Neues bei Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
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Abbildung 1: Aufwärts, vorwärts! Upstart könnte das Init-Problem von Debian lösen. Irgendwann. Copyright: tinmachine, Photocase.com
Debians Sys-V-Initsystem rödelt seit Jahren fast unverändert vor sich hin. Dabei leidet es ab Werk unter Designschwächen: Paralleles Starten von Diensten ist nur unter Verrenkungen möglich, Initskripte folgen keiner einheitlichen Syntax und welche Argumente die Skripte unterstützen, entscheidet der Paketbetreuer.
Folglich herrscht im Verzeichnis »/etc/init.d« eines typischen Debian-Systems Wildwuchs. Außerdem unterstützen viele Initskripte zum Beispiel das in der LSB-Spezifikation zwingend vorgesehene »status«-Target nicht. Das bedeutet Ärger für Administratoren eines Hochverfügbarkeitsclusters: Managementprogramme wie Pacemaker sind auf zuverlässige Rückgabewerte beim Aufruf eines Initskripts mit »status« angewiesen.
Ausgerechnet die Firma Canonical, die im Projekt kürzlich die Urangst vor dem Kommerz wachrief [1], schickt sich an, mit dem Debian-Initsystem aufzuräumen. Upstart ([2], [3], [4]) scheint die Lösung der Stunde zu sein (Abbildung 1). Debian-Entwickler Petter Reinholdtsen, der sich seit Jahren mit dem Initsystem beschäftigt, erklärte im September, er könne sich Upstart bereits in Debian 6.0 "Squeeze" vorstellen [5].
Drei Monate nach Reinholdtsens Mail sind die Entwickler mit ihrem ehrgeizigen Ziel ins Straucheln geraten. Dass sich nicht innerhalb weniger Monate ein Initsystem ersetzen lässt, das über Jahre gewachsen ist, leuchtet sowieso ein. Reinholdsten und sein Team hatten deshalb zunächst den Plan, Upstart als funktionsgleiches Äquivalent zum Sys-V-Initsystem zu verwenden. Der Benutzer sähe keinen Unterschied und unter der Haube hätte Debian nach und nach sämtliche Initskripte an Upstart angepasst.
Beide Initsysteme sind erforderlich, weil Upstart bis jetzt ausschließlich auf Linux-Systemen funktioniert - Debian Kfree BSD zum Beispiel bliebe außen vor. Damit sie kooperieren können, benötigt Upstart die Komponente »upstart-job«. Sie legt im Verzeichnis »/etc/init.d« Symlinks an, die auf das Programm »/lib/init/upstart-job« verweisen und den entsprechenden Upstart-Mechanismus in Gang setzen. Für Sys-V sieht das aus wie ein normales Initskript, denn der Output von Upstart-job ist identisch.
Petter Reinholdtsen zeigt sich auf Nachfrage des Linux-Magazins nun nicht mehr ganz so optimistisch. Er bedauert, dass er den Wechsel zu Upstart nicht schon lange radikal vollzogen hat. Die Stabilität der Benutzersysteme stehe jedoch absolut im Vordergrund. Neben dem nur schleppend entwickelten Upstart machen ihm die so genannten Race Conditions Sorgen.
Upstart ist demnach zu schnell. Es unterstützt von Haus aus das parallele Starten mehrerer Dienste. Das ist seit ein paar Monaten auch mit dem Sys-V-System möglich, galt ursprünglich jedoch als ein Killer-Feature von Upstart. Das Problem: Weil die Funktion bisher nicht zur Verfügung stand, haben viele Paket-Maintainer sie nicht beachtet. So kommt es vor, dass Upstart beim Booten einzelne Dienste startet, obwohl noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt sind. Man stelle sich etwa ein NFS-Root-Setup vor: Bevor das Netzwerk nicht da ist, bringt es nichts, andere Dienste zu starten.
Was kaum jemand nutzt, vermisst also fast niemand. Außerdem macht Petter Reinholdsten deutlich, dass er Upstart eher auf Squeeze plus x verschiebt, als dass er ein instabiles Initsystem in Kauf nimmt. Das neue System hält nach derzeitigem Stand der Dinge wohl frühestens 2012 in Debian Einzug. (ake)
| Infos |
|---|
| [1] Martin Loschwitz, "Debianopolis": Linux-Magazin 11/09, S. 95 [2] Upstart: [http://upstart.ubuntu.com] [3] Nico Dietrich und Dirk von Suchodoletz, "Schnelles Booten mit Upstart": Linux-Magazin 02/07, S. 72 [4] Nils Magnus, "Stars 2009, Am Anfang war Boot": Linux-Magazin 02/09, S. 34 [5] Mail von Petter Reinholdtsen: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2009/09/msg00003.html] |
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