Ausblick
Jedes der vorgestellten Programme hat mehr oder minder große Schwächen in puncto Benutzerfreundlichkeit, was bereits die uneinheitliche Terminologie in den Konfigurationsdialogen der SIP-Konten vermuten lässt. Ekiga könnte sich im Einrichtungsassistenten etwas kürzer fassen, Kphone leidet unter der Beschränkung auf ein Konto pro Programmaufruf und bei Linphone könnten die Einstellungsmöglichkeiten übersichtlicher gruppiert sein. SFLphone gibt dem Anwender Rätsel auf, ob oder gegebenenfalls wie das Tastenfeld im Hauptfenster zum Wählen von SIP-Adressen funktioniert, und Twinkle dürfte viele Benutzer mit den umfangreichen Einstellungsdialogen überwältigen.
Zumindest für Gespräche aus und in NAT-Netze ist von den getesteten Clients derzeit nur Twinkle empfehlenswert. Als einziges Programm im Test beherrschte es alle Verbindungsvarianten und überzeugte - abgesehen vom lästigen Echo auf der Twinkle-Seite - durch eine saubere Audio-Übertragung.
Sofern sie ihre NAT-Probleme in den Griff bekommen oder in einer anderen Netzwerkumgebung zum Einsatz kommen, lohnen auch die anderen Programme einen Blick, allen voran Ekiga, da dieser Client auch Videos überträgt. Linphone und SFLphone haben wahrscheinlich ebenfalls das Potenzial, sich zu guten SIP-Clients zu mausern.
Abseits von SIP und Skype entwickelt sich inzwischen eine weitere Infrastruktur für die Kommunikation über das Internet: die auf dem Jabber-Protokoll XMPP [12] basierende Erweiterung Jingle [13], die auch Google Talk verwendet. Das offene Protokoll hat unter anderem den entscheidenden Vorteil, dass es relativ problemarm über NAT-Grenzen hinweg funktioniert.
Der "LinuxUser" testete vor Kurzem den Jingle-Support des Linux-Clients Empathy [14] und stellte fest, dass zwar verschiedene Empathy-Instanzen miteinander kommunizieren können, der programmübergreifende Austausch (etwa mit Google Talk) bislang allerdings nur eingeschränkt funktioniert.
Auch wenn die Technologie gegenwärtig noch nicht ganz ausgereift scheint, dürfte sich das Jabber-Protokoll mit Jingle in Zukunft zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für SIP, Skype & Co. entwickeln - vor allem für jene Anwender, die die aufwändige Einrichtung und komplizierte Bedienung der Linux-Clients scheuen und Wert auf Open-Source-Lösungen legen. (hej)
| Der Autor |
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| Stefan Schwarzer verwendet Linux seit über zehn Jahren auf Server und Desktop. Als selbstständiger Software-Entwickler und Berater ist er unter [sschwarzer@sschwarzer.com] zu erreichen. |
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