Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2009
© stephan kerkhofs, Fotolia.com

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Mit Glassfish und Netbeans für Java EE 6 entwickeln

Auf zu neuen Ufern

Die finale Release der Java Enterprise Edition 6 nähert sich mit schnellen Zügen. Mit einer Preview auf Glassfish 3 stellt Sun eine kostenlose Referenzimplementierung für den kommenden Standard bereit, mit der sich eine Java-EE-6-Entwicklungsumgebung unter Linux einrichten lässt.

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Die Entwicklergemeinde von Java legt Wert auf gemeinsame Standards. Die Enterprise Edition 6 (EE 6) befindet sich zurzeit noch im Java Community Process und wartet auf ihre Verabschiedung. Dennoch gab Sun zur diesjährigen Java One bereits mit der Preview auf Glassfish 3 einen Vorgeschmack auf die neue Plattform. Mit dieser Version erhalten Entwickler Suns Variante eines Java-Applikationsservers, um die Neuerungen auszuprobieren. Als Anbieter der Entwicklungsumgebung Netbeans verbindet Sun sie mit dem Applikationsserver Glassfish, der als Laufzeit-Umgebung für die meist Web-basierten Java-Anwendungen dient. Ein Beispiel zeigt Installation und Zusammenspiel der Komponenten.

Glassfish-Installation

Der Java-Entwickler benötigt zunächst das kostenlos unter CDDL und GPLv2 lizenzierte Glassfish-Installationspaket aus dem Sun Developer Network [1]. Er hat die Wahl zwischen der Java EE 6 SDK Preview und der Java EE 6 SDK Web Profile Preview Edition zu jeweils etwa 40 MByte im Download. Die Web Profile Edition nutzt das neue Profiles-Feature der Java-EE-6-Plattform, das es erlaubt, zusätzliche Komponenten zu einem späteren Zeitpunkt in den Applikationsserver nachzuladen.

Dazu setzt Glassfish auf das Apache-Projekt Felix, eine freie Implementierung der so genannten OSGi-Spezifikation [2]. Sie beschreibt dabei eine Softwareplattform, die die Implementierung einer Modul- und Komponenten-basierten Applikation erleichtert.

Da der Glassfish-Server nach der Installation alle Funktionsbereiche der Java-EE-6-Plattform unterstützen soll, fällt die Entscheidung beim Download auf das vollständige Paket Java EE 6 SDK Preview. Sun liefert das Archiv als ausführbare Datei aus. Es setzt das JDK in der Version 1.6.0_14 oder höher voraus. Das überprüft der Entwickler mit Hilfe von »java -version«. Anschließend macht er das Archiv ausführbar und startet es aus einem beliebigen Verzeichnis heraus. Ein grafischer Wizard leitet durch die Schritte der Installation.

Nach der Begrüßung und der erforderlichen Bestätigung der Lizenz gelangt der Anwender zur Auswahl des Installationsverzeichnisses. Java EE schlägt hier ein Verzeichnis im Home Directory des Anwenders vor. Im Dialog »Administration Settings« fragt der Wizard nach je einem Port für Anwendungen und Administration sowie optional nach einem Passwort für die administrative Konsole (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Während der Installation erhält der Anwender die Gelegenheit, die Porteinstellungen zu beeinflussen.

Findet der Wizard im nächsten Dialog nicht selbstständig ein passendes JDK, so gibt der Anwender manuell den Pfad an. Wichtig ist, dass es mindestens die Version 1.6.0_14 hat. Unter Ubuntu liegt es beispielsweise unter »/usr/lib/jvm/java-6-sun-1.6.0.14/«.

Server-Administration

Um den Server anschließend zu starten, wechselt der Administrator ins Unterverzeichnis »bin/« der Installation und ruft dort »./asadmin start-domain Domain« auf. Eine Domain meint hier eine logische Anwendungsumgebung. Lässt der Admin den Namen der Domain weg, startet Glassfish »domain1«, die das Framework bei der Installation bereits angelegt hat. Alle aktiven Domains zeigt das Unterkommando »list-domains« an, »stop-domain« beendet die Domain (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Starten und Stoppen des Servers lässt sich auf der Konsole schnell und einfach erledigen.

Die Administrationskonsole erreicht der Admin mit einem Webbrowser auf dem konfigurierten Port, 4848 ist die Voreinstellung (siehe Abbildung 3). Sie liefert ihm direkten Zugriff auf die wichtigsten Programmbestandteile und Abläufe. So befinden sich an dieser Stelle Links zur Online-Dokumententation und zum Update Center. Im Menüpunkt »Deployment« ruft er eine Liste der momentan installierten Webanwendungen ab und fügt eigene hinzu, wenn er entsprechende War-Pakete besitzt.

Abbildung 3: Wichtige Aufgaben wie das Deployment darf der Admin über ein Webfrontend erledigen.

Java-EE-Applikationen greifen im Backend häufig auf eine Datenbankinstanz zurück. Der Glassfish-Server liefert bereits eine Datenbank mit, den Java DB Server. Er startet sie jedoch nicht automatisch mit der Glassfish-Domain, sondern verlangt, dass der Anwender dies per »./asadmin start-database --dbhome Verzeichnis« selbst erledigt. Mindestens eine Domain muss dazu laufen.

Eine der häufigsten Aufgaben bei der Administration eines Java-Application-Servers ist das Einrichten von Applikationen, Deployment genannt. Anwendungen für die Plattform fassen Entwickler in Form eines Archivs mit der Endung »war« zusammen. Der Java-Betreuer kann aus drei Möglichkeiten, solche Pakete in den Server einzuspielen, wählen: per Kommandozeile, über das Webfrontend oder durch Kopieren in ein spezielles Verzeichnis. Ausprobieren lässt sich das mit einer herunterladbaren Beispielapplikation »Hello.war« [3].

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