Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2009

Bücher über Community-Management sowie Debian-Server

Tux liest

Ein Softwareprojekt lebt von den Menschen, die daran arbeiten. Wie man deren Zusammenspiel am besten regelt, schildert Ubuntus Community-Manager aus eigener Erfahrung. Das zweite Buch ist dick und möchte alles behandeln, was man zum Betrieb eines Debian-Servers wissen muss.

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Die Firma Canonical hat mit Ubuntu nicht nur ein benutzerfreundliches Produkt auf den Markt gebracht, um die Linux-Distribution gibt es auch eine aktive Community. Das ist zu einem großen Teil der Arbeit des Briten Jono Bacon zu verdanken, den Canonical als Community Manager beschäftigt.

Hemdsärmelig zugepackt

Seine Erfahrungen hat Bacon nun in dem englischsprachigen Band "The Art of Community" zusammengefasst, das es bei O'Reilly als Taschenbuch und unter [http://www.artofcommunityonline.org] zum Download unter Creative-Commons-Lizenz gibt. Hemdsärmelig im anglo-amerikanischen Plauderton geschrieben und mit Anekdoten gespickt, gibt das Buch gleichzeitig einen systematischen Überblick über alle Aufgaben in einem Community-Projekt.

Die wichtigste Botschaft des Autors lautet: Nie das Ziel aus den Augen verlieren. Das mag trivial klingen, doch Jono Bacon wird konkret: Endlose Debatten über Details des CMS für die Projekt-Homepage beispielsweise sind nicht zielführend - wichtig ist nur, dass eine informative und aktuelle Homepage existiert.

Das Buch hält zudem ein angenehmes Gleichgewicht zwischen Idealismus und Realismus. Beginnt es noch mit der Faszination, die Bacon angesichts des Engagements und des Zugehörigkeitsgefühls vieler Community-Mitglieder empfindet, geht es bald um sehr praktische Dinge: Software-Releases brauchen einen strikten Terminplan, ein Prozess muss in einer Minute erklärbar und die Grundregeln einer Gemeinschaft sollten für alle verständlich formuliert und öffentlich nachzulesen sein. Noch konkreter: Bugzilla hat zu viele Formularfelder, zumindest für Otto Normalanwender, der einen Fehler melden möchte.

Zugegeben, der Band ist etwas zu dick, und nicht jedes Wortspiel und jede Allegorie hat der Autor treffend formuliert. Doch jeder Teilnehmer - nicht nur der Leiter - eines Community-Projekts kann daraus Rat und Anregung schöpfen, bis hin zum Umgang mit Konflikten und Störenfrieden auf der Mailingliste. Die Lizenz des Buches erlaubt die Bearbeitung. Vielleicht produziert die Community schon bald eine deutschsprachige Version?

Solides Pflichtprogramm

Der Band "Linux-Server mit Debian GNU/Linux" von Eric Amberg ist ein umfassendes Linux-Handbuch, das von Apt-get bis zum Zertifikat für SSL kaum ein Thema auslässt. Lediglich der Kernel kommt mit nur 16 Seiten bei einem Umfang von rund 900 deutlich zu kurz. Das Buch, nun in 2. Auflage erschienen, dreht sich ausschließlich um Debian, inklusive Version 5.0 mit dem Codenamen Lenny.

Dementsprechend beschreibt der Autor nur Dpkg als Paketmanager, RPM entfällt. Ansonsten behandeln die ersten Kapitel alle Grundlagen, wie sie auch in den LPIC-1 Prüfungen gefragt sind: Installation, Benutzerverwaltung, Arbeit auf der Shell. Das Shell-Scripting-Kapitel nimmt zum Schluss Code aus der Praxis auseinander, nämlich das Systemskript »/etc/init.d/rc«. Runlevels, Init-System, Logging und Backup vervollständigen das Grundwissen.

Danach wendet sich das Buch noch TCP-/IP-Grundlagen und den eigentlichen Server-Themen zu: Debian als Server für ein kleines Büro mit DHCP, NFS, Samba und Cups. Dabei empfiehlt der Autor alle Konfigurationen zunächst in einem Labor-Netzwerk zu testen.

Zusätzlich soll der Debian-Host als Intranet-Webserver mit Apache, PHP und MySQL dienen. Zum Glück haben Autor und Verlag es sich verkniffen, an dieser Stelle einen SQL- und PHP-Kurs ins Admin-Buch zu packen, und beschränken sich aufs Nötigste. Der weitere Verlauf des Werks versetzt den Host als Root-Server ins Internet samt SSL und DNS. Bei den Mailservern behandelt Amberg Postfix, Courier und Cyrus SASL.

Das Buch bietet viele Themen, lässt dabei aber einige zu kurz kommen. An anderen Stellen wie etwa Posix-ACLs ist es dafür den vergleichbaren Handbüchern überlegen. Es handelt sich um solide Einsteigerlektüre, die der Leser ab und zu mit dem Nachschlagen in themenspezifischen Büchern ergänzen sollte.

Info

Jono Bacon:

The Art of Community

O'Reilly, 2009

390 Seiten

ISBN 978-0-596-15671-8

38 Euro

Info

Eric Amberg:

Linux-Server mit Debian GNU/Linux

Mitp, 2009

900 Seiten

ISBN 978-3-8266-5520-3

50 Euro

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