Verfechtern von Programmiersprachen sagt man gern religiösen Eifer nach. Wer genau hinschaut, entdeckt einige überraschende Parallelen in alten Mythologien und modernen Programmiersprachen.
Erschaffung der Welt
Viele Religionen kennen einen Schöpfungsmythos, ein archaisches Prinzip, das alles Sein erklärt. Die Griechen sprechen zutreffend vom Chaos, die Nordmänner kannten das Urrind Audhumbla und die Sumerer wissen von der Göttin Nammu zu berichten, die das Urmeer darstellt, aus dem alles entsteht. Das erinnert an rohe Maschinensprache, fassbar gemacht durch Assembler. Sie sind ultimativ einfach und entziehen sich weiterer Kategorien. Hier haben etwa die Attribute fuktional, deklarativ oder objektorientiert noch keine Bedeutung.
Doch dem Menschen dürstet nach Ordnung und solider Schlichtheit. Die sumerische Fruchtbarkeitsgöttin Inanna steht für ein solches Verlangen. Nach einem kurzen Fehlstart stirbt sie jung, lässt sich aber wiedergebähren und sorgt fürhin für kulturschaffende Orientierung und Produktivität. Übertragen verweist das auf die Schöpfung von C, die nach kurzer Erstinkarnation B schlicht neu auferstand und seitdem ohne spektakuläre Schnörkel ihren verlässlichen Dienst tut.
Formung der Werte
Solide Grundlagen fordern zu weiteren Verbesserungen auf – und münden dann in Richtungsstreits. C galt schon lange als Sprache etabliert, als Sprachdesigner ihr Objektorientierung verpassen wollten. Die hatten sie Mitte der 1980er Jahre als das Neue, Gute ausgerufen. Wie in der nordischen Götterwelt die Geschlechter Wanen und Asen jeweils auf ihre Weise gegen das ungelenke Böse der Riesen oder Jöten zogen – Vergleiche zu Basic drängen sich auf –, so traten Objective-C und C++ an, um das moderne Gute zu verkörpern.
Tragischerweise konnten sich die feinsinnigen Wanen gegen die eher pragmatisch-direkten Asen nicht recht behaupten. Auch bei den objektorientierten C-Sprösslingen schmiedete C++ Ränke und einen Pakt mit der Entwicklergemeinde, selbst wenn manche Idee des Gegenentwurfes in neueren Fassungen immer wieder durchscheint. Schließlich schlossen sich die beiden nordischen Geschlechter aber unter Odin zusammen.