Open Source im professionellen Einsatz

Miredi, Fotolia.com

Zwei Buchhaltungsprogramme für Linux

Rechenhilfen

Die schönsten Einnahmen nützen nichts, wenn sie im Rechnungschaos versanden. Dieser Artikel stellt zwei Buchhaltungsprogramme für Linux vor, die den Unternehmer unterstützen wollen.

Sprichwörtlich "auf eigene Rechnung" arbeiten heißt früher oder später genau dies: dem Kunden die eigene Leistung zu berechnen, nach Möglichkeit so, wie es Finanzamt und Gesetzgeber verlangen. Dem voraus geht das Erstellen von Angeboten, Auftragsbestätigungen, eventuell Lieferscheinen, danach folgen unter Umständen Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Hierin bestehen also die Anforderungen an die Software, die sich in diesem Artikel dem Praxistest stellt.

War das Angebot für Buchhaltungssoftware für Linux vor einigen Jahren noch recht spärlich, ist die Auswahl mittlerweile breiter. Wegen der umfangreichen Funktionalitäten muss sich ein Test dennoch auf eine kleine Zahl Programme beschränken, und so treten dieses Mal zwei Kandidaten an: Die Open-Source-Software SQL Ledger im Vergleich mit der proprietären Lösung Lin-Habu der Firma MC Richter. Ein früherer Linux-Magazin-Artikel nahm den deutschen SQL-Ledger-Ableger Lx-Office sowie VTiger unter die Lupe, außer Konkurrenz war außerdem die eher schlichte KDE-Anwendung Kraft dabei. [1].

E SQL Ledger

SQL-Ledger [2] ist einer der Kandidaten, der eine deutschsprachige Bedienoberfläche anbietet. Das Projekt verspricht eine Software zur doppelten Buchführung, hierbei sollen alle Einträge im Inventar mit Einnahme-, Ausgaben und Steuerkonto verbunden sein. Wie der Name der Software vermuten lässt, speichert die Buchhaltungsdaten in einer PostgreSQL-Datenbank.

Der zweite Namensbestandteil "Ledger" bezeichnet im Englischen das Kontenblatt oder Kassenbuch. Recht praktisch: Die Software läuft browserbasiert, daher kann der Anwender einen grafischen oder sogar Konsolen-Browser seiner Wahl nutzen. Neben der Datenbank setzt die Installation Perl in Version 5 sowie einen Webserver wie Apache voraus. Grundlage für die Bewertung in diesem Artikel ist SQL-Ledger in der Version 2.8.24, via Perl-Setupskript von der Projektseite installiert.

Der Einstiegsbildschirm von SQL Ledger bietet zunächst eine Vielzahl Menüpunkte auf der linken Seite, ein Benutzerhandbuch oder Hilfe-Menü befindet sich jedoch nicht darunter. Genau dies erweist sich als Mangel des vermutlich leistungsstarken, umfassenden Programms - ohne ausführliches Handbuch oder Dokumentation ist der Einstieg schwierig.

Wer zahlt, schafft an

Das Projekt bietet online einige kostenlose Hilfestellungen auf seiner Homepage, darunter eine FAQ sowie ein Anwenderforum. Zahlreiche Antworten im Forum stammen von Dieter Simader, dem Initiator des Projekts, gleichzeitig der Verantwortliche hinter dem Unternehmen DW Systems Inc. Er bietet weitere Unterstützung per Mail oder eine Telefonnummer im kanadischen Edmonton, gegen Gebühr gibt es eine Dokumentation. Als weiterer Kontakt ist die Firma Leanux mit Sitz in der Schweiz genannt, die seit Jahren intensiv an SQL Ledger mit entwickelt. Beide Firmen sind über Kontaktformulare auf der Projektseite zu erreichen.

Der hoffnungsvolle Jungunternehmer findet auf der Weboberfläche von SQL-Ledger eine große Fülle an Informationen, angefangen beim Eingabefenster für die ersten Kundendaten. Hier zeigen sich auf den ersten Blick Felder für alle wichtigen Informationen, inklusive Steuernummer, IBAN und BBIC. Voreingestellt in der Standardinstallation sind trotz Einsatz der deutschen Lokalisierungsdateien britische Standardsätze, so zum Beispiel das Britische Pfund als Hauswährung, britische Mehrwertsteuersätze von 17,5 und 5 Prozent (Abbildung 1), sowie die angelsächsische Eigenheit im Zahlenformat, bei dem der Punkt die Rolle des Kommas bei den Dezimalstellen übernimmt. Letzteres kann der Anwender unter dem Menüpunkt »Benutzereinstellung« unmittelbar selbst ändern, die Steuersätze sind offenbar irgendwo in den Tiefen des Perl-Quelltexts konfiguriert.

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