Es speichert die Umrisse der einzelnen Bildzeichen (Glyphen) als Vektorgrafik, sodass sie sich in jeder gewünschten Auflösung scharf drucken lassen. Truetype verwendet für die Vektordaten quadratische Splines. Dateien mit der Endung ».ttf« können auch dem Opentype-Standard entsprechen. Dieser erweitert Truetype unter anderem um bessere Unicode-Unterstützung und wichtige Features für Sprachen wie Arabisch, in denen die Form eines Zeichens von den benachbarten Zeichen im Text abhängt. Weitere Informationen zu Schriftformaten gibt ein Artikel im Linux-Magazin 10/09 [3].

Die neue Schrift entsteht

Nach dem Start zeigt das Programm einen Datei-öffnen-Dialog, der aber auch einen Knopf »New« bietet. Zuerst sollte die neue Schriftart im Dialog unter »Element | Schrift-Eigenschaften« einen Namen bekommen. Sie soll »ManPictogram« heißen, was der Benutzer in diesen Dialog als Schriftname eingibt. Den Familien- und den Vorzeigenamen füllt das Programm automatisch aus.

Standardmäßig verwendet Fontforge eine Kodierung, die die Schriftzeichen der westlichen Sprachen enthält. Das ist für diesen Symbolfont ungeeignet, er ist besser an den Positionen »U+E001« bis »U+E008« im Unicode-Bereich »Private Use Area« aufgehoben. Damit diese Positionen sichtbar werden, wählt der Benutzer »Encoding | Reencode | ISO 106461-1 (Unicode, BMP)« und springt mit »Ansicht | gehe zu« zum Bildzeichen »uniE001« oder scrollt dorthin.

Hier konstruiert er auch das erste Bildzeichen: Nach einem Doppelklick auf den ersten Slot mit Namen »uniE001« öffnet sich der Editor. Der Menüpunkt »Datei | Importieren« lädt die zuvor gespeicherte Datei »mann.eps«. Eine Warnung über einen »countdictstack«, der nicht lesbar sei, darf man getrost ignorieren. Das Männlein erscheint im Editor, allerdings ist sein Kopf nicht ausgefüllt (Abbildung 2). Das liegt daran, dass Fontforge unten zwei unverbundene Knoten anstelle eines einzigen Knotens importiert hat. Dies korrigiert der Anwender, indem er durch Darüberziehen der Maus beide Knoten auswählt und im Menü »Bearbeiten | Verbinden« anklickt.

Abbildung 2: Die importierte Datei erhält im Bildzeichen-Editor von Fontforge automatisch Knotenpunkte und Hilfslinien.

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