Moros, seines Zeichens Gott des Verhängnisses und des Untergangs, stammt aus einer stattlichen Familie. Zu seinen Geschwister zählen Thanatos, der Tod selbst, Ker, die Göttin des Verderbens und des Todes, Charon, der Fährmann zur Unterwelt, die Göttin der Zwietracht und des Streits Eris und die Rachegöttin Nemesis. Vor der Mutter dieser illustren Sippe, der Göttin der Nacht Nyx, soll sogar Zeus selbst Angst gehabt haben. Allerdings hat diese antike Addams Family bei der Moros-Taufe nicht Pate gestanden, die griechische Mythologie sorgte erst nach der Namensgebung für eine gewisse Heiterkeit beim Hersteller Insys [1] aus Regensburg.
Modem-Router-Switch
Tatsächlich steht der Name des auf freier Software laufenden, nur 7 mal 10 mal 7 Zentimeter kleinen Geräts (Abbildung 1) für die Kombination Modem-Router-Switch, kurz Moros. Der Hardwarehersteller Insys hat sich schon seit Jahren auf Modems spezialisiert und seine Platinen in zahlreichen Marken- und No-Name-Modems verbaut. Als die Entwickler schließlich Linux, einen ARM9-basierten Router, einen Ethernet-Switch, ein Modem und diverse Schnittstellen wie ISDN, GPRS und serielle kombinierten, entstand der Name.
Abbildung 1: Mini-Router für den Industrie-Einsatz: Auf nur sieben mal sieben Zentimetern sind neun Anschlüsse untergebracht. Fünf LAN-Ports des Switch, zwei SIM-Karten samt Antenne und die obligatorische serielle Schnittstelle.
Die Platinen entwirft und baut der Hersteller selbst, typischer Käufer der kleinen Geräte ist aber nicht der Endkunde, sondern die Industrie. Schon der Stromanschluss und die Halterungen auf der Rückseite deuten auf den Einbauort: die DIN-Hutschiene im Schaltschrank der Industrieanlage. Auch der Preis von bis zu 1000 Euro lässt ahnen, dass es nicht um ein Schnäppchen für zu Hause geht.
Für den Extremeinsatz
Für das Geld gibt es Hardware ohne mechanische Bauteile und Lüftungsschlitze, für deren Funktionstüchtigkeit auch unter extremen Bedingungen der Hersteller garantiert, zum Beispiel bei Temperaturen von -20 bis +55 Grad, im Freien oder unter extremer Strahlenbelastung. Lebenslange Austauschgarantie inklusive Vorortservice gehört in dieser Preisklasse selbstverständlich dazu.
In der Fabrikhalle stöpselt der Techniker die lokalen Maschinen meist am seriellen Anschluss von Moros im Schaltschrank an. Modernere, IP-fähige Geräte klinkt er in die LAN-Ports des Switch ein. Dann greift er übers Internet von seinem Rechner in der Zentrale aus auf serielle Interfaces, Video-Überwachung über Webcams, Datenlogger oder andere Schnittstellen der Anlagen in der Produktion zu.
Je nach Ausstattung dienen als Uplink zum Internet ein Modem, ISDN oder wie beim Topmodell Moros mobile ein oder zwei GSM-Karten. Über die obligatorische Weboberfläche konfiguriert der Benutzer sowohl LAN als auch Internetzugang. Auch WLAN wäre möglich, kommt aber in der Realität in Produktionsstätten nicht vor. Dort fällt den Entscheidern der Sprung von der vertrauten alltäglichen Technologie Modem (Telefon) direkt zu UMTS (Handy) leichter als der komplexe und planungsintensive Aufbau von WLAN-Strukturen.
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