Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2010
© terex, Fotolia.com

© terex, Fotolia.com

Mailinglisten-Software Sympa 6

Listenreich

Mailinglisten sind komplexer, als sie zunächst aussehen - gerade wenn sie ihren Anwendern und Admins einen gewissen Komfort bieten wollen. Bei Sympa 6.0 reicht ein Passwort pro Benutzer, es bietet ein Webportal zur Verwaltung an und modelliert auch komplexe Berechtigungsmodelle.

566

Menschen arbeiten meist in Teams, sei es im Beruf, Studium oder an einem Open-Source-Projekt. Da sich die Zusammensetzung dieser Gruppen oft ändert und nur wenige in homogenen Softwarelandschaften arbeiten, bilden Mailinglisten oft den Minimalkonsens für eine Groupware. Sie beheben zumindest die größten Ärgernisse wie manuell gepflegte Verteilerlisten oder Mehrfachzustellungen.

Ganzheitliche Mailinglisten

Yahoo, Google & Co. bieten zwar jedem Listendienste an, wer jedoch die Kontrolle über die Archivierung und Datenauswertung behalten möchte, installiert einen eigenen Server [1]. Mit Blick auf die Welt des Web 2.0 mangelt es vielen dieser Programme aber an Benutzerfreundlichkeit. Die neue Version 6.0 des Listenmanagers Sympa will dies ändern [2].

Gerade die Weboberfläche ist oft eine Quelle für Verdruss, ist sie doch selten mehr als ein Wrapper um eine ehemalige Kommandozeilenschnittstelle. Sie geht beispielsweise davon aus, dass die Benutzer selten mehr als eine Liste abonnieren und dass Listeneigentümer nur wenige Listen verwalten. Jede Liste hat ihre eigene Homepage sowie eigene Passwörter für Abonnenten und Eigentümer.

Die Welt sieht aber anders aus: In Universitäten, Softwareprojekten und größeren Unternehmen gehören Benutzer typischerweise vielen Gruppen und damit auch Mailinglisten an. Letztlich verwalten wenige Listenadmins das Gros der Listen und wünschen sich gestufte Kompetenzen zu vergeben, um auch weniger technikaffine Nutzer als Listenverwalter einzusetzen.

Seit 1997 entwickeln französische Hochschulen die Software für ihre eigenen Bedürfnisse, nämlich den Umgang mit vielen Listen, Abonnenten, Rechteinhabern und Rollenüberschneidungen. Anwender bedienen Sympa in erster Linie per Browser. Die Oberfläche orientiert sich mit einer Listenübersicht als Seitenleiste und einer Leiste von Navigationsreitern am oberen Rand weitgehend an Konventionen für Webportale (siehe Abbildung 1). Benutzer melden sich mit ihrer E-Mail-Adresse und einem Passwort bei Sympa an und verwalten so alle Listen, denen sie als Abonnent, Moderator oder Eigentümer angehören (siehe Abbildung 2).

Abbildung 1: Nach einer optischen Entschärfung verwaltet Sympas Oberfläche viele Listen der Uni Marburg.

Abbildung 2: Sympa fügt einen »Admin«-Knopf bei Listen ein, wenn der angemeldete User sie besitzt.

Darüber hinaus brauchen sie keine weiteren Passwörter, da die Software Rechte verwaltet. Auf Wunsch bezieht Sympa diese Informationen auch aus einem Verzecihnisdienst per LDAP. Wer zum Beispiel zehn Listen abonniert und zwei davon verwaltet, benötigt also nur ein statt ein Dutzend Kennwörter.

Auch sonst bemüht sich Sympa um Überschaubarkeit bei großen Installationen. Deshalb ist es bei Hochschulen, Forschungsinstitutionen, internationalen Organisationen wie der Unesco sowie bei HP und Fujifilm Deutschland so beliebt. Dazu kommt, dass Sympa als Zuckerguss Funktionen mitbringt, die Anwender eher von Forensoftware her kennen: Benutzerbilder, Avatare genannt, Funktionen, um Listenarchive anzuzeigen und zu durchsuchen, sowie ein rudimentäres Filesharing hat es eingebaut.

Versand aus der Datenbank

Seine Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger versteckt Sympa 6.0 vornehmlich unter der Haube: Betreiber großer Systeme freut, dass die Software ausgehende Mails nicht direkt verschickt, sondern in einer Datenbank ablegt. Der Daemon »bulk.pl« nimmt sie dort heraus und versendet sie. Er hält Mailinhalte und Zieladressen in getrennten Tabellen, sodass er eine Nachricht nur einmal ablegt, egal wie viele Empfänger sie hat.

Das Skript »bulk.pl« ist parallelisierbar und startet bei Bedarf weitere Prozesse. Es ist prinzipiell möglich, mehrere Instanzen auf unterschiedlichen Servern zu betreiben und so Versand-Cluster einzurichten. Allerdings stellt sich die Frage, wie viele Listen und Teilnehmer Sympa verwalten soll, da es bereits ohne größere Kunstgriffe mit Millionen von Abonnenten zurechtkommt.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Postverteilung

    Mailinglisten-Software muss viel mehr leisten als nur das schnöde Verteilen von Mail. Die Spreu trennt sich vom Weizen, wenn es um komfortable Verwaltungsfunktionen für Admins und Anwender geht. Das Linux-Magazin untersucht fünf Programme und deckt ihre Unterschiede auf.

  • Mailings

    Funktionierendes E-Mail-Marketing ist nicht auf proprietäre Software beschränkt. Eine Vielzahl von Open-Source-Produkten nimmt es beim Versand professionell anmutender Nachrichten durchaus mit kommerziellen Varianten auf. Dieser Artikel vergleicht fünf freie Mailer für Unternehmen.

  • In eigener Sache: Remote-Bundle - wenn das Gute liegt so fern

    Das Remote-Bundle ist sowohl für Admins als auch für ambitionierte Anwender interessant, die sich über verschiedene Technologien des Fern-Anmeldens informieren wollen: Von Grundlagen kryptographisch sicheren Remote-Logins und Googles Neatx über mobiles IMAP und die Mailinglisten-Software Sympa bis hin zu WLAN-Themen und dem Terminaldiesnt X2go, der sich auch ohne Client im Web nutzen lässt.

  • Kenai: Sun richtet eigene Community-Site ein

    Das Unternehmen Sun hat eine eigene Website namens Kenai eingerichtet, auf dem Open-Source-Projekte ihren Code hosten sollen.

  • I-doit erneuert die Pro-Version

    I-doit hat die kommerzielle Pro-Version seines gleichnamiges ITIL-konformen Dokumentationssystems für IT-Umgebungen auf Version 0.9.9.8 angehoben.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.