Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2009

Bücher über Git und Ubuntu Server

Tux liest

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Ein neues Git-Buch wendet sich an Entwickler mit gehobenen Ansprüchen und offenbart Interna der Versionierungssoftware. Wer leichtere Lektüre benötigt, lässt sich von Bestseller-Autor Michael Kofler Grundwissen zu Ubuntu Server vermitteln.

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Trotz steigenden Bedarfs mangelt es noch immer an Büchern, die Programmierern das Versionskontrollsystems Git nahebringen. Das hier schon besprochene Werk aus der "Pragmatic"-Reihe (siehe Linux-Magazin 04/2009, S. 95) erntete in der Fachwelt zum Teil harsche Kritik, weil es zwar eine leicht lesbare Anleitung bietet, viele technische und einige praktische Details aber ausspart.

Git-Innereien

Der O\'Reilly-Verlag hat nun den englischsprachigen Band "Version Control with Git" aufgelegt und damit neue Maßstäbe gesetzt: Der Autor Jon Loeliger erklärt nicht nur typische Interaktionen mit dem Versionswerkzeug in der teamorientierten Software-Entwicklung, sondern dringt bis ins Innerste des Tools vor, um Sachverhalte zu erläutern, die sich nur durch einen Blick unter die Motorhaube verstehen lassen. Nur wer Gits interne Datenstrukturen und Aktionen kennt, versteht, warum es blitzschnell neue Branches erzeugt, komplizierte Merges mit erstaunlich wenig Komplikationen erledigt oder in einigen Situationen völlig überraschend reagiert.

Das führt freilich zu einem nicht ganz einfach zu lesenden Buch. Viele Vorgänge sind komplex und die teils schludrigen Illustrationen versteht der Leser oft erst nach mehrmaligem Betrachten. Es handelt sich definitiv um keine Ausgabe für Manager oder Entwickler, die ihre ersten Schritte mit Git wagen.

Das O\'Reilly-Buch ist vielmehr ein nicht ganz vollständiges Referenzwerk, das ganz zu lesen ist, denn stellenweise definiert es Begriffe wie etwa Refspec oder Tracking Branch erst nach ihrem ersten Gebrauch. Dafür bietet es eine bislang nicht da gewesene Tiefe: komplizierte Merge-Szenarien, Tipps für Teams mit verteilten Repositories, typische Fallstricke beim scheinbar mühelosen Ändern bereits erfolgter Commits. All das macht das Buch zum kaum entbehrlichen Ratgeber für Git, dessen Entwicklung immer noch rasant fortschreitet.

Mit knapp 300 Seiten ist es nicht gerade ein Wälzer, aber ausgesprochen dicht geschrieben und gespickt mit Informationen, die so kondensiert noch niemand zusammengetragen hat. Das nächste Git-Buch plant der Apress-Verlag für Ende August: Scott Chacon, bekannt von der Plattform Github, schreibt an "Pro Git".

Der Server-Kofler

Michael Kofler darf man getrost als den bekanntesten deutschsprachigen Linux-Autor bezeichnen. Zu seinem distributionsübergreifenden Linux-Standardwerk und den Ubuntu-Büchern für Desktop-Anwender gesellt sich nun "Ubuntu Server", das sich primär auf die Version 8.04 LTS bezieht.

Noch bevor er Installation und Administration beschreibt, schickt Kofler rund 20 Seiten über Festplattenpartitionen, Raid und LVM voraus. Hier hält er den Leser zur Bedarfsplanung an, erläutert Vor- und Nachteile einzelner Optionen und gibt Einsteigern brauchbare Empfehlungen. Diese Vorwarnung ist absolut berechtigt, denn in der Regel muss der Admin lange Zeit mit einer einmal eingerichteten Festplattenkonfiguration leben. Eine Kurzanleitung erklärt die Ubuntu-Installation, bevor sich das Buch den Grundkenntnissen zu Netzwerk-Konfiguration, Init-System, Paketverwaltung und Logging widmet.

Die Kernkapitel beschreiben den Einsatz von Ubuntu Server im lokalen Netzwerk mit Diensten wie NFS, Samba, Cups und LDAP (rund 150 Seiten) und als Rootserver beim Hoster mit Webserver, MySQL sowie Postfix und Dovecot (rund 100 Seiten). Für den Samba-Server im LAN findet der Autor ein besonders griffiges Szenario: Ein Firmenserver mit unterschiedlichen Berechtigungen für Management, Buchhaltung und Fachabteilungen.

Zum Abschluss liefert das Buch noch einen kurzen Security-Teil mit Firewall- und VPN-Grundlagen. Das Thema Backup allerdings kommt mit 13 Seiten für ein Server-Handbuch eindeutig zu kurz. Ansonsten lässt dieser Band kaum ein relevantes Thema aus. Der angehende Server-Admin kann so gut wie alles nachschlagen, was an einem Linux-Server zu konfigurieren ist. Das Buch hat das Zeug zum "kleinen Kofler".

Info


Jon Loeliger: Version Control with Git, O\'Reilly, 2009

330 Seiten

ISBN 978-0-596-52012-0

32 Euro

Info


Michael Kofler: Ubuntu Server, Addison-Wesley, 2009

510 Seiten

ISBN 978-3-8273-2774-1

40 Euro

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