Grenzfälle
Bei den Einsatzszenarien ist die begrenzte Prozessorzahl in Bladeservern zu berücksichtigen. Unter Performance-Aspekten liegt als Daumenregel [6] bei Maschinen mit bis zu zwei CPUs der optimale Wert ihrer Auslastung bei 70 Prozent (Ausnahme: Batch-Workloads), damit sie zeitweilige Spitzenwerte abfangen können. Anders sieht das bei Systemen mit mehr als vier CPUs aus. Hier wartet ein Prozess im Durchschnitt kürzer, bis er eine CPU zugeteilt bekommt, und die Auslastung ist bei 80 Prozent am besten [8].
Die Kapazitätsplanung sollte berücksichtigen, dass sich die Leistungsspitzen eines Systems über den Tag verteilen (im Normalfall vormittags und nachmittags, wenn die meisten Anwender arbeiten, sowie im Batch-Betrieb nachts). Ein Mittelwert des Bedarfs führt daher in die Irre - die Leistungsspitzen sind relevant. Virtualisierung behebt das Dilemma, Rechenkapazitäten außerhalb von Spitzenzeiten brachliegen zu lassen. Bladesysteme für Virtualisierung heranziehen bedeutete jedoch, pro Blade eben nur wenige Prozessoren als Host für virtuelle Maschinen zur Verfügung zu haben sowie entsprechend wenig RAM.
En vogue ist derzeit, die räumlich begrenzten Erweiterungsmöglichkeiten zumindest für Arbeitsspeicher und Storage auszutricksen und Blade-Arrangements auch für Datenbanksysteme fit zu machen. HP beispielsweise brachte im Mai 2009 einen Verbund aus Proliant-Blades und einer Storage-Appliance auf den Markt [9]. Das Gespann ist für die Verarbeitung von SAP-Netweaver-Daten gedacht: Auf den Servern läuft SLES 10, auf der Appliance der SAP Accelerator.
Dieser ersetzt das SLES-Dateisystem und erlaubt es, bis zu 40 Blades zusammenzuschalten statt nur 16, wenn das SLES-eigene Oracle-Cluster-Filesystem zur Anwendung käme. Bei einer Ausstattung von 16 Blades, 16 GByte RAM pro CPU und 1,2 TByte Plattenplatz betrug der Kaufpreis bei Markteinführung etwa 400 000 Euro plus Lizenzgebühren an SAP. Die zu verarbeitende SAP-Datenbank wäre in diesem Fall etwa 8 TByte groß.
Blade-Stopper
Als Daumenregel sind Bladeserver für Anwendungsfälle ungeeignet, die mehr brauchen als Rechenleistung und Netzwerk. Die Telefonanlage eines großen Callcenters beispielsweise benötigt möglichweise mehr Bandbreite und Durchsatz, als die zwei Kartensteckplätze pro Blade zulassen - von Spezialhardware wie ISDN-Karten einmal ganz abgesehen. Bei geschäftskritischen Anwendungen, wozu bei Callcentern die Kommunikationsanlage gehört, bei Onlinehändlern die Shopsoftware oder bei Bezahldiensten die Internet-Erreichbarkeit, ist ein einzelnes Bladechassis wegen der fehlenden physischen Trennung seiner Server ebenfalls nicht die richtige Lösung.
Auch Energiesparwille kann teuer werden. Wegen ihrer Energie- und Ressourceneffizienz auf Bladesysteme zu setzen, lohnt sich beispielsweise nicht, wenn der auf fünf Jahre absehbare Workload die Kapazität dreier Server nicht überschreitet. Das kann in dem spezifischen Anwendungsfall begründet sein, aber auch in der Personalsituation - die Belegschaft einer öffentlichen Einrichtung etwa vergrößert sich in der Regel langsam.
Ebenso wenig wird eine soziale Einrichtung mit fantastischen Margen und frei werdenden Investitionsgeldern für innovative Geschäftsfelder rechnen können (leider). Der Investitions-Sockelbetrag ist wegen der erforderlichen Einzelmodule (Gehäuse, Netzteile, Switches) höher als bei einem Einzelserver und lohnt sich erst ab einer gewissen Anzahl Server.
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