Open Source im professionellen Einsatz

Canto

Canto [4] ist ein weiterer Feedreader für Konsolenfans. RSS- und Atom-Feeds, eingeschränkter Support für Podcasts sowie die bekannten Im- und Exportfunktionen dank OPML stehen auch bei diesem in Python geschriebenen Aggregator auf der Featureliste. Der wohl größte Unterschied zu Liferea, Akregator und Newsbeuter ist die Darstellung der Schlagzeilen, Kurzinfos und Artikel untereinander in nur einer einzigen Spalte (siehe Abbildung 5). Laut FAQ auf der Webseite entspricht dieses Layout den Vorlieben des Entwicklers Jack Miller, der nicht verstehen kann, wie Anwender dreigeteilte Programmfenster ertragen können.

Abbildung 5: Auf den ersten Blick wirkt Canto etwas ungewöhnlich, nach kurzer Eingewöhnungszeit findet sich der Anwender im einspaltigen Feedreader jedoch gut zurecht.

Abbildung 5: Auf den ersten Blick wirkt Canto etwas ungewöhnlich, nach kurzer Eingewöhnungszeit findet sich der Anwender im einspaltigen Feedreader jedoch gut zurecht.

Canto präsentiert nach dem Start vier vorkonfigurierte Feeds. Neben Slashdot, Reddit und Kerneltrap ist auch der Canto-Newsfeed in der Voreinstellung abonniert. Diese Abonnements und die Zeilenbreite sind in der Beispielkonfiguration (»~/.canto/conf.example«) definiert. Die Datei dient dem Anwender als Vorlage für eine eigene Einrichtungsdatei (»~/.canto/conf«). Alternativ importiert er eine vorhandene Feedliste im OPML-Format über »-i datei.opml«, Canto erstellt die Konfigurationsdatei mit der Feedliste selbstständig. Über den Befehl »canto -o« exportiert der Benutzer die Feeds der Canto-Konfiguration ins OPML-Format.

Durch Zugangsdaten geschützte Abos erfordern einen zusätzlichen Eintrag in der Konfigurationsdatei, etwa »add("http://Hostname.de/feed.xml", username="geheim", password="geheim"«). Im Test funktionierte dies aber nur mit der neueren Programmversion 0.6.13. Ein Canto 0.5.7 auf einer anderen Maschine weigerte sich, die Authentisierung anzuerkennen, und brach mit dem HTTP-Fehlercode 401 ab. Besonders sicherheitsbewusst zeigt sich auch dieser Aggregator nicht und schützt die im Klartext abgelegten Daten nicht vor neugierigen Augen. Der Anwender muss sich auch hier um die Zugriffsrechte selbst kümmern.

Eine Statuszeile mit häufig verwendeten Kommandos fehlt – Canto konzentriert sich ganz auf das Wesentliche: die Anzeige der Schlagzeilen und Artikel. Betätigt der Anwender die Taste [H], öffnet sich die Manpage des Programms, die auch die wichtigsten Tastaturbefehle erklärt. Mit den Pfeiltasten geht es hoch und runter, die Leertaste öffnet einen Eintrag und führt auch wieder zur übergeordneten Ebene zurück. Ein Druck auf [G] öffnet einen Artikel im Browser. Enthält die Kurzübersicht mehr als eine Verknüpfung, fragt der Reader nach, welchen Link er öffnen soll.

Das Handbuch auf der Projekt-Homepage ist einen Besuch wert. Doch gilt es aufzupassen, um auch die richtige Anleitung passend zur Programmversion zu erwischen, da sich im Laufe der Canto-Entwicklungsgeschichte doch einiges geändert hat. Praktischerweise enthalten sowohl die Online-Dokumentation als auch die Manpage viele Konfigurationsbeispiele. Hier findet der Anwender Vorlagen, um Feeds zu taggen, einen GUI- oder Textbrowser abhängig vom Terminaltyp zu starten, das Look & Feel des Readers anzupassen und vieles mehr.

Fazit

Für das Lesen von Newsfeeds im RSS-und Atom-Format ist nicht zwingend ein Aggregator nötig. Wer nur ab und zu in solchen Newsquellen stöbern möchte, verwaltet diese bequem im Webbrowser, auch viele Mailclients bieten mittlerweile Ticker-Features. Wer hier aber an Grenzen stößt oder die Vermischung der Nachrichtenquellen als nicht komfortabel empfindet, sollte zu einem Standalone-Reader greifen.

Die grafischen Feedreader Liferea und Akregator passen sich mehr oder weniger gut in die Desktopumgebungen ein und trumpfen mit einem internen Betrachter auf. Für welchen Aggregator der Anwender sich entscheidet, ist letztlich Geschmackssache. Liferea wirkt insgesamt schlanker und intuitiver und überzeugt durch seine Suchordner. Dennoch wäre eine bessere Integration in die Gnome-Umgebung und die damit verbundene Speicherung der Zugangsdaten für passwortgeschützte Feeds im Gnome Keyring Manager wünschenswert.

Hier hat Akregator eindeutig die Nase vorn, da die KDE-Anwendung nicht nur mit anderen Kontact-Komponenten, sondern auch mit der KDE-Brieftasche zusammenarbeitet. Als Einziger der hier vorgestellten Feedreader schützt Akregator zufriedenstellend. Etwas enttäuschend ist jedoch die eingebaute Suchfunktion. Dass diese im Menü »Einstellungen« unter »Schnellfilter« an- und abgeschaltet wird, ist nicht weiter verwunderlich – mehr als ein schneller Filter, der nicht einmal Groß- und Kleinschreibung unterscheidet, liegt hier wirklich nicht vor. Auch die zusätzlichen Filtermöglichkeiten sind längst nicht so komfortabel zu bedienen wie die Suchordner von Liferea.

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