Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2010

Zweite Münchner E-Book-Konferenz

Reader für die Leser

Beim E-Book-Kongress Anfang Dezember in München zeigte sich die anwesende Verlagsbranche optimistisch. Mut gibt ihr vor allem der Blick auf den amerikanischen Markt.

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Dem Ruf der Akademie des deutschen Buchhandels ins Literaturhaus München folgten Anfang Dezember mehr als 100 Experten aus den Branchen Verlag, Buchhandel und Technik zur nunmehr zweiten jährlichen E-Book-Konferenz. Nach einem eintägigen, dichten Vortragsprogramm resümierten sie mehrheitlich, dass sich für elektronische Bücher auch hierzulande gute Chancen abzeichnen, die sich allerdings noch nicht allzu konkret beziffern lassen: Kein deutscher Anbieter veröffentlicht Zahlen.

Legt man aber hilfsweise die bekannten E-Book-Umsätze des amerikanischen Marktes zugrunde und berücksichtigt, dass der hiesige Markt der dortigen Entwicklung vielleicht um drei Jahre hinterherhinkt, dann darf man sich hierzulande am Beginn einer von niedrigem Niveau aus steil ansteigenden Umsatzkurve wähnen. In ein paar Jahren, so die Markt-Auguren, könnten elektronische Bücher zehn bis vielleicht 15 Prozent des gesamten Buchhandelsumsatzes ausmachen.

Lesetechnik

Handgreiflicher lässt sich die Entwicklung bei den Lesegeräten nachzeichnen: Während der ersten E-Book-Konferenz vor einem Jahr kursierten nur private Importe und Prototypen im Publikum, die Markteinführung der E-Reader in Deutschland stand noch bevor. Im März 2009 konnte der Europäer bereits unter 20 Readern wählen und aktuell verkaufen unterschiedliche Anbieter deutschlandweit 39 verschiedene Geräte.

Der überwiegende Teil greift auf die E-Ink-Technologie zurück, die ein nicht spiegelndes und sehr kontrastreiches Display ermöglicht, das sich ermüdungsfrei ablesen lässt und zudem wenig Strom verbraucht. Manche Anbieter - wie etwa das junge Start-up Txtr, das noch in diesem Jahr seinen neuen, Linux-basierten Reader zu präsentieren hofft, schwören auf schwarz-weiße Einzweckgeräte. Andere suchen ihr Heil in der Kombination eines farbigen LCD-Displays zum Surfen und Mailen mit einer zweiten E-Ink-Anzeigefläche fürs Lesen.

Auch ein farbiges E-Ink-Display könnte im kommenden Jahr marktreif sein. Nicht zuletzt gewinnen auch Smartphones wie das I-Phone als Lesegeräte an Gewicht. Sowohl auf Smartphones wie auf dedizierten E-Book-Readern kommt nicht selten ein Linux-Derivat als Betriebssystem zum Einsatz.

Ansonsten geht der Ausstattungstrend auf technischem Gebiet eindeutig in Richtung Touchscreen, Wireless LAN und Bluetooth. Auch bei den Formaten hat sich noch kein endgültiger Standard etabliert: Das spezialisierte EPUB, das den Seiteninhalt an das Displayformat anpassen kann, konkurriert mit PDF und Mobipocket. Aber Achtung: Kein einziges heutiges Gerät liest alle Formate. Die Preise bewegen sich zwischen 200 und 600 Euro. Auf ein Nachgeben bei wachsender Konkurrenz darf der potenzielle E-Book-Leser hoffen.

Verlage suchen

Entsprechend der hohen Entwicklungsdynamik sind die Verlage landauf, landab noch auf der Suche nach einer passenden Strategie. Selbstüberschätzung, Ignoranz der Kundenwünsche, übertriebene Schutzanstrengungen und die Fixierung auf ein veraltetes Geschäftsmodell seien die Fehler der Musikindustrie gewesen, so der Droemer-Knaur-Geschäftsführer Ralf Müller. Die gelte es nun zu vermeiden. Provokant sein Vorschlag einer "digitalen Restmüllverwertung": Warum nicht alle Titel der Backlist (Long Tail), die sich im Buchhandel zunehmend schwerer verkaufen, drei oder fünf Jahre nach ihrem Erscheinungstermin automatisch einem E-Book-Verwerter wie Google Books überlassen?

Auch wenn sich mit E-Books zurzeit sicherlich noch keine überragenden Geschäfte machen lassen, war aus vielen Beiträgen der Versuch zu lesen, sich zu positionieren und die Kinderkrankheiten zu überwinden, bevor in drei, fünf oder erst zehn Jahren tatsächlich ein nennenswerter Umsatzanteil auf elektronische Bücher entfällt.

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