Aus dem Alltag eines Sysadmin: Roundcube
Wechselbalg
Zu Charlys Family-and-Friends-IT-Programmen gehört auch ein Webmailer. Letztes Wochenende nun kickte er das allzu simpel gewordene Squirrelmail zugunsten eines Web-2.0-Programms von seinem Server.
Zu Charlys Family-and-Friends-IT-Programmen gehört auch ein Webmailer. Letztes Wochenende nun kickte er das allzu simpel gewordene Squirrelmail zugunsten eines Web-2.0-Programms von seinem Server.
Seit langen Jahren beherbergt mein kleiner Rootserver die E-Mail-Accounts meiner Familie und einiger Freunde. Wer von meinen Lieben sich mit einem Fat Client wie Thunderbird schwer tut, erledigt seine Post einfach mit einem Webmailer. Ich hatte seinerzeit Squirrelmail [1] dafür ausgewählt, nach dem zentralen Kriterium möglichst einfacher Bedienung. In diesem Punkt ist er bis heute kaum zu schlagen - die Benutzeroberfläche ist simpel, auf das notwendig Wichtige reduziert.
Im Gegenzug hatten aber meine mit der Zeit anspruchsvoller werdenden Nutzer mit einigen Komfortdefiziten zu leben. Dazu gesellten sich immer wieder sicherheitstechnische Probleme, gerade in jüngster Zeit. Glücklicherweise ist Squirrelmail nicht der einzige Webmailer auf weiter Flur. Letztes Wochenende trat Roundcube [2] die Nachfolge auf meinem Server an.
Anders als die niedrige Versionsnummer 0.2.2 vermuten lässt, präsentiert sich Roundcube als eine ausgesprochen reife und stabile Anwendung mit langjähriger Entwicklungsgeschichte. Die Installation vereinfacht ein Web-basierter Installer, der vor nicht erfüllten Abhängigkeiten warnt. Roundcube benötigt eine Datenbank, der Installer versteht sich mit MySQL, PostgreSQL und SQLite und liefert Skripte mit, um die Tabellenstrukturen aufzubauen.
In einem weiteren Konfigurationsschritt gebe ich die wichtigsten Daten für den Mailtransport an wie SMTP-Server, IMAP-Server, Default-Domain und Lokalisierung. Daraufhin generiert der Installer zwei Konfigurationsdateien, eine für die Datenbankparameter und eine für die eigentliche Konfiguration des Webmailers. Beide schiebe ich in Roundcubes Webpfad und bin startklar.
Die Benutzeroberfläche ist angenehm aufgeräumt, dezent Ajax-unterstützt und intuitiv zu bedienen (siehe Abbildung 1). Das Nachladen eingebetteter Elemente in E-Mails lässt der Default sicherheitshalber deaktiviert. Pro Benutzer sind mehrere SMTP-Identitäten konfigurierbar - nicht, dass dies auf meinem Server jemand brauchen würde, aber irgendwie gut, es zu haben.
Abbildung 1: Ajax sei Dank fühlt sich die Roundcube-Oberfläche fast so an wie ein nativer Mailclient.
Angenehm ist auch, dass Roundcube bereits während der Eingabe einer Empfängeradresse das Adressbuch wälzt, um mir und den Meinen Tipparbeit und die zugehörigen Fehler zu ersparen. Das Adressbuch lässt aber auch Potenzial für künftige Versionen erkennen: Im- und Export von Adressen funktionieren derzeit nur über das Vcard-Format, und ich darf keine Kontakte zu Gruppen zusammenfassen. Dafür ist der Umgang mit Anhängen wieder vorbildlich einfach gelöst, es gibt sogar eine Rechtschreibprüfung. Sollte doch einmal etwas haken, gibt es Supportforen und ein Dokumentations-Wiki unter [3].
Für mich bleibt nun abzuwarten, ob meine Mitnutzer ebenso angetan sind wie ich oder ob sie - spartanisch hin, unsicher her - ihren Squirrelmail wiederhaben wollen. (jk)
| Infos |
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| [1] Squirrelmail: [http://squirrelmail.org] [2] Roundcube: [http://www.roundcube.net] [3] Roundcube-Wiki: [http://trac.roundcube.net/wiki] |
| Der Autor |
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| Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.
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Umfang: 1 Heftseiten
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