Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2009
© sxc.hu

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Auf Asterisk basierende Telefonanlage

Telefongemeinschaft

Exklusiv auf DELUG-DVD: Die Asterisk-Soft-Appliance "Gemeinschaft" erlaubt dem Admin das Einrichten komplexer Telefonanlagen über eine webbasierte Benutzeroberfläche.

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Wer früher eine Telefonanlage benötigte, kaufte sie für teuer Geld bei der Post, später beim Computerhändler. In der heutigen Zeit reicht ein PC von der Stange aus, um daraus mit einer ISDN-Karte und der passenden Software eine vollwertige Telefonanlage zu bauen. Derzeit stellen die Projekte Asterisk (Dual-Licence) [1], Freeswitch (MPL) [2] und Yate (GPL) [3] eine solche bereit, Asterisk besitzt derzeit einen Marktanteil von über 95 Prozent.

Allerdings stellt das Abbilden einer größeren Telefonanlage auf Asterisk selbst gestandene Admins vor eine echte Herausforderung. Es bedarf einer komplexen Konfiguration und eines mehr oder weniger komplizierten Dialplans. Abhilfe schaffen fertige Asterisk-Appliances, welche eine Konfiguration auch dem weniger versierten Anwender ermöglichen. Aus den USA kommen eine Hand voll Projekte, etwa Trixbox [4] oder Asterisknow [5].

Diese erweisen sich aber für die deutsche Telefonlandschaft als mehr oder minder unbrauchbar. Das liegt zum einen daran, dass in Europa eine andere Telefonanlagenlogik zum Einsatz kommt, wo jeder gerne seine von Außen erreichbare Durchwahl hat, und zum anderen daran, dass die meisten Entwickler in den USA das Wort ISDN zwar schon mal gehört haben, aber ansonsten weiter in ihrer analogen Welt leben.

ExHeft-DVD

Die Heft-DVD enthält vorab exklusiv neben dem ISO-Image von Gemeinschaft 2.3 Home-Edition auch eine Virtual Appliance, die der Admin mit den VMware-Produkten Server, Workstation und Player startet. Die Home-Edition eignet sich nur für den Einsatz von bis zu zehn Telefonen.

Retter in der Not

Diese Lücke will das am Business ausgerichtete GPL-Projekt "Gemeinschaft" [6] füllen. Die neue Version 2.3 verwendet entsprechend eine Routing-Engine, die imstande ist, bis zu 64 000 verschiedene ISDN-Anschlüsse mit unterschiedlichen Nummern zu verwalten (Abbildung 1). Mit der Statistikfunktion Queuemetrics behalten Call-Center-Betreiber stets den Überblick über das Telefonataufkommen.

Die Entwickler halten bei der Planung aber nicht nur die großen Telefonanlagen im Blick, auch dem Privathaushalt oder der kleinen Firma ohne eigenes Asterisk-know-How bietet Gemeinschaft eine einfach zu installierende Komplettlösung.

Diesen Spagat vollzieht das Projekt zum einen über eine vergleichsweise einfach zu bedinende webbasierte Benutzeroberfläche (Abbildung 2), bietet die Funktionalität der GUI aber auch noch als Skripte für die Poweradmins auf der Konsole an. So ersparen drei bis vier Zeilen Bash-Skript mitunter den Besuch beim Chiropraktiker. Denn keiner will 500 Telefone per Maus auf einer GUI anlegen, um danach direkt eine Voicemailbox und ein Softwarefax pro User einzurichten.

Abbildung 1: Dank der neuen Routing-Engine ist die Telefonanlage „Gemeinschaft“ in der Lage, bis zu 64 000 unterschiedliche Rufnummern zu verwaltenen.

Abbildung 2: Die grafische Weboberfläche der Asterisk-Appliance „Gemeinschaft“ ermöglicht auch dem weniger versierten Anwender das Setup komplexer Telefonanlagen.

Vorsicht Falle

Probleme bereitet aber immer noch das Einbinden billiger ISDN-Karten. Hier gilt es, M-ISDN und danach Asterisk neu zu kompilieren. Allerdings ist auch diese Vorgehensweise nicht immer von Erfolg gekrönt. Wer erwägt, eine Telefonanlage aufzubauen, sollte deshalb zur hochwertigen ISDN-Karte greifen oder sich direkt ein Media-Gateway zulegen und sich damit von ISDN-Karten verabschieden.

Alternativ wählt der Admin einen SIP-Provider wie Sipgate [7], der mit dem neuen Produkt "Sipgate Team" ganze Anlagenanschlüsse (mit Durchwahlen) zur Verfügung stellt. Das spart dann auch direkt den Telefonanschluss.

Einem typischen Open-Source-Problem bleibt auch Gemeinschaft treu: Fehlende Dokumentation. Gerade der Einsteiger wird sich deswegen bald mit der Mailingliste behelfen. Diese lesen mehr als 400 deutsche Gemeinschaft-Admins und geben meist auch zügig Antworten. Allerdings nimmt sich das Projekt dieses Makels bereits an. Für immer mehr Themen bietet der Hersteller Amooma kostenlose Screencasts an. Sie erklären in wenigen Minuten bestimmte Features.

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