Open Source im professionellen Einsatz

Kräftiger Kern

Deutlich kühler ist es im Ostflügel des DMRZ, dem Deutschen Meteorologischen Rechenzentrum - dafür aber wesentlich lauter. In klimatisierten Maschinensälen stehen drei Reihen der SX-9 (siehe Abbildung 2) neben einigen Racks der Linux-Cluster (Abbildung 3) und umfangreichen Speichersystemen von Plattenschränken. Ein Bandroboter verwaltet bis zu 40 PByte Daten, das entspricht etwa vier Millionen DVDs.

Abbildung 2: Der Vektorrechner SX-9 von NEC bildet das Herz der Vorhersagemodelle des DWD. Der leistungsstarke Computer gehört mit 23 Teraflops Nominalleistung und 7 TByte Hauptspeicher zu den Top-Ten in Deutschland.

Abbildung 2: Der Vektorrechner SX-9 von NEC bildet das Herz der Vorhersagemodelle des DWD. Der leistungsstarke Computer gehört mit 23 Teraflops Nominalleistung und 7 TByte Hauptspeicher zu den Top-Ten in Deutschland.

Abbildung 3: Zwei Racks beherbergen 960 Opteron-Kerne und knapp 4 TByte Hauptspeicher. Maschinensaalleiter Hans Mayr zeigt, wo unter SLES die wissenschaftlichen Anwendungen die eigentliche Modellrechnung steuern.

Abbildung 3: Zwei Racks beherbergen 960 Opteron-Kerne und knapp 4 TByte Hauptspeicher. Maschinensaalleiter Hans Mayr zeigt, wo unter SLES die wissenschaftlichen Anwendungen die eigentliche Modellrechnung steuern.

"Das Archiv enthält sämtliche Wetteraufzeichnungen aus Deutschland, die ersten weit über hundert Jahre alt", schreit Hans Mayr gegen den Lärm an. Er ist seit 1968 Operateur beim DWD und überwacht die Systeme. Heute ist er praktisch der Hausherr des Maschinensaals. "Alle Systeme gibt es noch einmal im baulich getrennten Westflügel", erläutert er das HA-Konzept: "Sollte unser Produktivsystem ausfallen, rechnen wir auf dem identischen Testsystem weiter."

Mensch und Maschine

Trotz immer präziserer Verfahren steht am Ende der meisten Wettervorhersagen immer noch der Mensch. Im Vorhersageraum sitzt ein halbes Dutzend Experten und beobachtet über Monitore die Entwicklung des Wetters. Berichte und besonders Wetterwarnungen stellen sie bis heute händisch zusammen, teilweise noch mit Bleistift und Pauspapier.

Eine Java-Oberfläche (Abbildung 4) gibt den Meteorologen alle wichtigen Daten an die Hand: Sie können unter den eigenen Modellen, Ergebnissen europäischer Partner oder Messwerten wählen. Auf dieser Grundlage geben sie bei entsprechender Wetterlage Warnungen für einzelne Gemeinden heraus, woraufhin sich beispielsweise Feuerwehr oder technisches Hilfswerk in Bereitschaft versetzen. Südhessen bleibt aber trotz Kachelfroschs Unken an diesem Tag verschont, mittlerweile scheint gar wieder die Sonne.

Abbildung 4: Eine Java-Oberfläche stellt den Meteorologen alle Ergebnisse alternativer Voraussagen auf einem Bildschirm dar. Daraus lesen sie Wetterlagen ab und erstellen eventuell Warnungen.

Abbildung 4: Eine Java-Oberfläche stellt den Meteorologen alle Ergebnisse alternativer Voraussagen auf einem Bildschirm dar. Daraus lesen sie Wetterlagen ab und erstellen eventuell Warnungen.

Infos

[1] Deutscher Wetterdienst: [http://dwd.de]

[2] Meteomedia: [http://kachelmannwetter.de]

[3] Numerische Wettervorhersage: [http://euromet.meteo.fr/euromet/german/navig/]

[4] Automatic File Distributor (AFD):[http://www.dwd.de/AFD]

[5] Open-Source-API zum Gridded Binary Datenformat (GRIB): [http://www.ecmwf.int/products/data/software/grib_api.html]

[6] Datenblatt NEC SX-9:[http://nec.de/hpc/hardware/sx-series/]

[7] Super-UX: [http://www.nec.de/hpc/software/super-ux/]

[8] Edward N. Lorenz, "Deterministic Nonperiodic Flow": Journal of the Athmospheric Schiences, 1962

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