Installation unter der Lupe
Das positive Feedback für X2go liegt auch an der unkomplizierten Installation dank an die Distributionen angepasster Repositories. Wie bei Nomachine (Pakete ebenfalls auf der DELUG-DVD) gibt es Deb-Files für Debian, Ubuntu und eine lange Liste Clientpakete. Auf die bei den Italienern seit Jahren üblichen RPMs müssen Anwender noch etwas warten, ebenso auf die ausgereiften Enterprise-Features der kommerziellen Nomachine-Produkte [14]. Diese glänzen mit Features wie dem Java-basierten Web Companion, bald kommt der Webplayer auf den Markt, mit dem jeder Javascript-fähige Browser ohne Clientsoftware auf den Linux-Desktop zugreift.
Zwar ist auch Free NX in zahlreichen Distributionen integriert, es scheitert in diesem Vergleich aber an bisweilen schwierigen Nachbesserungen. Neatx ist bisher nur über SVN installierbar und liefert keine Pakete. Auch ist die Installation noch nicht konkurrenzfähig. Den Nxagent borgt sich Neatx komplett von Free NX, wobei der Tester am besten nach der Anleitung auf [15] den Deb-Pfad zu seinen Apt-Sources hinzufügt und das Binary installiert. Ansonsten ist die Installation für den im Umgang mit »autogen.sh«, »configure« und »make« erfahrenen Admin unspektakulär, solange er sich an die Anleitung in der Datei »INSTALL« hält.
Mit dem Nomachine-Nxclient lässt sich sehr schnell eine Session starten - das ist wörtlich zu verstehen: Die Session startet im Vergleich überraschend schnell. Der Grund ist ziemlich einfach: Neatx fehlt eine ganze Menge Features und der damit verbundene Overhead.
So kann der Admin beispielsweise keine Before- oder After-Session-Startskripte benutzen. Drucken, Multimedia und Foldersharing fehlt komplett, Session-Suspend und -Resume geht auch noch nicht zuverlässig. Diagnosemöglichkeiten und Eingriffe wie »nxserver --list --history« oder »nxserver --kill --terminate« gibt es ebenfalls nicht. In Unternehmen, wo der Admin mit Hunderten gleichzeitiger Sessions konfrontiert ist, macht der aktuelle Stand von Neatx keinen Sinn.
Auch die Unterstützung von Windows-Terminalserver-Sessions per Rdesktop fehlt. Da bleibt dem Admin nur, direkt im Client eine Unix-Custom-Session mit dem Kommando »rdesktop« zu definieren. Hier hat Google noch einige Arbeit vor sich, vor allem gemessen an Nomachines Enterprise-Produkten (Abbildung 4).
Abbildung 1: Auf den ersten Blick ist kein Unterschied erkennbar: Auch mit Nomachines Client klappt der Zugriff auf einen Neatx-Server. Allerdings fehlen dem noch die meisten Features.
Viel Lärm um nichts
Shakespeare beschreibt den aktuellen Stand von Neatx am Besten. Gegenüber Nomachine oder X2go ist Neatx bis auf den Wechsel der Skriptsprache von Perl nach Python noch kein Gewinn. Und darum, ob der einer ist, werden sich die Anhänger dieser Sprachen trefflich streiten. X2go glänzt mit einer umfangreichen Ausstattung und moderner Technologie, muss sich im Enterprise-Segment aber erst noch beweisen.
Sinnvoller wäre es sicherlich, würde sich Google an die Arbeit machen und den ganzen Code nach C/C++ portieren und dann nativ mit voller Leistung laufen lassen. Den eigentlich komplizierten Teil, Nxagent samt Kompressions-Libs leiht sich Neatx gleich ganz aus, anstatt vielleicht direkt hier anzusetzen und sich Gedanken über Multimedia-Echtzeit-Kompression und 3D wie bei HDX [16], über USB-Forwarding und ähnliche Dinge zu machen.
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