Open Source im professionellen Einsatz

Couch für zwei

Zusammenarbeit gab es auch beim Personal Information Management (PIM), also bei Kontakten, Terminen, Aufgaben und Notizen. Gnomes Groupware Evolution und KDEs Datendienst Akonadi [4] tauschten Daten über einen gemeinsamen Speicher aus. Das machte Couch DB [5] möglich. Nach dem Einsatz in Canonicals Cloud-Betriebssystem Ubuntu One soll diese Datenbank auch auf Desktop-Rechnern Einzug halten, um Anwendungsdaten und Einstellungen zu speichern.

Der Red-Hat-Entwickler Lennart Poettering, Programmierer des freien Sound-Servers Pulseaudio, suchte in seinem Vortrag ebenfalls nach Aufgabenstellungen, die die Projekte Gnome und KDE gemeinsam bearbeiten könnten. Dazu zählt er die Lokalisierung für Audio-Benachrichtigungen, etwa verschiedene Sprachvarianten für die Nachricht "You have mail".

Dies lässt sich laut Poettering mit der Libcanberra [6] erreichen, einer Bibliothek, die nicht an das GTK-Toolkit gebunden ist und sich daher für den Cross-Desktop-Einsatz eignet. Sie arbeitet mit Alsa, OSS, Pulseaudio sowie Gstreamer zusammen. In seinem Vortrag zeigte er an Codebeispielen, wie sich die Open-Source-Bibliothek nutzen lässt.

Die Spezifikationen für gemeinsam genutzte Technologien pflegen KDE, Gnome, X.org und weitere verwandte Projekte auf der Website Freedesktop.org. Der KDE-Mann Aaron Seigo hat vor Kurzem den ungepflegten Zustand der Seite bemängelt. Obwohl Seigo nicht zum Desktop Summit anreisen konnte, war die Wiederbelebung der Freedesktop-Seite ein Thema der Veranstaltung. Seit einiger Zeit sei beispielsweise eine Desktop-übergreifende Spezifikation für Benachrichtigungen in Arbeit, berichtete der KDE-PR-Mann Sebastian Kügler. Derzeit sei das Procedere auf Freedesktop.org aber unklar, man müsse hier endlich Nägel mit Köpfen machen. Cornelius Schumacher, auf dem Summit frisch zum KDE-Vorsitzenden gekürt, hat einen Vorschlag für das Verfahren veröffentlicht [7].

Gemeinsame Zukunft?

Der KDE e.V. und die Gnome Foundation nutzten die Tagung zudem, um ihre jeweiligen Jahresversammlungen abzuhalten. Die Projekt-eigenen Tracks behielten während des Gran Canaria Desktop Summit ihre angestammten Namen Akademy und Guadec.

Ob es im Jahr 2010 wieder einen gemeinsamen Entwicklerkongress geben wird, ist derzeit noch offen. Das Gnome-Projekt führt zu diesem Thema eine Online-Umfrage [8] unter den Summit-Teilnehmern durch. Die Gnome-Geschäftsführerin Stormy Peters verriet in ihrem Blog bereits, dass viele Entwickler die gemeinsame Arbeit als sehr erfolgreich empfanden.

Daneben schätzten die Open-Source-Entwickler offenbar auch die landschaftlichen Vorzüge des Veranstaltungsorts: Am Strand Las Canteras waren immer wieder Grüppchen von Desktop-Leuten auszumachen, erkennbar an den vom Sponsor Qt Software verschenkten großen hellgrünen Badetüchern.

Infos

[1] Gran Canaria Desktop Summit: [http://www.grancanariadesktopsummit.org]

[2] Gnome Shell [http://live.gnome.org/GnomeShell]

[3] Gnome Zeitgeist [http://live.gnome.org/GnomeZeitgeist]

[4] Akonadi: [http://pim.kde.org/akonadi/]

[5] Couch DB: [http://www.kryogenix.org/days/category/software/couchdb]

[6] Libcanberra: [http://0pointer.de/lennart/projects/libcanberra/]

[7] Spezifikationsprozedur für Freedektop: [http://lists.freedesktop.org/archives/xdg/2009-July/010757.html]

[8] Gnome-Umfrage: [http://www.gnome.org/~behdad/survey/index.php?sid=94926&lang=en]

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