Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2009

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Projekteküche

Freie Software ist filmreif: Dank Projekten wie Blender und Synfig Studio haben Fans von Animationsfilmen das passende Werkzeug zur Hand. Danach macht der Social Media Guide Vorschläge, wie freie Softwareprojekte sich besser im Netz vermarkten. Zu essen gibt\'s Kohl - aber keine Suppe!

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Man nehme ein altes russisches Märchen mit einer schönen Frau, einem Prinzen, einem Bösewicht und einer Hexe, füge jede Menge Action und Technobabble hinzu - fertig ist der Zeichentrickspaß für Geeks. "Morevna" heißt die Hauptdarstellerin und genauso das Projekt. Es hat sich zum Ziel gesetzt, einen Anime in Spielfilmlänge nur mit Open-Source-Software zu erstellen [1].

Open-Source-Anime

Schon lange haben die großen Produktionsfirmen das freie Betriebssystem für sich entdeckt und auch immer mehr Filme selbst stehen unter einer freien Lizenz. "Big Buck Bunny" [2], "Elephants Dream" [3] und zahlreiche weitere mit Blender erstellte Streifen [4] sind ein Augenschmaus und stellen die Features der Software anschaulich unter Beweis.

Auch das Morevna-Team hat schon erste Demos des geplanten Films veröffentlicht. Storyboard, Characters und die Musik sind schon auf der Projekt-Homepage und im Wiki zu bewundern (siehe Abbildung 1). Daneben stehen Tutorials und jede Menge Anschauungsmaterial bereit und helfen Lernwilligen, die verwendeten Tools selbst zu testen.

Zur 2-D-Animation setzen die Projektteilnehmer auf Synfig Studio [5], dreidimensional arbeiten sie mit Blender, die Bilder erstellen sie mit Gimp und Krita. Die kreativen Köpfe des Morevna-Teams schreiben in ihrem Blog, dass sie nicht nur ausführliches Feedback an die Entwickler der jeweiligen Tools geben möchten, sondern die Software auch durch ihre Tests weiter verbessern wollen.

Diese veränderten Versionen von Synfig Studio und Blender bieten die Morevna-Entwickler auf ihrer Webseite zum Download an. Dort stehen diverse Debian- und RPM-Pakete für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme sowie die Quellen zum Download bereit. Die Pakete enthalten außer den Morevna-Versionen der Programme auch die benötigten Bibliotheken - mit dem Hinweis, dass Security-Updates für alle enthaltenen Libraries nicht möglich sind. Interessierte Anwender sollten sich allerdings vor der Installation überlegen, diese in einer Testumgebung vorzunehmen. Alle erwähnten Libraries landen im Verzeichnis »/opt/synfig/lib«. Das ist schade und ziemlich unsauber: Ginge jedes neue Programm so mit dem System um, gäbe es bald zig Versionen einer einzigen Bibliothek.

Positiv hervorzuheben ist allerdings die Transparenz, mit der die Entwicklung des Films abläuft. In den Blog-Artikeln und im Wiki finden sich gute Anleitungen und zahlreiche Beispiele zum Nachvollziehen und Lernen (siehe Abbildung 2). Wer nach Grundlagen sucht, sollte sich auch auf jeden Fall die Tutorials auf den Synfig-Studio- und Blender-Webseiten anschauen. Hier gibt's jede Menge zu sehen und zu lernen.

Abbildung 2: Punkt, Punkt, Komma, Strich – die Strichmännchen-Vorlage des Morevna-Projekts dient als Grundlage für die Animation von Figuren.

Gemeinschaft im Netz

Gegenseitiges Geben und Nehmen, Austausch von Meinungen und Erfahrungen, Kontakte knüpfen und pflegen - Netzwerke gewinnen rasant an Bedeutung. Ob privat oder beruflich: Den so genannten sozialen Medien kann sich fast keiner entziehen. Es twittert und bloggt, es wimmelt von Video-, Foto- und Musikportalen, und das nicht mehr nur zum Zeitvertreib allein. Social Media Marketing betreiben inzwischen viele Firmen und verbessern so die Besucherzahlen ihrer Webseiten, steigern ihre Bekanntheit und akquirieren neue Kunden.

Die sozialen Medien, deren Popularität und ihren Werbeeffekt sollten sich auch freie Softwareprojekte zunutze machen, findet Lydia Pintscher, Community-Managerin von Amarok. In ihrem "Social Media Guide For Free Software Projects" ruft sie dazu auf, sich nicht im stillen Entwickler-Kämmerlein zu verschließen, sondern die "menschliche Seite freier Software" zu präsentieren [6]. Wenn Entwickler nicht unter sich bleiben, sondern auch die bisher meist inaktiven Konsumenten ins Projekt mit einbeziehen, profitierten alle Seiten davon.

Pintscher schlägt in ihrem Guide konkrete Plattformen vor - die wenigsten davon dürften Begeisterungsstürme bei Anhängern freier Software hervorrufen. So finden sich die zu erwartenden kritischen Stimmen in den Kommentaren des Blog-Eintrags [7]. Die positiven Reaktionen und beipflichtenden Worte zeigen allerdings auch, dass viele bereit sind das Schubladendenken abzulegen. Die vorgeschlagenen Plattformen haben täglich Millionen von Besuchern - wenn hier jemand Informationen über freie Software erhält und für das Thema sensibilisiert wird, ist es das nicht wert?

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