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Linux-Magazin 02/2010

Nokias Linux-Handy N 900 im Test

So Smart

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Kein Handy mehr, aber auch noch kein Netbook: An der Schwelle zum Mini-PC steht Nokias N 900 mit einer 600 Mhz-CPU, 256 MByte RAM, 32 GByte Speicher, Maemo 5 und Open GL.

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Definitiv mehr als ein Smartphone a la Android oder Web-Os ist Nokias neuester Spross, das N 900 [1]. Nicht nur, weil mit Maemo 5 [2] ein Linux darauf läuft, das Debian-Paketmanagement mit Aptget bereit steht oder eine Shell mit Bash und SSH-Client zur Standard-Ausstattung gehört. Auch die Zahlen sprechen für sich (siehe Kasten "Ausstattung N 900").

Abbildung 1: Das Nokia N 900 kommt mit einer dreizeiligen Schiebetastatur.

Ausstattung N 900

Schon das Gehäuse fällt mit fast 2 Zentimeter Dicke deutlich höher aus als bei vergleichbaren Geräten, das Gewicht überrascht mit satten 180 Gramm. Und das, obwohl Nokia auf Glas oder Metall fast vollständig verzichtet hat (Abbildung 1).

Der Touchscreen ist resistiv, er reagiert auf Druck, den der Benutzer mit Daumen, Fingern oder dem mitgelieferten Stylus ausübt. Das aber nur an einer Stelle gleichzeitig, die hippen Multitouch-Gesten anderer Hersteller macht das Gerät nicht mit. Der Touchscreens mit seiner Auflösung von 800x480 Pixel ergibt ein bisweilen beeindruckend gutes Bild, das auch bei schlechten Sichtverhältnissen noch eine treffsichere Bedienung zulässt und Filme in DVD-Qualität anzeigt. Auch die 5-Megapixel- Kamera, die ihr Zeiss-Objektiv und den Blitz hinter einem Schieber versteckt, überzeugt.

Reichlich Ausstattung

Dem Anwender stehen satte 32 GByte interner Speicher zur Verfügung, 2 GByte davon kann er für die Installation von Anwendungen nutzen. Micro-SD-Karten erweitern den Speicher um bis zu 16 GByte. Auch der RAM ist mit 256 MByte RAM für ein Smartphone geradezu üppig bemessen.

Weil aber ein Großteil der Software in den Archiven nicht in einer abgespeckten Version für ein Telefon vorliegt, wird dieser beim ausgiebigen Testen schon mal knapp. Vielleicht auch deshalb sind auf dem N 900 großzügige 768 MByte Swap -Space vorgesehen, damit zum Beispiel der Webbrowser Microb [3] (auf Firefox Basis, Abbildung 2) auch aufwändige Seiten problemlos darstellt.

Abbildung 2: Nur die Telefonanwendung wechselt automatisch in den Hochkantmodus.

Die hochwertige Schiebetastatur hat gegenüber den Vorgängern der 800er Serie nur noch drei Reihen Tasten mit exakten Druckpunkten auch für dickere Finger. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kann der Benutzer mit ihr produktiv arbeiten.

Eine Vollbildtaste gibt es nicht mehr, schade, die war nützlich, wenn eine Anwendung keine Eingaben mehr entgegennahm. Auf dem N 900 stellt eine Softwaretaste im rechten unteren Bildschirmbereich sicher, dass die Funktion weiter existiert. Im Test blockierte die Kartenapplikation Ovi Maps erfolgreich die Darstellung dieser Taste, vermutlich ausgelöst durch Überlastung.

Ein Ein-/ Aussschalter auf der Oberseite des Gerätes wechselt aus dem Stromsparmodus in den Eingabemodus. Die Tastensperre ist als farbige Murmel dargestellt, zum Entsperren streift der Finger von links nach rechts übers Display, die Murmel rollt mit. Alternativ lässt sich auch die Hardwaretaste auf der rechten Seite benutzen, aber hinter der Ein-/ Austaste befinden sich weitere wichtige Funktionen, zum Beispiel die Wahl des Betriebsmodus (On-/ Offline) oder die Profile. Jede Taste quittiert das N 900 mit einem kurzen Vibrieren, ein deutliches, aber dezentes Feedback bei der Eingabe.

Zu kleiner Akku

Die Akkulaufzeit gibt Nokia unter Dauerbelastung wie einem Telefongespräch über GSM mit 6 Stunden an, wiederholte Tests konnten diesen Wert aber nicht bestätigen. Bereits nach dreieinhalb Stunden war die Energiereserve aufgebraucht, sowohl bei Dauergesprächen als auch im Betrieb mit geöffneter SSH Verbindung und WLAN über WPA2. Ein Schicksal, das sich das N 900 ja leider mit fast allen modernen Telefonen teilt.

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