Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher
Projekteküche
Ton ab - und auf zu neuen Klangwelten. Wer sich als Jazzmusiker betätigt, findet in Impro-Visor einen kreativen Helfer, und seit C2H sprechen Menschen mit Delfinen und Walen.
Ton ab - und auf zu neuen Klangwelten. Wer sich als Jazzmusiker betätigt, findet in Impro-Visor einen kreativen Helfer, und seit C2H sprechen Menschen mit Delfinen und Walen.
Die meisten Künstler kennen das bange Gefühl, bevor sie eine Bühne betreten: Lampenfieber. Mit zunehmender Routine nimmt es aber glücklicherweise ab. Schwerer haben es dabei Improvisationskünstler, die sich mit spontan kreierten Melodien dem kritischen Ohr des Publikums aussetzen. Im Bereich der Jazzmusik ist diese Art der Performance seit Jahrzehnten gang und gäbe.
Natürlich lässt sich auch das Improvisieren üben. Und ebenso natürlich gibt es freie Software, die dabei hilft. Der amerikanische Entwickler Robert Keller vom Harvey Mudd College in Kalifornien hat nun mit 4.09 eine neue Version des freien Java-Programms Impro-Visor [1] zur Verfügung gestellt (Abbildung 1). Es soll Jazz- und anderen Improvisationsmusikern beratend zur Seite stehen, wenn sie ihre Fähigkeiten am heimischen Rechner testen und verbessern möchten.
Abbildung 1: Jazzmusik lebt von der Improvisation. Wer lieber zu Hause übt, bevor er mit neuen Melodien ins kalte Wasser springt, erhält von Impro-Visor Unterstützung.
Die Programmoberfläche basiert auf so genannten Lead Sheets. Das sind Notenblätter mit vereinfachter Notation, die statt der vollständigen Angaben einer musikalischen Niederschrift nur die Melodie und wenige zusätzliche Informationen enthalten. Diese Notationsart ist gerade im Bereich der Jazzmusik verbreitet, weil sie Raum für die freie Interpretation und damit zur Improvisation lässt. Impro-Visor bringt fast 70 fertige Lead Sheets populärer Jazzmelodien mit. Der Anwender darf damit seiner Kreativität freien Lauf lassen und diese nach Belieben verändern.
Doch Impro-Visor ist weit mehr als nur ein gut ausgestattetes Notenbearbeitungsprogramm. Ein wesentliches Feature besteht in der Advice-Funktion (Abbildung 2). Fehlt dem menschlichen Jazzer mal die Inspiration, steht der virtuelle Berater zur Seite und schlägt Änderungen aus einem großen Repertoire vor. Auch an anderer Stelle hilft Impro-Visor der Kreativität auf die Sprünge. Der Lick Generator (Abbildung 3) fügt an beliebiger Stelle in dem Stück so genannte Licks ein. Diese kurzen, oft in verschiedenen Variationen widerholten musikalischen Einschübe sind ein beliebtes Stilmittel beim Jazz.
Abbildung 2: Jeder Kreative braucht auch mal einen Rat. Impro-Visor hilft auf die Sprünge und schlägt gerne etwas vor.
Abbildung 3: Jazz ohne Licks ist kaum denkbar. Mit dem Lick Generator erzeugt der Benutzer solche Einschübe und bereichert so das Lead Sheet.
Der Lick Generator verwendet Grammatiken, die seine Ergebnisse bestimmen. Seit Version 4 greift das Programm nicht mehr ausschließlich auf bestehende Grammatiken zurück, sondern lernt auf Wunsch auch neue aus extern eingespeisten Werken dazu. So ist es mit einer ausreichenden Datenmenge, also eingespeister Musik, möglich, dem Lick Generator neue Stilrichtungen beizubringen.
Die Ergebnisse der eigenen Improvisationskunst exportiert Impro-Visor für die Weiterverwendung mit anderen Programmen. Für den reibungslosen Austausch der Noten unterstützt das Tool das offene Music-XML-Format [2]. Dank der MIDI-Exportfunktion spielt Impro-Visor die eigenen Werke zudem auf verschiedenen Instrumenten ab.
Wer mit der Impro-Visor-Gemeinde in Kontakt treten möchte, findet ihren zentralen Kommunikationskanal in einer Yahoo Group [3]. Diese Plattform dient nicht nur Hilfeanfragen, sondern ist auch das Diskussionsforum für Entwickler.
Umfang: 3 Heftseiten
Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)
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