Open Source im professionellen Einsatz

Scratchbox

Über »/scratchbox/login« meldet sich der User an der Entwicklungsumgebung an. Um die SDK- Umgebung zu nutzen, braucht er aber zusätzliche Non-Free- Binaries aus Finnland. Wer die passende Eula dafür akzeptiert, erhält Zugriff auf ein Debian-Repositorium für »/etc/apt/ sources.list« in der Scratchbox-Umgebung. Nach dem »apt-get update« holt »fakeroot apt-get install nokia-binaries nokia-apps« die Nokia-Anwendungen. Diese Schritte sind nacheinander sowohl für »FREMANTLE_ARMEL« als auch für »FREMANTLE_X86« auszuführen.

Die mitgelieferte Maemo-Desktop-Umgebung benötigt einen eigenen X-Server für die Darstelllung, am Besten den »xserver-xephyr«. Der Entwickler findet das Paket in den Debian- und Ubuntu- Archiven, und installiert es bequem mit »apt-get install xserver-xephyr«. Diesen Xephyr-X-Server startet »Xephyr :2 -host-cursor -screen 800x480x16 -dpi 96 -ac &«, jetzt lässt sich das Xephir-Display in der Entwicklungsumgebung adressieren und von Programmen verwenden:

[sbox-FREMANTLE_X86:~]> export DISPLAY=:2
[sbox-FREMANTLE_X86:~]> af-sb-init.sh start

Der Befehl »af-sb-init.sh stop« beendet den Maemo-Desktop wieder. Wer jetzt in dieser Umgebung Qt-Programme entwickeln möchte, braucht noch das Paket Libqt4-dev und ein wenig QT-Knowhow.

Kritik

Jedem I-Phone, Android- oder WebOSUmsteiger wird sofort auffallen, dass Nokias Softwaretatstatur nur im horizontalem Zustand benutzbar ist. Maemo 4 enthielt noch eine eigene, intelligente Eingabeleiste, die verschiedene Eingabearten, aber auch den Zugang zur Zwischenablage zur Verfügung stellte.

Die unterstützten Eingabearten waren eine Daumentastatur (die hat Maemo 5 übernommen), eine Schrifterkennung und eine Volltastatur für den Stylus. Passend dazu gab es eine Wortergänzung mit verschiedenen Vorschlägen, die das Tippen sehr schnell ermöglichte. Diese Eingabevielfalt hat Nokia leider stark gekürzt.

Das und der Fokus auf die Bedienung im Querformat steht einer einfachen Einhandbedienung entgegen. Wenn das Gerät an eine OSS-Zielgruppe adressiert ist, fällt zusätzlich der ab Werk fehlende Ogg-Support und die kommerziellen Anwendungen auf, die nur proprietäre Office Dokumentenformate verarbeiten können. Komisch, dass der Hersteller auf der anderen Seite den Mut hatte, Codecs für DivX-Filme einzubauen. Die proprietäre Kamera-Applikation »camera-ui« läuft nur im Fullscreen-Modus, das Modem hingegen erscheint auch über USB als generisches Gerät. Mehr über die proprietären Pakete finden sich im deutschen N 900 Blog [5] und auf [6].

Auch die Touch-GUI lässt Wünsche offen. Manche Dinge wie das Scrollen der Dialoge erschließen sich nicht von selbst und sind mancherorts auch etwas umständlich gelöst. Das betrifft aber fast ausschließlich das Framework und nicht die einzelnen Anwendungen.

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