Akregator
Der KDE-Feedreader Akregator [2] tickert wahlweise als eigenständige Anwendung oder als Komponente der PIM-Suite Kontact (Bereich »Nachrichten«). Als Mitglied dieser Programmsammlung erlaubt es Akregator, Schlagzeilen per Drag & Drop auf andere Kontact-Komponenten (Kalender, Aufgaben und Haftnotizen) zu ziehen. Ebenso wie Liferea unterstützt der KDE-Feedreader alle RSS-Versionen und Atom, importiert und exportiert im OPML-Format und zeigt die Artikel im internen oder externen Browser an. Für die Darstellung im Programmfenster selbst setzt Akregator auf Tabs, bietet aber anders als Liferea ein praktisches zusätzliches Feature: Per Rechtsklick auf die Reiter lassen sich diese verselbständigen und im externen Webbrowser öffnen.
Abbildung 2: Die Zusammenarbeit von Akregator mit anderen KDE-Programmen ist vorbildlich: Der Reader integriert sich nicht nur in die KDE-PIM-Suite Kontact, sondern kooperiert auch mit Kwallet.
Auch dieser Reader präsentiert nach dem Start eine Vorauswahl von Feeds, welche die KDE-Entwickler für ihre Benutzer ausgesucht haben. Diese tauchen links im Bereich »KDE« auf. Außer der Anzahl der ungelesenen Beiträge zeigt Akregator auch die Gesamtzahl der News für die jeweiligen Feeds an. Im rechten Bereich stehen die Schlagzeilen und Kurzübersichten. Alternativ bietet das Menü »Ansicht« einen breiten oder einen kombinierten Anzeigemodus.
In der Voreinstellung öffnet Akregator die Artikel bei einem Linksklick im eigenen internen Browser und ordnet die Nachrichten auf Tabs an. Die mittlere Maustaste startet hingegen einen externen Browser. Welcher das ist und die Maustastenbelegung selbst, stellt der Benutzer im Einrichtungsdialog ein. Neue Feeds landen über das Menü »Nachrichtenquelle« im Reader, alternativ über einen Rechtsklick auf ein Ordnersymbol in der linken Leiste. Akregator bietet ebenso Funktionen zum Löschen und Bearbeiten der Feeds. Wie bei Liferea auch, kann der Benutzer für jede Quelle das Aktualisierungsintervall, die Archivierung und anderes Verhalten beeinflussen. Im Einrichtungsdialog hingegen richtet der Benutzer diese Dinge allgemeingültig für alle Feeds ein.
Angenehm ist, dass Anwender – wie von KDE-Applikationen gewohnt – das Look & Feel detailgenau an eigene Bedürfnisse anpassen können. Dazu gehören neben der Schriftart auch die Schriftgröße und farbliche Gestaltung im Programmfenster. Auch das Verhalten beim Schließen des Programmfensters (Standard ist ein Icon in der Kontrollleiste) und die Benachrichtigungsfunktion beeinflusst der Benutzer im Konfigurationsdialog.
Über das Feld »Suche« auf dem Reiter »Artikel« durchforstet der Anwender die Nachrichten nach Stichwörtern. Um nach mehreren Ausdrücken zu fahnden, gibt der Benutzer diese durch Leerzeichen voneinander getrennt ein. Das Drop-down-Menü neben dem Suchfeld bietet weitere Filtermöglichkeiten an.
Der Umgang mit passwortgeschützten Feeds ist etwas besser geregelt als bei Liferea. Akregator speichert nur auf expliziten Wunsch hin die Zugangsdaten. Wenn der Anwender sich dafür entscheidet, startet (sofern sie nicht generell abgeschaltet ist) die KDE-Brieftasche (siehe Abbildung 2) und legt die Zugangsdaten verschlüsselt auf der Platte ab. Aber auch wenn Kwallet deaktiviert ist, landen die Benutzernamen und Kennwörter nicht unverschlüsselt auf der Platte.
Newsbeuter
Dieser praktische Feedreader für die Konsole [3] tickert nicht nur unter Linux, sondern läuft auch auf anderen Unix-Systemen wie etwa FreeBSD oder Mac OS X. Genau wie die grafischen Vertreter unterstützt der Aggregator fürs Terminal sämtliche RSS-Versionen und Atom-Feeds, verwaltet Podcasts und importiert und exportiert Feedlisten mit Hilfe des OPML-Formats.
Abbildung 3: Der Konsolen-Feedreader Newsbeuter erinnert an den vielseitigen Mailclient Mutt. Farben, Sortierreihenfolge, Hervorhebungen und vieles mehr passt der Anwender in der Einrichtungsdatei an.
Als Einziger der vorgestellten Reader bietet Newsbeuter keine vorkonfigurierte Feedliste an, daher führt der einfache Aufruf von »newsbeuter« zunächst nur zu einer Fehlermeldung. Der "Nachrichtenjäger" erwartet die Feedliste standardmäßig in der Datei »~/.newsbeuter/urls«. Der Anwender legt diese entweder von Hand an (jeder Feed steht in einer eigenen Zeile) oder importiert eine bestehende Liste im OPML-Format mit der Aufrufoption »-i«. Feeds, die durch Benutzername und Passwort geschützt sind, enthalten die Zugangsdaten in der URL selbst, etwa »http://Username:Passwort@Hostname.de/feed.rss«. Da »~/.newsbeuter/urls« in der Voreinstellung systemweit lesbar ist, muss der Benutzer selbst für entsprechende Zugriffsrechte und damit rudimentären Schutz sorgen.
