Open Source im professionellen Einsatz

Begrenzt und speziell

Bladesysteme erreichen also eine höhere Packungsdichten pro Höheneinheit und lassen sich gleichzeitig Hardware- und Software-seitig besser handhaben. Allerdings haben sie auch Nachteile: Oft setzen die Hersteller auf eigene Gehäuseformen, Mainboards in Spezialformaten, teilweise auf niedrige Speichermodule (Low-Profile-Bauform) und auf im Haus entworfene Module statt auf Standardkomponenten.

Der ACTA-Standard [5] definiert zwar seit 2002 unter anderem Gehäusemaße für Blades. Doch Hersteller halten sich oft nicht an alle Spezifikationen des Standards, um kundenorientiert vorzugehen oder eigene Techniken umzusetzen. Beim Kauf eines Bladesystems kann es also passieren, dass man sich für einen erheblichen Zeitabschnitt auf einen Hersteller festlegt - zumindest für dieses Set.

Neben der Herstellerabhängigkeit sind die begrenzten Ressourcen pro Server das zweite große Problem bei Blade-Lösungen. Viele Bladeserver verfügen lediglich über ein oder zwei Prozessorsockel, ein Dutzend DIMM-Steckplätze und die on Board integrierten Netzwerkoptionen Gigabit-Ethernet, Fibrechannel und/oder Infiniband. Für mehr ist schlicht kein Platz. Entsprechend finden zum Beispiel Rechenoperationen, die viel Arbeitsspeicher brauchen, hier suboptimale Bedingungen vor.

Blades bieten durch die Enge und durch die herstellerspezifische Bauweise oft auch nur wenige Schnittstellen (siehe Kasten "Vorsicht, Falle!"). VGA- oder USB-Ausgänge findet man zuweilen nur in Form eines vorn eingesteckten und nicht für den dauerhaften Betrieb gedachten Peitschen-Dongle.

Anwendungsszenarien

Bladesysteme spielen ihre Stärken aus, wenn es darum geht, die unternehmensspezifischen Anwendungen von mehreren Einzelservern zu konsolidieren. Systemadministratoren können sich dann auf eine Hardwareplattform konzentrieren und müssen nicht vielen verschiedenen Herstellern nachjagen. Auf diese Weise lassen sich ein Datei- und Mailserver, die CRM-Anwendung und der eigene Webauftritt in einem Gehäuse unterbringen, betreiben und überwachen. Dieses Szenario liegt nahe, wenn sich der Systemverantwortliche nicht auf die Herstellerversprechungen für virtuelle Umgebungen verlassen möchte. Denn eine Alternative mittels Virtualisierung sähe so aus, alle Anwendungen als eigene virtuelle Maschinen auf zwei leistungsstarke Rechner zu verteilen, die hochverfügbar zu halten sind.

Ein Anwendungsszenario, das noch nicht sehr lange auf den Tischen von Entscheidern hin und her geschoben wird, ist die Desktop-Virtualisierung. Was ein Arbeitsplatzrechner an Arbeitsspeicher und CPU-Leistung braucht, lässt sich relativ gut vorhersagen und auf die Blades verteilen. Eignen könnte sich ein kompaktes Arbeitssystem auch für Server-based Computing und Thin Clients. Hier könnte das Bladesystem mit einem zusätzlichen Load Balancer die Funktion einer Terminalserver-Farm erfüllen.

Kommen beispielsweise neue Mitarbeiter hinzu, erweitert der Admin die Rechenkapazität einfach durch Hinzufügen weiterer Servermodule. Genauso unkompliziert ist das Austauschen von defekten Komponenten oder das Aufrüsten etwas leistungsfähigerer Module. Rackserver schneiden hier durch die fehlende Modularität schlechter ab.

Auf kaputte Netzteile, Lüfter oder RAM-Steckplätze weist das integrierte Blade-Verwaltungssystem nicht nur hin, ohne dass der Admin tagelange Integrations- und Monitoringsoftware konfigurieren muss. Er darf die Teile im Bladesystem im Bedarfsfall auch im laufenden Betrieb austauschen, zumal die quantitative Erweiterbarkeit der Server Redundanz vereinfacht. Hotplug-fähige Komponenten bieten zwar auch viele Rackserver. Diese zu überwachen ist jedoch aufwändiger.

Blade-Technologie - Full
House

Modularität und Kompaktheit sind die entscheidenden Stichworte. Auf den Boards der einzelnen Bladeserver sitzen neben Controllern CPU-Sockel, RAM-Steckplätze und Netzwerkchips. An Festplatten verbauen die Hersteller zwischen null und acht im Bladeserver selbst oder in einem eigenen Modul, oft 2,5-Zöller. Storage ist der Idee nach durch eine externe Appliance realisiert. Ein Blade nimmt ein bis zwei Karten für Ethernet, Fibrechannel oder Infiniband auf. Eine Mittelplatine bündelt die Datenübertragung und leitet sie zu einem oder mehreren Switches (Abbildung 2).

In der Regel besitzen die Server ein oder zwei CPU-Sockel, in die Vierkern- oder Achtkernprozessoren passen. Wie viel RAM und Festplattenplatz in einem einzelnen Blade zur Verfügung stehen, hängt wegen des Platzes vor allem von der Anzahl der Sockel ab.

Die Gehäusetechnik ermöglicht es, alle Blades einheitlich über herstellerspezifische Software zu verwalten. Über sie greift der Admin auf das einzelne Chassis-System sowie auf einzelne Blades zu. Oft integriert die Software bereits vorhandene Server, auch herkömmliche - zumindest dann, wenn sie von demselben Hersteller stammen. Die Gehäusebauform ermöglicht den Herstellern außerdem eine spezielle Luftführung, die den eng verbauten Komponenten mit einem gehäuseweiten Lüftungsdesign beikommt. Gezielt platzierte Temperatursensoren regeln schließlich die Netzteile und Lüfter automatisch herunter und herauf. Unterschiedliche Bladesysteme und ihre Verwaltungssoftware als Querschnitt durch den Markt zeigt ein weiterer Artikel in diesem Heft.

Abbildung 2: Bei diesem halb gefüllten Primery BX900 von Fujitsu Technology Solutions ist in der unteren Hälfte die Midplane zu sehen, über die alle Blades eines Chassis' ihren In- und Output abwickeln. Copyright: Cisco Systems 2009

Abbildung 2: Bei diesem halb gefüllten Primery BX900 von Fujitsu Technology Solutions ist in der unteren Hälfte die Midplane zu sehen, über die alle Blades eines Chassis' ihren In- und Output abwickeln. Copyright: Cisco Systems 2009

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