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Linux-Magazin 02/2010
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Bladeserver - Definition, Szenarien, Trends

Mythos Blade

Für ihre Genügsamkeit, kompakte Bauform und komfortable Handhabung wurden Bladesysteme die Lieblinge des IT-Krisenjahres 2009. Sie sind aber nicht in allen Fällen die geeignete Hardware, sodass traditionelle Rackserver im Rennen bleiben. Die Post-Blade-Generation ist inzwischen auch am Start.

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Die Idee, Boards zuhauf vor eine Mittelplatine (Midplane) zu stecken und ihnen von der anderen Seite I/O-Module gemeinsam zur Verfügung zu stellen, setzt elektronisch auf die VME-Bus-Architektur [1] von Anfang der 1980er Jahre auf. Das US-Patent 6411506 "High density web server chassis system" aus dem Jahr 2002 [2] beschreibt die eigentliche Blade-Idee. Sie bezog sich ursprünglich auf Webserver und das Problem, dass die damaligen Serversysteme für kleine Webservice-Anbieter zu aufwändig schienen.

Das Patent weist die Firma Rocketlogix als Antragsteller aus. Als Erfinder sind Christopher Hipp und David Kirkeby eingetragen. Hipp, der Mitte 2009 im Alter von 47 Jahren starb und den manche den "Vater der Blade-Technologie" nennen, war Mitgründer dieses Unternehmens, das 2001 unter dem neuen Namen RLX Technologies mit dem ersten Bladesystem in die Geschichte einging. Darauf lief übrigens ein Debian 2.2 [3].

IBM alias Big Blue sprang im gleichen Jahr auf den Zug auf, indem es RLX-Blades verkaufte und in die Firma investierte. Jedoch IBMs heute im Servermarkt stärkster Konkurrent Hewlett-Packard übernahm vier Jahre später die Firma RLX Technologies und kaufte sich damit sein Linux-Know-how für Bladesysteme ein. Heute liegt HP in diesem Segment weit vor IBM. Linux ist auf nahezu allen Systemen eine Option, mindestens in Form von SLES und RHEL.

Krisenerprobt

Laut den Statistiken von Servermarkt-Beobachtern konnten die Bladeserver nach starkem Wachstum 2007 und Anfang 2008 auch im schwierigen Jahr nach der Finanzkrise noch glänzen. Ähnlich glimpflich wie im ersten Quartal ging es auch im zweiten weiter, speziell für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA): Während insgesamt fast 30 Prozent weniger Server den Besitzer wechselten, waren es bei den Blades nur 20 Prozent weniger, errechnete IDC. Beim Umsatz sieht es bei den Blades mit minus 12 Prozent gegenüber minus 30 Prozent insgesamt sogar noch besser aus. Gegen Ende 2009, im dritten Quartal, lagen Bladesysteme mit einem Prozent Wachstum sogar einsam an der Spitze, wohingegen der Gesamtmarkt nach wie vor schrumpfte.

Abbildung 1: Statt pro Server ein Netz- und ein Stromkabel zu legen, erlauben Bladegehäuse mehrere Server pro Kabel, so wie bei dem abgebildeten Chassis mit zwei verbauten Fibrechannel-Extendern und zwei externen Switches mit bis zu 20 Ports.

Schnittig und praktisch

Ihre zunehmende Beliebtheit verdanken die schlanken, traditionell hochkant verbauten Serverscheiben im Wesentlichen der dank gemeinsam genutzter Ressourcen eingesparten Energie [4]. So arbeiten zum Beispiel für 16 Bladeserver nur vier Netzteile und Lüfter - inklusive Redundanz. Immerhin bräuchten 16 Rackserver herkömmlicherweise jeweils ein eigenes Netzteil und in der Regel auch eigene Lüfter und weitere redundante Komponenten. Hinzu kommt, dass Anbieter oft für ihre Bladegehäuse effiziente Lüfter und Netzteile selbst entwerfen, weil die Gehäuseform ein besonderes Lüftungsdesign oder eigene Energiesensoren ermöglicht (siehe auch Kasten "Blade-Technologie - Full House").

Zudem nehmen Bladesysteme weniger Platz weg. 16 Rackserver belegen mindestens 16 Höheneinheiten, während beispielsweise 16 halbhohe Bladeserver inklusive Gehäuse nur zehn Höheneinheiten messen. Ein wichtiges Argument ist neben dem Platz auch die Kabelage: Die gemeinsame Strom- und Netzwerkanbindung reduziert das Kabelaufkommen (Abbildung 1), was der Betriebssicherheit zugute kommt. Das ebenfalls dem speziellen Gehäuse geschuldete Software-seitige Betriebskonzept gerät zum Pro-Argument: In das Gehäuse integriert jeder Hersteller eine allen Servern gemeinsame Managementkonsole und KVM-Funktionen für den lokalen Zugriff. Das ermöglicht automatische Installationen, intelligente Verwaltung und den einheitlichen Zugriff sowohl auf das Gesamtsystem als auch auf Einzelserver über ein gemeinsames GUI.

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