Auf den ersten Blick erinnert Newsbeuter an den Mailclient Mutt: Der Index zeigt eine Übersicht aller abonnierten Feeds und der Pager den Inhalt einer Kategorie an. Zusätzlich schmücken Statuszeilen den oberen und unteren Rand (siehe Abbildung 3). Die Bedienung des Terminal-Newsreaders dürfte Mutt-Fans vertraut erscheinen, aber auch anderen Anwendern schnell in Fleisch und Blut übergehen. Die meisten Tastaturkommandos sind intuitiv und leicht zu merken. So aktualisiert [Umschalt]+[R] alle Feeds, [R] den Feed unter dem Cursor, [Enter] wechselt zur Artikelliste des Feed, noch mal [Enter] zeigt die Kurzübersicht der News und [O] öffnet den Artikel im voreingestellten Browser. Mit [Q] geht es jeweils eine Ebene zurück bis zum Programmende.
Abbildung 4: Newsbeuter nimmt Podcasts in die Download-Queue auf, sein Kollege Podbeuter kümmert sich anschließend um den Download. Auch dieses Tool zeigt oft benutzte Befehle in der Statuszeile an.
Häufig verwendete und für die aktuelle Ansicht sinnvolle Kommandos zeigt der Konsolenticker auch in der Statuszeile am unteren Fensterrand an. So verrät die Zeile in der Kurzübersicht beispielsweise, dass ein Druck auf [O] den Artikel im Browser öffnet. Sämtliche Shortcuts listet Newsbeuter über [?]; alternativ lohnt sich ein Blick in das sehr ausführliche und gut geschrieben Handbuch auf der Projektseite.
Das Hinzufügen, Löschen und Bearbeiten von Nachrichtenfeeds findet über die erwähnte Feedliste (»~/.newsbeuter/urls«) statt. Es ist allerdings nicht nötig, den Aggregator zu beenden, die Datei im Texteditor anzupassen und den Reader neu zu starten. Stattdessen betätigt der Benutzer in der Übersichtsanzeige [Umschalt]+[E], um den Feed unter dem Cursor zu bearbeiten. Welcher Texteditor startet, legt der Anwender beispielsweise über die Variable »$EDITOR« fest. Die Änderungen sind anschließend sofort aktiv und Newsbeuter abonniert den neuen oder veränderten Feed.
Über [/] und Eingabe eines Suchbegriffs fahndet Newsbeuter nach Wörtern oder Phrasen. Welche Bereiche der Reader durchsucht, hängt von der Ebene ab, auf der sich der Benutzer gerade befindet. In der Übersichtsanzeige durchforstet das Kommando alle Artikel in allen Feeds, in der Artikelliste nur die Nachrichten aus diesem Bereich. Die Treffer hebt Newsbeuter hervor.
Wirklich praktisch ist in diesem Zusammenhang die History-Funktion, die neuere Programmversionen bieten. Newsbeuter speichert die letzten Fahndungsaufrufe in der Datei »~/.newsbeuter/history.search«; die Anzahl bestimmt der Benutzer in der Einrichtungsdatei des Readers selbst (Standard sind 100 Einträge). Auch kompliziertere Filteroperationen sowie das Setzen von Tags und Flags sind möglich. Eine Anleitung und Beispiele bietet das Newsbeuter-Handbuch.
Wie erwähnt importiert Newsbeuter optional Feedlisten im OPML-Format. Der Austausch funktioniert aber nicht nur in eine Richtung. Über die Aufrufoption »-e« exportiert der Terminalreader seine eigene Liste der Abonnements und schreibt den OPML-Code auf die Standardausgabe. Alternativ exportiert der Anwender eine Liste gelesener Artikel mit dem Parameter »-E«, also etwa »newsbeuter -E feeds_read.opml«. Eine Kurzübersicht aller Aufrufoptionen zeigt Newsbeuter über »-h« oder in der Manpage.
Der Feedreader unterstützt genau wie die grafischen Artgenossen den Download und die Wiedergabe von Podcasts. Ein Umweg über den Browser ist dazu nicht nötig. Der Konsolenticker bietet eine elegante Möglichkeit, auch für Multimediales auf der Shell zu bleiben. Dazu schiebt der Anwender den Podcast mit Druck auf [E] in die Warteschlange (»~/.newsbeuter/queue«) und startet den Download dann mit Podbeuter. Dieses Tool ist Bestandteil des Newsbeuter-Pakets und arbeitet in diesem Fall als Download-Manager (siehe Abbildung 4). Da sich Newsbeuter und Podbeuter dieselbe Einrichtungsdatei teilen, kann der Anwender in »~/.newsbeuter/config« auch direkt ein Abspielprogramm definieren. Der Eintrag »player "mp3blaster"« beispielsweise sorgt dafür, dass MP3blaster aus Podbeuter heraus (Taste [P]) die Wiedergabe startet.
Newsbeuter und Mutt weisen eine weitere Gemeinsamkeit auf: die zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten. Die mitgelieferte Beispieldatei (auf Debianbasierten Systemen unter »/usr/share/doc/newsbeuter/examples«) und die ausführlichen Erklärungen im Newsbeuter-Handbuch dienen als Vorlage.
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