Open Source im professionellen Einsatz

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Kosten kalkulieren

Heller und Cent

Auf den Euro genau lassen sich die real anfallenden Kosten nicht kalkulieren - zu viele unwägbare Posten müsste eine wasserdichte Vollkostenrechnung beinhalten. Der direkte Vergleich von Rack- und Bladeservern lässt aber die Tendenz gut erkennen.

Server sind Investitionsgüter, die neben Anschaffungs- auch Folgekosten erzeugen. Auf den ersten Blick unterscheidet sich ein Stück IT somit nicht von einem Firmen-Kfz - doch im Life Cycle eines Servers passieren Dinge, die ein Fahrzeughalter nicht fürchten muss. Das betrifft die Administration und Support (Operation Costs) sowie den Verwaltungsaufwand, beispielsweise Asset-Management oder Training für das IT-Personal (Administration Costs). Zudem entstehen nach Hard- und Softwaredefekten indirekte Kosten durch Nutzungsausfälle.

An dieser Stelle fällt stets der Begriff Total Cost of Ownership (TCO, [1]). Weil IT technisch und organisatorisch so heterogen ist, gibt es zahllose TCO-Methoden, die allesamt keinen wissenschaftlichen, sondern einen Best-Practice-Ansatz aufweisen. Es existiert übrigens eine Open-Source-Software, die dabei hilft [2].

Das 1987 von Bill Kirwin, Research Director bei Gartner [3], entwickelte TCO-Verfahren ist etwas umstritten. Und das nicht nur, weil es im Auftrag von Microsoft entstanden ist. TCO ermittelt auch nicht die indirekten Kosten infolge Produktivitätsverlusten und berücksichtigt Miete, Energiekosten und ähnliche Nebenkosten nicht immer.

Dem TCO-Ansatz ist auch eigen, dass er die Transaktionskosten [4] sehr stark gewichtet, was für geringwertige Investitionsgüter sicher sinnvoll ist. Für Bladeserver wäre jedoch zu diskutieren, ob man zum Beispiel die Informationsbeschaffung einrechnet. Genau genommen, müsste jeder, der gerade diesen Artikel liest und sich irgendwann einen Bladeserver kauft, die Anschaffung des Linux-Magazins und die Arbeitszeit des Lesens in die TCO des Servers einrechnen.

Direkter Vergleich zulässig

Andererseits kann TCO doch Hinweise geben, ob in einem Szenario Blades gegenüber Rackservern wirtschaftliche Vorteile bringen, weil sich die genannten Effekte bei einer reinen Vergleichrechnung kompensieren. So haben die Marktforscher von IDC im Auftrag von HP eine TCO-Kalkulation für 320 HP-Server gefertigt [5]. Weil die Studie drei Jahre alt ist, für die Rechenzentren-Kostenstruktur in den USA gilt und keine echte Vollkostenrechnung anstellt, listet Tabelle 1 keine US-Dollar-Werte. Die Einsparungen in Prozent zeigen aber die Tendenz.


Eine andere Quelle [6] berechnet die Kosten für IBM-Systeme etwas hemdsärmliger, aber gut nachvollziehbar und weniger spitz als die IDC-Studie. Sie kommt trotz höherem Gerätepreis bei fünfjähriger Laufzeit auf 18 Prozent günstigere Kosten für das Blade-Setup.

Infos

[1] Stefanie Krämer, "Total Cost of Ownership - Konzept, Anwendung und Bedeutung im Beschaffungsmanagement deutscher Industrieunternehmen", Vdm Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2007.

[2] TCO-Tool: [http://www.tcotool.org]

[3] Gartner: [http://www.gartner.com]

[4] Transaktionskosten: [http://de.wikipedia.org/wiki/Transaktionskosten]

[5] IDC-White-Paper: "Forecasting Total Cost of Ownership for Initial Deployments of Server Blades", 2006: [http://www.hp.com/sbso/special/serverstorage/idc-tco-paper.pdf]

[6] Tom Henderson, Rand Dvorak, "Blade servers vs. rack servers", 2007: [http://www.networkworld.com/reviews/2007/061107-server-test.html?page=1]

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