Flickr, Imageshack, Fotocommunity & Co. laden jeden Digicam-Besitzer dazu ein, seine Bilder unkompliziert im Web auszustellen. Leider haben die meisten dieser Imagehoster einen Passus in ihren Nutzungsbedingungen, der es ihnen erlaubt, die Inhalte ihrer User weltweit zu nutzen, zu modifizieren oder an anderer Stelle zu veröffentlichen. Wer die Schnappschüsse daher lieber auf dem eigenen Webserver präsentieren möchte, hat die Wahl zwischen zahlreichen Galerie-Anwendungen. Die meisten davon setzen PHP und/oder eine Datenbank im Hintergrund voraus. Es gibt aber auch Alternativen, die statische HTML-Seiten mit den Originalbildern, Thumbnails und optional CSS-Dateien erstellen. Solche Galerien machen notfalls auch ohne Webserver im Hintergrund im lokalen Browser eine gute Figur. Im Test treten Bins [1], Cthumb [2], Igal2 [3], Imageindex [4], Llgal [5] und Webmagick [6] gegeneinander an (siehe Tabelle 1). Einige der Programme haben zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, erfüllen aber Wünsche, bei denen aktuelle Tools passen müssen. Alle Anwendungen stehen unter der GPL v2. Einige Distributionen liefern die Programme als fertige Pakete aus; alternativ stehen auf den Projekt-Webseiten die Quellen zum Download bereit. Eine Sonderrolle nimmt Jalbum [7] ein (siehe Kasten " Jalbum auf der Shell"). Viele Komponenten des Java-Programms stehen unter der LGPL, aber der Kern der Anwendung ist Closed Source.
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Jalbum [7] ist in erster Linie ein grafisches Java-Programm, das aber auch eine Kommandozeilen-Schnittstelle enthält. Die eingebaute Hilfe-Funktion und die Dokumentation listen die 78 Parameter auf. Eine ausführlichere Beschreibung der Optionen, deren Funktion sich nur teilweise aus dem Namen erschließt, wäre wünschenswert. Es ist außerdem schade, dass die Kommandozeilen-Optionen kaum Layout-spezifische Merkmale betreffen. Um den Look der Jalbum-Galerien anzupassen, greift der Anwender besser zum grafischen Einrichtungsdialog, der mit einer Unmenge von Einstellungsmöglichkeiten aufwartet (siehe Abbildung 1). Die Kommandozeilen-Schnittstelle ist daher eigentlich nur sinnvoll, wenn der Anwender zunächst eine Projektdatei mit dem grafischen Programm erzeugt und später die Galerie auf der Shell erstellt. Insbesondere bei der Aufnahme neuer Schnappschüsse in die Ausstellung spart dieses Vorgehen Zeit. Aber selbst dieser Ansatz dürfte sich angesichts der umfangreichen Funktionalität des Programms nur lohnen, wenn man ohnehin plant, diese zu nutzen.
Abbildung 1: Die Konfigurationsmöglichkeiten des Jalbum-Standardlayouts Chameleon erstrecken sich über drei Reihen von Tabs.
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Zwischen Komfort und Kunst
Bei der Bedienungsfreundlichkeit sind zwei Aspekte zu unterscheiden. Der erste ist naheliegend: Die erzeugten HTML-Galerien sollten übersichtlich und ohne Verrenkungen bedienbar sein. Dazu gehört, dass es Navigationslinks gibt, deren Funktion gut erkennbar ist. Bins, Igal2 und Llgal erlauben es in der Einzelbildanzeige beispielsweise, vom ersten Bild direkt zum letzten zu springen und umgekehrt. Das kann praktisch sein, wenn der Anwender die Vorführung nicht beim ersten Schnappschuss beginnt, ist aber irritierend, weil man so leicht über das Ende hinaus blättert und sich vielleicht fragt, ob man das gerade betrachtete Bild nicht schon mal gesehen hat.
Der zweite Aspekt betrifft die Usability des Kommandozeilen-Programms selbst. Es sollte intuitiv zu bedienen sein und natürlich alle gewünschten Bilder in die Galerie aufnehmen. Alle hier vorgestellten Programme können Unteralben anlegen. Gibt es also nicht nur ein Verzeichnis mit Bildern, sondern eine ganze Verzeichnisstruktur, gibt das Programm diese Hierarchie auch in der generierten Webschnittstelle durch eine entsprechende Gliederung wieder.
Zeichensalat
Viele Programme haben Schwierigkeiten mit Umlauten oder (im Fall von Imageindex) Leerzeichen in Dateinamen. Je nach Dateisystem und den zum Lesen eines Inhaltsverzeichnisses verwendeten Routinen ist das Encoding der Dateinamen eventuell nicht bekannt. Zudem maskieren nicht alle Galerie-Programme Sonderzeichen in Links korrekt. Ein Leerzeichen beispielsweise sollte als »%20« geschrieben werden. Richtig machen es die vier Testkandidaten Bins, Cthumb, Igal2 und Llgal. Falsches Encoding in der HTML-Datei vermeidet der Anwender bei Bins und Llgal per Kommandozeilenoption. Bei Igal2 ist es immerhin möglich, das HTML-Template anzupassen. Auf der sicheren Seite agiert der Benutzer in jedem Fall, wenn die Dateinamen weder Sonder- noch Leerzeichen enthalten.
Problematisch sind auch Sonderzeichen in Exif-Tags. Die im Test verwendete Kamera schreibt etwa für das Modell den String »< VLUU L730 / Samsung L730>« in die Exif-Einträge. Keines der vorgestellten Programme maskiert die spitzen Klammern als HTML-Entities (»<« und »>«). Als Folge interpretieren Webbrowser die ganze Zeichenkette als ungültiges HTML und zeigen keinen Text dafür an.
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