Open Source im professionellen Einsatz

Blades inkognito

Nachdem die Produktklasse "Blade" im Markt angekommen ist, möchten neue Marktteilnehmer mit bedeutungsähnlichen Produktnamen und leicht variierten Konzepten ein Schnittchen vom Kuchen abhaben. Cisco hat beispielsweise im März 2009 ein neues Produkt namens Unified Computing System (UCS) vorgestellt. An ihm zeigt sich beispielhaft, dass die Hochkant-Bauweise nicht das entscheidende Merkmal von Bladesystemen ist, denn hier stecken die Einschübe quer im Gehäuse (Abbildung 4).

"Per bladem definitionem" wiederum switcht im UCS-Chassis eine zentrale Netzwerkanbindung alle Einzel-Ethernets der Server. Die Cisco-Blades sollen sich auch für Virtualisierung eignen, indem sie mittels eines selbst entwickelten Chips, der die Speicheranbindung der Prozessoren vervielfacht, mehr RAM erlauben als die Konkurrenz (Extended Memory Technology, [10]). Hier sind dann 48 statt 8 Steckplätze mit theoretisch bis zu 384 GByte Arbeitsspeicher pro Server möglich - ein Totschlagargument für Datenbank-auf-Blade-Skeptiker.

Neben der höheren Packungsdichte versuchen Hersteller auch die Ressourcen in einem System gemeinsam zu nutzen. Bei Intels Modular Server [11] fällt an keiner Stelle das Wort Blade (Abbildung 5). Das seit 2008 als "Business in a box" vermarktete Produkt hat kleinere Servermodule als Blades, die sich ihr Zuhause mit integriertem Storage teilen: Nur sechs Server passen in ein Gehäuse.

Intel bewirbt diese Server damit, dass sie Rechenleistung, Storage und Netzwerkfunktionen in einem (modularen) Stück integrieren. Diese Server richten sich nach Standards der Server Systems Infrastructure (SSI, [12]), im Gegensatz zu ATCA also nach nicht offenen Standards, denen auch wieder mehrere Blade-Spezifikationen zugehören. Unter den Mitgliedern befinden sich weder IBM noch Dell oder Sun.

Und es geht noch kleiner. Auf dem Intel Developer Forum 2009 stellte Intel den Prototyp einer abgespeckten Quasi-Blade-Variante vor, die aus einem Gehäuse mit bis zu 16 so genannten Micro Servern und vier RAM-Steckplätzen für bis zu 32 GByte Arbeitsspeicher besteht.

Neue Wege

Wer sich für die kompakte Bauform begeistert, aber Standards bevorzugt, für den erhöhen Hersteller die Packungsdichte konventioneller Server. So hat 2009 der amerikanische Rackserver-Hersteller Rackable Systems, der im April den insolventen Veteranen Silicon Graphics International (SGI) übernahm und seitdem unter diesem Namen firmiert, die Microslice-Architektur aus der Rackserver-Familie Cloudrack vorgestellt [13].

Abbildung 5: Modular und kompakt ohne Blades: Das 2008 von Intel eingeführte Modular-Server-System sieht genauso aus wie ein (quergelegtes) Bladesystem mit integriertem Mini-Storage.

Abbildung 5: Modular und kompakt ohne Blades: Das 2008 von Intel eingeführte Modular-Server-System sieht genauso aus wie ein (quergelegtes) Bladesystem mit integriertem Mini-Storage.

Abbildung 4: Nur die Chassis-Architektur macht den Unterschied: In seinem 2009 auf den Markt gebrachte Unified Computing System (UCS) verbaut das auf Netzwerk-Hardware spezialisierte Unternehmen Cisco die Blades quer.

Abbildung 4: Nur die Chassis-Architektur macht den Unterschied: In seinem 2009 auf den Markt gebrachte Unified Computing System (UCS) verbaut das auf Netzwerk-Hardware spezialisierte Unternehmen Cisco die Blades quer.

Hier stecken bis zu sechs Mikro-ITX-Boards samt CPUs, RAM und Festplatten in einer Höheneinheit. Anders als bei den Blades ist hier das Motiv, leistungsschwache Desktop-Prozessoren zu verbauen, die einen günstigen Preis pro Server ermöglichen. Die Idee zeigt, dass es noch mehr gibt als monolithische Rack- und modulare Blade-Lösungen.

Infos

[1] VME-Bus-Architektur:[http://www.vita.com/vmefaq.html]

[2] Erstes Blade-Patent: [http://v3.espacenet.com/textdoc?DB=EPODOC&IDX=US6411506]

[3] Premiere mit Debian: [http://www.hippster.com/RLX/RLXLinuxPG_v2.0.pdf]

[4] Blade-Leitfaden der Bitkom von 2008: [http://www.bitkom.org/de/publikationen/38337_52385.aspx]

[5] ATCA-Standard: [http://www.picmg.org/v2internal/newinitiative.htm]

[6] Nigel Griffiths, "NMon": Linux Technical Review 08/2008 (Performance & Tuning), S. 24

[7] PCI Express Expressmodul:[http://www.pcisig.com/news_room/news/press_releases_archive/2005_04_11]

[8] Neil J. Gunther, "Berechenbare Performance": Linux Technical Review 02/2007 (Monitoring), S. 112

[9] HPs Datenbank-Bundle: [http://www.linux-magazin.de/NEWS/Hardware-Bundle-von-HP-jongliert-88-TByte-SAP-Daten]

[10] Ciscos Extended-Memory-Technologie:[http://www.cisco.com/en/US/prod/collateral/ps10265/ps10280/ps10300/white_paper_c11-525300.html]

[11] Intel Modular Server: [http://www.intelmodularserver.com]

[12] SSI: [http://ssiforum.org]

[13] Microslice-Architektur: [http://www.sgi.com/products/servers/microslice.]

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