Uni-nah: Red Hat
Werner Knoblich, Vice President und General Manager EMEA, verweist auf die traditionelle Nähe seiner Firma zu Universitäten: "Red Hat war schon immer Uni-nah, unser Hauptquartier liegt ja auf dem Campus in Raleigh." Den Zeitpunkt begründet er mit der explodierenden Adaptionsrate "Heute laufen 90 Prozent der OSS-Lösungen auf OSS-Betriebssystemen. Nach der ersten WWW-Blase um die Jahrtausendwende kam der erste Schub, jetzt explodieren die Nutzerzahlen. Beim Sparen gibt es wohl keine heiligen Kühe mehr." Angetrieben von diesem Erfolg erhofft sich Red Hat von Riehle Hintergründe zu den sozialen Netzwerken, die OSS leiten.
Viel euphorischer noch sieht das Jan Wildeboer und zählt auf: "Das Pendel schlägt zurück. Firmen sagen uns, jetzt haben wir die freien Toolchains. Viele Unis im Ausland sind ja eher Verkaufsveranstaltungen von Microsoft. Aber die Zeiten ändern sich: Facebook hat so viel Mitglieder wie das viertgrößte Land der Erde Einwohner, Youtube ist das TV von morgen. Die Kette Community-Universities- Companies soll nicht reißen. Das Social Web wäre, so wie es heute dasteht, ohne OSS gar nicht möglich."
Uni-nah: Suse
Das schlägt sich auch in Riehles Forschungsbereichen nieder. Auf der technischen Seite sollen Projektgruppen und Studenten die Wikipedia-Technologie aufräumen und Softwareschmieden à la Sourceforge oder den Suse Build Service unter die Lupe nehmen. Da ist die räumliche Nähe zu Novell hilfreich und wird von deren PR-Strategen auch gerne betont. "Viele unserer Mitarbeiter kommen von der FAU, vor allem mit dem Lehrstuhl für Betriebssystemtheorie haben wir immer wieder gerne kooperiert und Doktorarbeiten betreut", erläutert Holger Dyroff, Novell Vice President of Business Development. "Wir verfügen aus dem Build Service über Unmengen von Daten und Dokumaterial, das nur darauf wartet, ausgewertet zu werden."
Riehle selbst will sich auf die Strategien von Konzernen, Konsortien und Single- Vendour-OSS-Firmen konzentrieren, die der einzige Hersteller einer freien Softwarelösung sind. Seine erste Vorlesung - "Agile und OSS-Software-Entwicklung anhand eines Beispiels" - findet regen Zulauf. Noch mehr Nachfragen gibt es für seine Praktika (mit Themen wie Android und Embedded Linux) und Diplomarbeiten. Wer bei ihm promovieren möchte, muss Open-Source-Software entwickeln. Riehles Unix-Geschichte (siehe Kasten "Kurzbiographie" fängt bei Sun Solaris an, reicht über Bank-Linuxe bis zu Debian und modernen Enterprise-Distributionen wie RHEL und SLES. Seine aktuelle Hauptbeschäftigung? Sponsorenakquise. Mit viel Mitbestimmung dürfen die aber nicht rechnen, es sei denn, es handelt sich explizit um Drittmittelprojekte. Die beiden Doktorandenstellen sind auf drei Jahre befristet, dann ist wohl auch absehbar, was ein Open-Source-Professor in Deutschland bewirken kann. Die Ausrichtung sowohl auf Community als auch auf den Enterprise-Einsatz scheint vielversprechend, stellt aber auch einen nicht einfachen Spagat dar. Den muss Dirk Riehle meistern.
| Infos |
|---|
| [1] Webseite der Professur: [http://osr.informatik.uni-erlangen.de] [2] Dissertation: [http://dirkriehle.com/computer-science/research/dissertation] [3] Erich Gamma, Richard Helm, Ralph Johnson und John Vlissides, "Entwurfsmuster: Elemente wiederverwendbarer objektorientierter Software": Addison-Wesley, 2004 [4] UML Virtual Machine: [http://dirkriehle.com/computer-science/research/2001/oopsla-2001.html] [5] Riehles Blog bei SAP: [http://www.sdn.sap.com/irj/scn/weblogs?blog=/pub/u/251746144] [6] Internationales Wiki-Symposium: [http://www.wikisym.org] [7] Riehles Blog: [http://dirkriehle.com] [8] Twitter: [http://twitter.com/dirkriehle] |
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