Open Source im professionellen Einsatz

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Suse-Eigenbau mit Kiwi

Aus eigenem Anbau

Mit Kiwi lassen sich im Handumdrehen Suse-Images unterschiedlichster Art erzeugen. Dank eines angepassten Yast-Pakets klappt das nun auch von der grafischen Oberfläche aus.

Der chinesische Strahlengriffel (Actinidia Deliciosa oder Chinensis, [1]) lässt für den Open-Suse-Freund kaum Wünsche offen. Neben CD-, DVD- oder USB-Stick-Images erzeugt Kiwi auch für die gängigen Virtualisierungslösungen Xen und VMware direkt bootbare Abbilder per Mausklick. Bei Bedarf stellt der Benutzer Images per PXE zum Netzwerkboot bereit oder flasht mit dem OEM/Raw-Format Thin Clients direkt per »dd« oder »dd_rescue«. Soweit die Theorie. Doch gerade das Zusammenspiel mit Yast sorgt immer wieder für Magenprobleme.

Kiwi-Enterprise und -Vorlagen

Dabei ist Kiwi nicht auf Open Suse beschränkt, sondern bietet ebenfalls die Möglichkeit, zusammen mit SLES eine eigens angepasste Enterprise-Distribution zu erzeugen. Das Paket »kiwi-templates« liefert sogar generische Vorlagen, zum Beispiel als Basis für ein "Just enough Operating System" (JEOS), also eine abgespeckte, für den geplanten Einsatzzweck maßgeschneiderte Minimalausgabe der jeweiligen Distribution.

In der Theorie nutzt der Admin den Yast2 Image Creator (Abbildung 1), in der deutschen Version etwas gewöhnungsbedürftig "Bildersteller" genannt, um bequem über die grafische Oberfläche ein Suse-Image zu erstellen. Aber das Yast-Modul, in der Rubrik »Andere« zu finden, kann zurzeit nicht mit der schnellen Entwicklung von Kiwi selbst mithalten.

Abbildung 1: Auch ein USB-Stick lässt sich mit Kiwi und dem Yast2 Image Creator per Mausklick zusammenbauen, darüber hinaus aber auch CDs, DVDs und Images für virtuelle Systeme.

Abbildung 1: Auch ein USB-Stick lässt sich mit Kiwi und dem Yast2 Image Creator per Mausklick zusammenbauen, darüber hinaus aber auch CDs, DVDs und Images für virtuelle Systeme.

Unter Open Suse 11.1 ist es gar nicht mit der aktuellen Version der Beerenfrucht kompatibel. Das Problem liegt beim Zusammenspiel zwischen Kiwi und dem durch Yast erzeugten XML-Schema in Version 2.0 statt in der erwarteten 2.4, woraus Kiwi sogar Version 3.5 macht. Die Erzeugung des Image schlägt deshalb komplett fehl.

Der Autor dieses Artikels hat eine um den Fehler bereinigte Version von Image Creator erstellt, die RPM-Datei findet sich auf der DELUG-DVD und online unter [2]. Die Installation ist einfach: Listing 1 zeigt, wie sich der Strahlengriffel samt Bildersteller in vier Schritten an der Befehlszeile erfolgreich einrichten lässt. Zypper fügt das passende Repository dem System hinzu, dann installiert der Admin die Pakete und das gefixte RPM-File. In diesem Beispiel nimmt der Admin einfach alle verfügbaren Kiwi-Module zur Installation mit (Abbildung 2). Damit lässt sich später jeder unterstützte Image-Typ erzeugen.

Listing 1: Kiwi-Installation
unter Suse 11.1

01 zypper ar http://download.opensuse.org/repositories/Virtualization:/Appliances/openSUSE_11.1/Virtualization: Appliances.repo
04 zypper ref
05 zypper in kiwi-*
06 rpm -Uvh http://medozas.de/yast2-product-creator-2.18.9-11.23.noarch.rpm

Abbildung 2: Umfangreich: Mit den richtigen Repositories gibt's auch in der Yast-Softwareverwaltung eine stattliche Auswahl an Kiwi-Software.

Abbildung 2: Umfangreich: Mit den richtigen Repositories gibt's auch in der Yast-Softwareverwaltung eine stattliche Auswahl an Kiwi-Software.

Gefixt: Image Creator

Mit der bereinigten Version lässt sich die Distribution im Image mit nur wenigen Mausklicks vielfältig anpassen. Zunächst wählt der Benutzer Repository, Ausgabeverzeichnis, Abbildtyp und Abbildname. Für Kiwi-Einsteiger bietet es sich an, das unkomplizierte Hinzufügen und Entfernen von Paketen oder ganzen Paketgruppen zunächst mit einem USB-Stick auszuprobieren.

Die Templates aus dem mit Kiwi mitgelieferten Paket »kiwi-templates« lassen sich ebenso mit dem Image Creator importieren und nachträglich anpassen. Sie liegen unter »/usr/share/kiwi/image/«. Damit im Image Creator der Import über das Optionsfeld »Basierend auf bestehender Konfiguration« einfacher funktioniert, sollte der Admin die gewünschten Verzeichnisse mit den XML-Vorlagen von »/usr/share/kiwi/image/« nach »/var/lib/YaST2/product-creator/images« kopieren.

Für das neugeschaffene Abbild kann er auf den weiteren Registerkarten des Yast-Moduls Benutzer vorgeben und eigene Skripte oder Verzeichnisse einbinden (Abbildung 3). Wer schnell und effektiv immer wieder neue Versionen von Images erzeugen will, muss die aktuellen Suse-Repositories natürlich auf dem gewünschten Image-Build-System lokal vorhalten. Die üblichen Verdächtigen unter den Suse-Repositories (also OSS und Update) lassen sich mit Rsync schnell und bandbreiteneffizient als lokaler Mirror anlegen.

Abbildung 3: Für die Benutzerverwaltung verwendet der Admin nahezu die gleichen Dialoge wie in den bekannten Yast-Modulen.

Abbildung 3: Für die Benutzerverwaltung verwendet der Admin nahezu die gleichen Dialoge wie in den bekannten Yast-Modulen.

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