Alexandria Luciano lebt auf dem Mars. Sie ist allerdings nicht die neue Alienkorrespondentin des Linux-Magazins, sondern eine der ersten Siedlerinnen auf dem roten Planeten. Noch ist die Dame allerdings nicht gelandet, denn das Ereignis findet erst irgendwann nach dem Jahr 2040 statt. Das Projekt Mars-Sim [1] bietet eine Vorschau auf Alexandrias Leben im Weltall (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Noch in diesem Jahrhundert wollen die Menschen den Mars besiedeln. Den genauen Ablauf des Ausflugs ins All verrät der Simulator Mars-Sim.
20 Years from home
Wer erinnert sich nicht an Sim City? Der Klassiker unter den Simulationsspielen ist inzwischen über 20 Jahre alt, hat aber nichts von seinem Reiz verloren. Auf einer zunächst brachliegenden Fläche baut der Spieler eine Stadt. In seiner Rolle als allwissender Herrscher muss er sich um die Bedürfnisse der Bevölkerung auf allen Ebenen kümmern, vom Transportsystem über den Häuserbau bis hin zur Energieversorgung. Verschiedene Faktoren, etwa Kriminalität, Umwelt, Verkehrsfluss und Bildung, erschweren die Verwaltung der Gemeinde und ihrer Einwohner. Optimale Lebensbedingungen sorgen für eine glückliche Bevölkerung und wahre Prachtbauten.
Der Mars-Simulator verlegt ein ähnliches Szenario in eine fremde Welt, auf den roten Planeten. Das Java-Programm simuliert die Marsbesiedlung durch die Menschheit in der Zukunft. Verschiedene Siedlungen sind über den roten Planeten verteilt. Dazu gehören einfache Landepunkte und auch fortschrittlichere Gebäude mit mehreren Bewohnern. Der Benutzer beaufsichtigt während des Spielverlaufs mehrere Missionen und ordnet beispielsweise die Erforschung von Mineralienvorkommen, den Warenhandel mit anderen Siedlungen oder den Ausbau einer der Siedlungen an (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Die Marssiedlung wächst und gedeiht, indem der Spieler die Bewohner auf verschiedene Missionen schickt. Ob diese erfolgreich sind, hängt von den Fertigkeiten und den Beziehungen der Siedler ab.
Die Marsgeografie entspricht weitgehend der Realität, soweit diese bisher bekannt ist. Der Spieler beauftragt seine Marsbevölkerung mit dem Bau von Gebäuden und anderen Herausforderungen, beobachtet die Fortschritte und auch gezielt einzelne Siedler. Diese steuert er zwar nicht direkt, aber die individuellen Informationsboxen geben Auskunft über alle aktuellen Befindlichkeiten der betreffenden Person. Diese Informationen umfassen materielle und gesundheitliche Aspekte und auch das soziale Leben der Siedler. Der Simulator erlaubt eine genaue Feinabstimmung, so muss Alexandria bei der nächsten Erkundungsmission beispielsweise nicht mit der verhassten Tracey zusammen im Rover sitzen (siehe Abbildung 3).
Abbildung 3: Die Personen-Infobox gibt detaillierte Auskunft über alle Lebensaspekte der virtuellen Siedler. Gesundheit, Besitz, soziale Kontakte - so mancher Innenminister sähe seine sämtlichen Überwachungsfantasien erfüllt.
Die persönlichen Eigenschaften (»Attributes«) vergibt der Simulator zu Beginn nach dem Zufallsprinzip. Sie definieren, wie gut sich eine Person für bestimmte Missionen eignet. Daneben verfügen die Marsianer über Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen (»Skills«), etwa Kochen, Botanik, Mechanik und weitere, die ebenfalls den Erfolg einer Mission beeinflussen. Ist die Person müde oder hungrig, schränkt das ihre Effektivität ein.
Forschung und Lehre
Zur Marsmission gehört auch die Erforschung des neu erschlossenen Planeten. Bei vielen Siedlern handelt es sich dementsprechend um Akademiker aus Fachbereichen wie Botanik, Medizin, Biologie, Mathematik, Chemie, Physik und so weiter. Sie arbeiten stets daran, neue Forschungsstudien vorzuschlagen oder umzusetzen. Akzeptiert der Spieler einen Vorschlag, machen sich bis zu vier Wissenschaftler an die Arbeit. Ein erfolgreicher Abschluss eröffnet im Allgemeinen neue Möglichkeiten bei der Marsbesiedlung. Der Spieler kann die Feldstudien jedoch unterbrechen, beispielsweise wenn er die Teilnehmer anderweitig benötigt, und eine Studie kann auch scheitern, etwa wenn der Hauptforscher währenddessen stirbt. Der Mars ist kein Lebensraum für Angsthasen und das Überleben hängt von der Zusammenarbeit, den Fähigkeiten und Beziehungen der Siedler ab.