Open Source im professionellen Einsatz

Mistelix

Hausgemachte Video-DVDs sind nach wie vor das Medium, mit dem wahre Geeks nicht nur ihre Urlaubsfotos, sondern zugleich auch ihre technische Finesse vorführen. Eine Wanderung durch exotische Länder auf der Couch vor dem Fernseher erntet anerkennendes Staunen und ist viel gemütlicher, als ein dicht gedrängtes Publikum vor einem zu kleinen Laptop-Bildschirm zu versammeln.

Das Gnome-Programm Mistelix [3] erstellt Slideshows aus einer Bildersammlung und produziert auf Knopfdruck Video-DVDs (Abbildung 3). Alternativ greift Mistelix auf den freien Codec Ogg Theora zurück; gängige DVD-Player spielen diese Videos jedoch nicht ab. Zu einer echten DVD gehören natürlich auch ein Menü und optional Begleitmusik; beides fügt der Benutzer über die Mistelix-Oberfläche per Mausklick hinzu. Wer während der Vorführung nicht so viel sprechen möchte, unterlegt die gezeigten Bilder mit Titeln, die dann eingeblendet werden, wenn das fertige Video schließlich abläuft.

Abbildung 3: Mistelix bringt Fotosammlungen in Form und erstellt Video-DVDs aus den Schnappschüssen.

Abbildung 3: Mistelix bringt Fotosammlungen in Form und erstellt Video-DVDs aus den Schnappschüssen.

Mistelix erzeugt aber nicht nur aus Standbildern DVDs, sondern bindet auch bereits vorliegende Videos mit ein. Auch diese kombiniert der Anwender nach Gutdünken und wählt sie anschließend über das selbst gestaltete DVD-Menü direkt an. Die derzeit aktuelle Version 0.2 unterstützt allerdings lediglich das Mpeg-Format für Quellvideos; eine automatische Konvertierung von Fremdformaten beherrscht Mistelix zurzeit nicht, sodass Anwender sich selbst um die Umwandlung der Filme kümmern müssen.

Auf gute Zusammenarbeit

Natürlich haben auch die Mistelix-Programmierer das Rad nicht neu erfunden - die Software benötigt einige bekannte und bewährte externe Helfer im Hintergrund. Mistelix setzt auf Gstreamer, damit stehen alle Multimediaformate zur Verfügung, die dieses Framework kennt. Das unterscheidet sich von System zu System und hängt von den installierten Gstreamer-Komponenten der jeweiligen Distribution ab. MP3 gehört bekanntlich nicht mehr unbedingt dazu, seit über diesem Format das Damoklesschwert der Softwarepatente schwebt. Wer Audiodateien im MP3-Format als Hintergrundsound einbinden möchte, sollte Mistelix das Fluendo-MP3-Plugin für Gstreamer zur Seite stellen. Der Quellcode dieses Plugins steht auf der Fluendo-Homepage zur Verfügung [4].

Unter der Haube verwendet Mistelix das Kommandozeilen-basierte Werkzeugset Dvdauthor [5], das die Ausgabedateien erzeugt. Des Weiteren setzt Mistelix auf Ffmpeg [6], um das passende Videoformat zu erzeugen. Entscheidet der Anwender sich gegen den DVD-Standard und für das Theora-Format, ist die Installation der entsprechenden Theora-Codecs Voraussetzung. Wenn ein unverzichtbarer Helfer fehlt, schlägt Mistelix frühzeitig Alarm (Abbildung 4). Das verhindert unnötige Wartezeiten und vermeidet frustrierende Abbrüche, denn das Erstellen und Konvertieren Mpeg-komprimierter Videos nimmt auch auf schnellen Rechnern oft viel Zeit in Anspruch.

Abbildung 4: Mistelix setzt auf externe Helfer und überprüft, ob alle notwendigen Komponenten installiert sind.

Abbildung 4: Mistelix setzt auf externe Helfer und überprüft, ob alle notwendigen Komponenten installiert sind.

Eine Brennfunktion enthält Mistelix bislang nicht. Stattdessen erzeugt es lediglich ein Unterverzeichnis namens »dvd«, in dem es die präparierten Dateien ablegt (Abbildung 5). Der folgende Kommandozeilenbefehl schreibt daraus eine brennfertige Abbilddatei:

mkisofs -dvd-video -udf -o dvd.iso dvd

Die damit erstellte Datei »dvd.iso« bringt der Benutzer nun mit der Brennsoftware seiner Wahl auf den Datenträger.

Abbildung 5: Mistelix unterstützt PAL und NTSC sowie verschiedene Seitenverhältnisse für die Video-DVDs.

Abbildung 5: Mistelix unterstützt PAL und NTSC sowie verschiedene Seitenverhältnisse für die Video-DVDs.

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