Open Source im professionellen Einsatz

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Ttytter

Zwitschermaschine

Twitter, so ruft es von allen Dächern, sei modern, spaßig, soziologisch aufschlussreich und ansonsten nutzlos. Selbst Charly füttert einen Sittich - aber auf der Konsole, so viel Stil muss sein.

Inhalt

72 | Nagios-GUI Nconf

Besonders den Admins größerer Monitoring-Umgebungen
bietet der Neuling Nconf Beachtliches.

76 | VoIP trotz NAT

Wie SIP-bedingte Routingprobleme entstehen und welche
Möglichkeiten es gibt, sie zu umgehen.

79 | X2go 3.0

Die Neuerungen des Servers, der offene Sessions von Terminal zu
Terminal weiterreicht.

Es ist nicht so, dass ich grafische Clients nicht mag - ohne meinen Thunderbird sähe ich ziemlich alt aus. Dass ich oft stundenlang vor Maschinen ohne X11 ausharre, macht mich gleichwohl zum Pfleger der guten alten Konsolentools: Oft und gern benutze ich Mutt für Mail, Slrn fürs Usenet und Irssi fürs IRC laufen in einer Screen-Sitzung auf einem kleinen Root-Server.

Neuerdings habe ich noch ein weiteres Tier im Konsolen-Zoo: Ttytter [1]. Es ist, wie der Melange-Name schon dezent andeutet, ein nicht-grafischer Twitter-Client. Das Perl-Skript benötigt entweder Curl oder Lynx, um die Verbindung zum Twitter-API herzustellen. Ttytters Autor, Cameron Kaiser, der übrigens als Arzt arbeitet, hat bewusst auf den Einsatz spezieller Perl-Module wie Net::Twitter verzichtet, um den Einsatz auch auf Systemen zu ermöglichen, die keine Module aus dem CPAN nachziehen können oder dürfen.

Ich starte meinen Zwitscherer gewöhnlich mit dem Kommando:

ttytter -vcheck -ansi -wrap -user=Username:Passwort 

Der erste Parameter überprüft, ob meine Ttytter-Version noch aktuell ist, denn Cameron Kaiser poliert noch am Client. Zum Redaktionsschluss war die Version 0.9.5 aktuell. Mit »-ansi« benutzt das Programm erweiterte Steuerzeichen für die Konsole, um zum Beispiel eine farbige Darstellung zu erreichen. Der Parameter »-wrap« sorgt für saubere Umbrüche, per Default nach 79 Zeichen.

Gut für X11-freie Volieren: Twitter im IRC-Style

Nach dem Start zeigt Ttytter die letzten zehn Tweets sowie die letzten beiden Direktnachrichten. Am Prompt kann ich nun einfach einen weiteren Tweet schreiben und abschicken. Um weitere Funktionen des Twitter-API zu nutzen, setze ich Kommandos im IRC-Stil ab, also mit vorangestelltem »/«. Die Eingabe von »/trends« präsentiert mir eine Liste der aktuellen Top-Themen (siehe Abbildung 1). Alle nutzbaren Kommandos sind unter [1] dokumentiert.

Abbildung 1: Mit »/trends« präsentiert Ttytter eine Liste der aktuellen Top-Themen.

Abbildung 1: Mit »/trends« präsentiert Ttytter eine Liste der aktuellen Top-Themen.

Mit wenig Aufwand lässt sich übrigens das Twitter-API per Curl direkt ansprechen. Folgende Zeile schickt den Text »Blafasel« als Tweet unter meinem Usernamen ab:

curl --basic --user "User:Passwort" --data-ascii "Blafasel" "http://twitter.com/statuses/update.json" 

Das nutze ich, um Server Dinge twittern zu lassen, die nicht wichtig genug sind, um sie in Nagios oder aufs Mobiltelefon weiterzuleiten (Abbildung 2). (jk)

Abbildung 2: VDR oder der Asterisk-Server twittern mäßig wichtige Statusmeldungen hier über einen Twitter-Kanal.

Abbildung 2: VDR oder der Asterisk-Server twittern mäßig wichtige Statusmeldungen hier über einen Twitter-Kanal.

Infos

[1] Ttytter: [http://www.floodgap.com/software/ttytter/]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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