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Linux-Magazin 02/2010

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Yourls

Short Story

Ohne Tinyurl.com und ähnliche URL-Verkürzungsdienste bliebe in vielen Twitter-Postings nur noch Platz für "Guckst du". Wer einen Webserver betreibt, kann dort aber selbst die Kürzeren ziehen.

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Identi.ca und Twitter steigern die Nachfrage nach URL-Verkürzungsdiensten, denn 140 Zeichen sind zu wenig, um deren 60 an eine Webadresse zu verschwenden. Selbst in einer normalen E-Mail lohnt es, einen URL-Shortener zu bemühen, sobald eine eingebettete URL an der maximalen Zeilenlänge von 80 Zeichen zu zerbrechen droht. Makeashorterlink.com oder Tinyurl.com dampfen die sperrigen Getüme dann ein. Ersteren Dienst hat inzwischen Letzterer aufgekauft.

Ich möchte aber meinen eigenen Abkürzungsgenerator betreiben. Der Grund ist der gleiche, aus dem ich eigene Web-, Mail-, Antispam- und andere Dienste inhäusig halte: Selbst gehostete Dienste sind mir inhärent sympathischer. Und: Der Lerneffekt ist nicht zu verachten, selbst wenn mal etwas schiefgeht.

Für meine Experimente an lebenden URLs benutze ich Yourls (Your own URL Shortener). Der kommt als schlankes Zip-Paket von der Download-Seite [1] und benötigt einen Apache mit PHP und Mod_Rewrite sowie MySQL. In MySQL lege ich einen Benutzer und die Yourls-Datenbank von Hand an, die benötigten Tabellen wird Yourls im Zuge der Installation einbauen.

Die entpackten Dateien wandern in ein Verzeichnis auf dem Webserver. Ideal ist, wenn man eigens einen (virtuellen) Webserver für Yourls bereitstellen kann. Der Server sollte natürlich unter einem möglichst kurzen Namen erreichbar sein - dass [makeashorterlink.com] jemals populär war, werde ich nie verstehen. Bei mir kommt die Domain [charly.in] zum Einsatz, die ich kürzlich aus einer LUG-Fetenlaune heraus registriert habe.

Im »includes«-Verzeichnis kopiere ich die »config-sample.php« nach »config.php« und trage dort MySQL-Verbindungsdaten, Pfade und die gewünschten Passwörter für den Admin-Bereich ein. Das Yourls-Hauptverzeichnis muss zumindest während der Installation für den Webserver beschreibbar sein, denn er legt dort eine ».htaccess«-Datei ab, die die Rewriting-Regeln enthält. Die Installation startet, sobald ich [http://charly.in/admin] ansurfe und das vorher festgelegte Passwort eingebe. Nachdem der Installer überprüft hat, dass die benötigten Softwarepakete an Bord sind, ist Yourls nach einem Mausklick startklar.

Kurz und gut

Das einfache, aber funktionale Webinterface bietet neben der normalen URL-Verkürzung die Möglichkeit, selbst gewählte Kurznamen zu vergeben. Das finde ich ausgesprochen praktisch, um häufiger umziehende Webseiten unter demselben Namen aufrufbar zu halten. Im Admin-Interface erstattet Yourls ansehnlich aufbereitet Bericht über seine Aktivitäten (Abbildung 1). Aufrufzähler mit Historie, Referrer-Anzeige und eine einfache Geo-Lokalisierung anhand der IP-Adressen sind mehr, als ich bei einem so schlanken Tool erwartet habe.

Abbildung 1: Das Yourls-Interface zeigt Nutzungsstatistiken, hier von Charlys Verkürzungsdienst unter [charly.in].

Andererseits ist ebenfalls unübersehbar, dass Yourls noch in Arbeit ist, denn ich muss seine Unterverzeichnisse noch manuell gegen fremde Einblicke schützen. Trotzdem: Der Shortener macht mich wieder etwas unabhängiger von fremden Dienstleistern und behält deshalb dauerhaft seine kuschelige Ecke auf meinem Server. (jk)

Infos

[1] Yourls: [http://www.yourls.org]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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